Rückraumspieler Tim Terkowsky von der SG Wehrheim/Obernhain nimmt Maß.
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Rückraumspieler Tim Terkowsky von der SG Wehrheim/Obernhain nimmt Maß.

Handball, SG Wehrheim/Obernhain

Alle 45 Sekunden ein Tor

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Allein 48 Treffer gehen im Spiel bei der TSG Eddersheim II auf das Konto der SG Wehrheim/Obernhain. Wie es zu einem solch hohen Resultat kam.

Wehrheim -Als Marcel Heid mit seinem Sport begann, da war noch alles anders. Der Oberurseler spielte als Bub in einem Jugendteam, als 1997 die schnelle Mitte eingeführt und damit das Handballspielen revolutioniert wurde. Nach einem Gegentor muss die ballführende Mannschaft seitdem nicht mehr abwarten, bis die Spieler des Kontrahenten in die eigene Hälfte zurückgetrottet sind. Sie kann den nächsten Angriff nach einem Pass des Torwarts zu einem Spieler an der Mittellinie direkt einleiten.

Auch Heid ist solche Abläufe und die damit verbundene Tempoverschärfung natürlich längst gewohnt. Dennoch staunte er am Wochenende nicht schlecht, als er für die SG Wehrheim/Obernhain in der Bezirksliga A Wiesbaden/Frankfurt als Spielertrainer auf dem Feld der Sporthalle der Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim stand. Bei der TSG Eddersheim II setzten sich die Gäste aus dem Taunus mit 48:32 Toren durch. In Worten: Achtundvierzig zu zweiunddreißig. "Früher wäre ein solches Spiel wahrscheinlich 19:18 für uns ausgegangen", scherzt der 33-jährige Rückraum-Mitte-Spieler, den seine Mitspieler "Mali" rufen. "Das ging echt ab."

Angesichts der Tatsache, dass in dieser Begegnung zwischen dem Spitzenreiter und dem Tabellenfünften (unter sieben Teams in dieser Staffel) alle 45 Sekunden ein Tor gefallen ist, klingt es fast verwunderlich, wenn Heid sagt, dass die Mannschaft (die er gemeinsam mit Sebastian Wagner coacht) das Spiel über die Abwehr gewonnen habe. Die SG W/O hat ja auch immerhin 32 Tore kassiert. Aber eben immer, wenn Eddersheim nicht getroffen hatte, den direkten Gegenzug durch die Torhüter (Steffen Wagner oder Ben Ernst) eingeleitet. "Es war ein Bombenspiel von uns mit einem Riesentempo, und wir haben uns fast keinen Fehlwurf erlaubt", staunte Heid.

Der frühere Landesligaspieler der TSG Oberursel hatte im Abwehrzentrum wechselweise mit Felix Schmidt, Sebastian Pierags, Christopher Butsch und Tim Terkowsky nicht etwa offensiv gedeckt, sondern in einer 6:0-Formation massiv hinten dringestanden. So habe Eddersheim II - zuletzt in einer Zwangspause wegen eines Corona-Falls - die Würfe gar nicht lange hinauszögern können. Schwächen über die Außenpositionen, wo der erfahrene Linkshänder Christian Solbach (8/1) öfters zuschlug, waren für die Gäste zu verschmerzen.

In Leibchen mit den Hufen gescharrt

Dass die Mannschaft in einem Pflichtspiel die orangenen Trainingsleibchen über die Trikots streifen mussten - beide Teams hatten nur einen roten Satz an Jerseys dabei - und nach dem eigentlichen Anpfiff minutenlang gewartet werden musste, bis die Anzeigentafel funktionierte, habe sie noch mehr motiviert. "Jeder, der reinkam, wollte sich für weitere Taten empfehlen" - das imponiert Heid neben der ohnehin sehr guten Trainingsbeteiligung unter der Woche.

Nach 21 Minuten hatte Florian Goslar schon das 20. Tor, das in den 90er-Jahren oft schon für einen Sieg in einem Handballspiel gereicht hat, erzielt (zum 20:9). Zur Pause führte man bereits mit 26:16. Das 30. Tor - noch vor zehn Jahren etwas Besonderes und mit der Spende einer Getränkekiste für den Torschützen an die eigene Mannschaft verbunden - warf Terkowsky in der 36. Minute (30:19), Tor Nummer 40 ging auf das Konto von Felix Schmidt nach 54 Spielminuten (40:28).

Auf 10 Spieler ist die Torausbeute verteilt

Noch in den letzten 100 Sekunden gelangen dem Sieger vier Treffer. Die gesamte Ausbeute verteilte sich auf Luis Weber, Christopher Butsch (je 8), Tim Terkowsky (7), Malte Streim, Sebastian Wagner, Florian Goslar (6), Felix Schmidt, Marcel Heid, Janis Faust (je 2) und Jan Ernst (1).

Nach vier Siegen in Serie hat die SG jetzt das Topspiel beim ebenfalls unbesiegten TV Petterweil II vor der Brust. Und das Saisonziel "Playoffs" hat das Team fest im Blick. Am Sonntag um 16 Uhr soll die Partie angepfiffen werden. Ein Wiedersehen mit den früheren Oberurseler Mitspielern Roman Hitzel und Christian Dänner steht für das Trainer-Duo Wagner und Heid bevor.

Doch eine Saisonunterbrechung oder gar ein Abbruch wegen des Anstiegs der Infektionszahlen schwebt derzeit wie ein Damoklesschwert über dem Hallensport. Man nehme es, wie es kommt, die Gesundheit gehe immer vor, sagt Marcel Heid. "Aber aus sportlicher Sicht wäre das schon super schade für uns."

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