Hat die Liebe zur Natur entdeckt: Amnore Loshaj.
+
Hat die Liebe zur Natur entdeckt: Amnore Loshaj.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Amnore Loshaj: „Meine Familie ist mein Hobby“

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
    schließen

Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. In ihrem Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Amnore Loshaj vom 1. FFC Runkel näher kennen.

Was fangen Fußballerinnen in Zeiten von Corona eigentlich mit ihrer Freizeit an? „Ich habe den Wald entdeckt“, antwortet Amnore Loshaj lächelnd. Eine Muse, für die der Spielführerin des 1. FFC Runkel früher einfach gar keine Zeit geblieben war. Ob Spazierengehen, Wandern, manchmal auch Joggen - Hauptsache es geht ins Grüne. Eine wirklich bunte Freizeitgestaltung hat die Bad Cambergerin allerdings nicht. Obwohl sie in ihrem stressigen Beruf als Hauswirtschaftsleitung eines Senioren-Parks in Hasselbach sehr strukturiert arbeite und daher einen geregelten Tagesablauf auch durchaus mit Freizeit habe.

„Meine Familie ist mein Hobby“, sagt die 36-Jährige über ihre größte Leidenschaft - neben dem Fußball, versteht sich. In beiden steckt Amnore Loshajs Herzblut, und nahezu ihre gesamte freie Zeit. Dem 1. FFC Runkel widmet sich die Offensivspielerin schon seit mehr als zehn Jahren. Immerhin zählt sie zu den „Gründungsmüttern“ des Vereins, der im März 2009 aus dem Boden gestampft worden war. Seitdem trägt Amnore Loshaj, deren Vorname im Hebräischen übrigens so viel wie „Treue“ bedeutet, nicht nur das Trikot des mittelhessischen Clubs, sondern auch die Kapitänsbinde.

Kaum verwunderlich, dass die Vereinsmitglieder, allen voran ihre Mannschaftskameradinnen, im letzten Jahrzehnt zu ihrer Zweitfamilie herangereift sind und sie dadurch ihre beiden Hobbys perfekt in Einklang bringen kann. „Ich bin immer wieder stolz, dieses Team aufs Feld führen zu dürfen“, betont die routinierte Stürmerin und Teamspielerin.

Besondere Worte hat sie eigens für ihren Trainer Michael Riegel übrig: „Er leistet tolle Arbeit und tut uns so gut. Er verdient es, ein großes Dankeschön zu hören, dafür, dass er uns immer wieder vorantreibt und ein tolles Training macht.“ Sportliche Liebkosungen, die ihr Trainer nur zurückgeben kann: „Amnore ist aus meiner Sicht der Inbegriff für das Amt der Mannschaftskapitänin. Sie überzeugt uns alle durch ihre beispiellose Einstellung zum Fußball und lebt das als absolutes Vorbild“, so Michael Riegel. Vor allem die Fürsorge der „Mama“, wie sie im 1. FFC liebevoll genannt wird, sowie ihre positive Art und ihr Feingefühl imponieren dem Übungsleiter.

Eine Harmonie, wie sie nicht immer rund um den 1. FFC Runkel herrschte: Als vor zwölf Jahren ein ganzer Schlag an Spielerinnen ihre Pässe schnappten und fortan ihre Fußballschuhe für den neu gegründeten Frauenfußball-Club schnürten, anstelle des damaligen Hessenligisten VfR Limburg 07, stieß das vor allem bei den alten Kolleginnen bitterböse auf. Unter den Abtrünnigen war auch Amnore Loshaj, die für die 07er noch zu Beginn jener Saison 2008/09 in der ersten Runde des DFB-Pokals aufgelaufen war.

Für Unmut hatte sie mit ihrem Wechsel freilich nicht sorgen wollen, fasste sie bei den Limburgerinnen - nach ihren Anfängen in der Jugend des SC Dombach - sportlich erst richtig Fuß. Nicht zuletzt dank ihrer damaligen Förderer, dem Trainergespann Kerstin Schulz und Helmut Voß, sowie dem einstigen Limburger und später auch Runkeler Abteilungsleiter Jürgen Seelhof. „Ein toller Mensch“, hält Loshaj den bereits verstorbenen Funktionär in schöner Erinnerung. Das 2011 erstmals ausgetragene - und prompt gewonnene - Gedächtnisturnier zu seinen Ehren war für sie das Highlight ihrer Laufbahn.

