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Physiotherapeut und Jugendtrainer Aljoscha Nickel (rechts) im Gespräch mit einem Nachwuchsspieler des FC Neu-Anspach.

Fußball, Hochtaunus

Aljoscha Nickel betreute schon Europameister

  • vonGerhard Strohmann
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Aljoscha Nickel kümmerte sich als Physiotherapeut schon um Profis im Eishockey und Handball sowie als Trainer um die Jugend des FC Neu-Anspach. Jetzt hat er Tipps für jedermann in Zeiten des Lockdowns parat.

Neu-Anspach – Aljoscha Nickel gehört zu jenen Menschen, die – zumindest in beruflicher Hinsicht – in diesen durch den Lockdown geprägten Tagen keine Einschränkungen erfahren. Kein Wunder, er ist examinierter Physiotherapeut. „Ich bin bis März komplett ausgebucht“, verweist der 30-Jährige auf einen komplett gefüllten Terminkalender. Den Kolleginnen und Kollegen, mit denen er sich im Kontakt und Austausch befindet, gehe es ähnlich. Ergo: Die Corona-Pandemie hinterlässt in den Körpern der Menschen ihre Spuren. Dazu muss man sich nicht unbedingt mit dem Virus infiziert haben.

Bei den Sportlern, die er in seiner Praxis in Münzenberg betreut, ist Nickel derzeit auch als Psychologe gefragt. Die Zwangspause nagt am Nervenkostüm seiner Patienten. „Der mentale Bereich spielt gerade im Hochleistungsbereich eine enorme Rolle“, weiß er aus seiner Erfahrung als Physiotherapeut im Profisport bei den Eishockeyspielern des EC Bad Nauheim (2014 bis 2016) und den Handballern der HSG Wetzlar (2016 bis 2018), bei denen er mit Andreas Wolf, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher unter anderem auch drei Europameister aus der deutschen Nationalmannschaft betreut hat.

Zugute kommen Nickel die Erfahrungen, die er als Fußballer und Trainer gesammelt hat. Unter Stefan Lerch kickte er schon als Sechsjähriger in der G-Jugend der SG Anspach und wechselte nur wegen des Wohnortwechsels seiner Mutter in der A-Jugend zur SG Waldsolms.

Schon sehr früh arbeitete Nickel parallel an einer Trainerkarriere. Der Inhaber der B-Lizenz schnupperte als Co-Trainer bei den U16-Fußballern des FSV Frankfurt erstmals Luft auf überregionaler Ebene. Einer seiner Schützlinge war damals Marcel Kaffenberger, der später als Drittliga-Profi unter anderem beim Chemnitzer FC und bei Rot-Weiß Erfurt unter Vertrag stand. 2015 holte ihn Gerd Müller zurück in den Taunus. Gemeinsam betreuten sie die C-Jugend des FC Neu-Anspach, die in der Gruppenliga Frankfurt mit 25 Punkten aus 26 Spielen Platz neun belegte.

Von da an ging es mit Aljoscha Nickel als Nachwuchs-Coach steil bergauf: 2016/17 spielte er mit der B-Jugend des FCNA in der Verbandsliga Süd und ein Jahr später mit der A-Jugend ebenfalls in der zweithöchsten Spielklasse des Hessischen Fußballverbands. Damals an seiner Seite: Jerome Lehmann, der inzwischen als Nachfolger von Michael Caspari der Sportliche Leiter beim Club aus der Kleeblattstadt ist. Zu ihm hält Nickel engen Kontakt.

Mit dem guten sechsten Platz in der Verbandsliga-Saison 2017/18 endete bei der U19 jedoch (vorläufig) die Übungsleiter-Karriere von Aljoscha Nickel. „Das war dann mit dem Beruf nicht mehr zu vereinbaren. Nachdem ich meine eigene Praxis eröffnet habe, komme ich bei einer Sechs-Tage-Woche locker auf 60 Stunden Arbeitszeit. Das ist mit der zeitlich aufwändigen Tätigkeit eines Trainers nicht mehr zu vereinbaren.“ Zumal vor knapp sechs Monaten Töchterchen Emily zur Welt gekommen ist, um die sich das Leben von Papa Aljoscha und Mama Isabelle dreht. Die junge Familie lebt im Friedberger Stadtteil Dorheim.

„Ich habe rund 800 Patienten in meiner Kartei, aber zum Glück ist mir bis dato noch kein einziger positiver Corona-Fall bekannt geworden“, erzählt Nickel, ein bekennender Fan des FC Bayern München. Er hofft wie viele andere, dass die Pandemie in nicht allzu ferner Zukunft überwunden sein wird. Eine Erkenntnis hat der junge Mann mit den heilenden Händen unabhängig von Corona gewonnen: „Spitzensportler sind ganz sicher einfacher zu behandeln als die sogenannten Normalbürger.“ Solchen „beruflichen Herausforderungen“ stellt sich Aljoscha Nickel aber gerne.

Interview mit Aljoscha Nickel: „Sport ist wichtig für unser Stimmungsmanagement“

Worauf sollte man in der aktuellen Situation ganz besonders achten, um in Form zu bleiben? Ganz wichtig ist für jeden von uns der Fitness-Sport. Vorrangig geht es dabei neben der Erhaltung der sportartspezifischen Faktoren generell um die Bereiche Ausdauer, Kraft, Koordination und Mobilität.

Wieso ist der Sport gerade in Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig? Die Verletzungsprävention ist ein ganz wichtiges Thema. Den Fokus sollte man dabei auf anfällige Strukturen legen oder auf Bereiche, die bereits einmal verletzt gewesen sind. Zum Beispiel Knie, Hüfte, Sprunggelenk, Rücken oder Schulter.

Welche Auswirkungen auf die Psyche hat der Sport? Er ist enorm wichtig für unser Stimmungsmanagement. Allein durch die Bewegung an der frischen Luft oder in einer Gemeinschaft. Die kann in diesen Tage durchaus auch in der eigenen Wohnung erfolgen, über den Monitor im virtuellen Raum. Viele Sportvereine bieten ein derartiges Training an.

Was raten sie als Bewegungsexperte den TZ-Lesern für ihren Alltag? Wenn man bewusst häufiger als üblich zu Fuß geht und das Rad benutzt, ist das bereits ein erster Schritt in die richtige Richtung. Für ein regelmäßiges Training sollte man feste Termine in seine Wochenplanung einbauen.

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