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Amelie Kempa (TTC Offheim) und ihr älterer Bruder Étienne (18).

Serie: Supertalente aus dem NNP-Land

Amelie Kempa: Ein Ass an der Platte

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie "Supertalente aus dem NNP-Land" blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit Tischtennis-Spielerin Amelie Kempa vom TTC Offheim.

Volle Ränge und eine ganz besondere Drucksituation: Amelie Kempa vom TTC Staffel hat in ihren jungen Jahren nicht nur im Verein große Erfolge gefeiert, sondern auch mit der Tischtennis-Schulmannschaft des Hadamarer Fürst-Johann-Ludwig-Gymnasiums, mit der sie 2018 in der Berliner Max-Schmeling-Halle am Bundesfinale des Schulwettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia" teilgenommen hat.

Sensation: Silber mit dem Schulteam

"Der Druck war wirklich hoch. Man wollte den Zuschauern ja auch etwas bieten und ihnen zeigen, warum man sich qualifiziert hat", sagt die Achtklässlerin, die in Berlin mit ihrem Team zur Höchstform aufgelaufen war. "Es war ein besonderes Erlebnis, mit der Hessenflagge in die Halle einzulaufen und vor so vielen Zuschauern einzeln vorgestellt zu werden. Deshalb haben sich alle total angestrengt." Dass das siebenköpfige Team des Hadamarer Gymnasiums überhaupt am Bundesfinale teilnehmen durfte, war bereits eine Sensation. 20 Jahre war es her, dass es ein Team der Schule geschafft hatte, sich über die Ausscheidungen des Kreises Limburg-Weilburg und des Bundeslandes Hessen zu qualifizieren. Dass es dann am Ende sogar zur Vizemeisterschaft reichte, war umso beeindruckender. Nur der Auswahl der saarländischen Sportschule "Gymnasium am Rotenbühl", gespickt mit mehreren Bundesliga-Spielerinnen, mussten sich Kempa & Co. im Endspiel geschlagen geben. "Wir waren richtig stolz auf das, was wir in Berlin erreicht haben", erzählt Amelie Kempa, die sich zusammen mit Nele Habel (TTC Niederzeuzheim), Tabea Ibel (TTF Oberzeuzheim), Basima Posselt, Anabel Beck, Carolin Beck (alle DJK SG Lahr) und Sinja Eichinger (TTC Offheim) die Silbermedaille umhängen durfte.

Bei den Senioren wird sie unterschätzt

Seit ihrem fünften Lebensjahr ist die 13-Jährige, die ihre Vielseitigkeit schon im Kindesalter auch beim Tanzen und Turnen unter Beweis stellte, dem Tischtennis treu. Lediglich ein Jahr lang trat sie für den DJK SG Lahr an, dort hatte sie zu dieser Zeit die Möglichkeit, in der Hessenliga der Damen mitzuwirken. "Diese Chance gab es zu der Zeit in Offheim nicht", begründet Amelie Kempa ihren damaligen Wechsel. Inzwischen ist sie aber bei ihrem Heimatverein TTC Offheim an Position eins im Damenteam in der Bezirksliga Nord gesetzt. Aber nicht nur das: Auch bei den Herren mischt sie mit ihrer bisherigen Bilanz für den TTC die Bezirksklasse Nord auf. Ihren bislang neun Siegen stehen nur zwei Niederlagen gegenüber.

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern zählt sie jeweils zu den Jüngsten in den Erwachsenen-Wettbewerben. Einen Nachteil sieht Kempa darin aber nicht. "Durch mein Alter werde ich von manchen Gegnern nicht richtig ernst genommen, das kann auch ein großer Vorteil sein. Der Druck ist dann auf der anderen Seite größer", erzählt sie und fügt an: "Gerade bei den Männern in der Bezirksklasse ist die Konkurrenz meist deutlich älter als ich. Dadurch werde ich manchmal schon unterschätzt." Auch für die Kontrahenten seien die Matches aber eine besondere Situation. "Es ist sicher ungewohnt. Bei den Herren spielen sonst keine Mädchen und überhaupt auch kaum Spieler in meinem Alter", sagt sie.

Mit dem Offheimer Damenteam stand Amelie Kempa in der vergangenen Saison unmittelbar vor der Meisterschaft, ehe der Spielbetrieb, bedingt durch das Coronavirus, jäh gestoppt wurde. "Die Meisterschaft und der Aufstieg waren natürlich unsere großen Ziele in diesem Jahr", sagt Amelie Kempa. Inzwischen herrscht Klarheit: Der TTC Offheim durfte trotz des Saisonabbruchs jubeln. Schließlich gilt das Datum der Unterbrechung (12. März) als Abschlusstabelle. Das bringt sowohl die Meisterschaft als auch den Aufstieg in die Bezirksoberliga Nord mit sich.

Um auch in der höheren Spielklasse für Furore zu sorgen, hält die Schülerin sich auch in dieser ungewissen Zeit mit Krafttraining in Form und übt fleißig mit ihrem älteren Bruder Étienne (18), der ebenfalls für den TTC Offheim spielt, im extra hergerichteten Hobbyraum der Familie.

"Da haben wir uns vor einigen Wochen eine Platte aufgebaut", sagt sie. Bisher habe in den Geschwister-Duellen aber zumeist der große Bruder das bessere Ende für sich - "noch", wie sie betont.

Der nächste Schritt als Trainerin

Im Normalfall trainiert Amelie Kempa, die 2016 und 2018 jeweils im Doppel den Hessenmeister-Titel bei den Schülerinnen gewann, viermal in der Woche bei ihrem Coach Christopher Horn, der sie nun ebenfalls auf die kommende Spielzeit in der Bezirksoberliga vorbereitet.

Zusätzlich engagiert sich Amelie Kempa bereits selbst im Trainerstab des Offheimer Nachwuchses. "Ich betreue das Kindertraining. Es sind insgesamt 13 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren", sagt sie. In Kürze möchte sie dafür den nächsten Schritt machen und den Assistenztrainerschein erwerben. "Wann und wo ich den Lehrgang belegen kann, ist noch unklar, aber da möchte ich auf jeden Fall weitermachen", berichtet sie. YANNICK WENIG

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