Mittlerweile sei das Kriegsbeil begraben. „Jetzt sind beide Mannschaften gute Freunde. Nach dem Spiel lädt man einander noch auf ein Bier zur dritten Halbzeit ein, so wie es sein soll“, erzählt Amnore Loshaj.

„Das Tante-Sein erfüllt mich total“

Nun, wo ihre „Zweitfamilie“ aufgrund der Corona-Schutzverordnung Pause hat, geht Amnore Loshaj nicht nur auf Erkundungstouren in den Wald, sondern vor allem ihrem anderen großen Hobby nach: der Familienbande. „Das Tante-Sein erfüllt mich total“, schwärmt sie von den Kindern ihres jüngsten Bruders Egzon (32), der, wie sie selbst, noch im Elternhaus wohnt. Besonders die dreijährige Nichte eroberte Amnore Loshajs Herz im Sturm, trägt bei ihr den Kosenamen „kleine Prinzessin“. Zu den beiden anderen in Frankfurt lebenden Geschwistern - ihrer älteren Schwester Vlora (38) und Bruder Abi (34) - pflegt sie ebenfalls ein gutes Verhältnis. Der Zusammenhalt kommt nicht von ungefähr: Die Familie blieb zusammen, seit sie vor fast 30 Jahren aus dem Kosovo eingewandert ist.

Wenn es um ihre Herkunft geht, wird selbst die aufgeweckte und so lebensfrohe Amnore Loshaj ruhig. Bevor sie mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen war, genauer gesagt, nach Mengerskirchen, hatte sie die Schrecken des Bürgerkrieges kennengelernt. „Ich danke meinen Eltern jeden Tag dafür, dass sie uns nach Deutschland gebracht haben“, sagt die 36-Jährige ernst. Vergessen will sie ihre Wurzeln nicht, besucht regelmäßig den Teil der Verwandtschaft, der noch heute in der alten Heimat lebt.

Auch ihre Liebe zum Fußball liegt in ihrer Vergangenheit. Denn dieser Sport war es, der ihr damals in Deutschland bei der Entfremdung half. Gerade in Mengerskirchen angekommen und der Sprache noch nicht mächtig - ein Umstand, den man sich heute bei der sympathischen Brünetten, die wunderschön Hessisch spricht, kaum noch vorstellen kann -, sprang der Fußball-Funken schnell von einem Freund ihres Bruder über; trotz vermeintlicher Sprachbarriere. „Fußball braucht keine Sprache“, erklärt Amnore Loshaj, die sich seit jenem Moment nicht nur auf dem Spielfeld zu Hause fühlt.

Mit dem Gedanken, irgendwann vielleicht nicht mehr Fußball spielen zu können, kann sich die Stürmerin nicht anfreunden. Auch wenn sich in absehbarer Zeit nunmehr 40 Kerzen auf ihrer Geburtstagstorte finden werden und sie dann wohl das optimale Sportleralter überschritten haben wird. Ihr Wunsch: vor der sportlichen Rente noch einmal einen Aufstieg feiern zu dürfen. Fast wäre der schon in Erfüllung gegangen, doch die Pandemie funkte gleich zweimal dazwischen. Vor der Unterbrechung im Oktober zeigte das Power-Ranking des 1. FFC Runkel stark nach oben. Mit Platz zwei der Gruppenliga Wiesbaden, nur ein Punkt hinter dem Tabellenführer bei einem Spiel weniger, einem Torverhältnis von 30:1, fünf Siegen sowie einem Remis aus sechs Partien.

Im dritten Anlauf soll es endlich klappen

Noch deutlicher standen die Zeichen auf eine Rückkehr in die Verbandsliga 2019/20. Da war es der umstrittene Quotient, der die Runkeler Kickerinnen auf Platz zwei verdrängte, obwohl sie punktgleich und sogar um zehn Tore besser waren als der BSC Schwalbach und das direkte Duell auch noch ausgestanden hätte. Im dritten Anlauf, wann immer dieser auch sein mag, soll es dann aber klappen. Denn: „Irgendwann muss man auch eingestehen, dass die Jugend Vorrang hat“, selbst als Vollblutfußballerin, wie Amnore Loshaj eine ist. ROMINA KUNZE

In unserer nächsten Folge geht es um einen gestandenen 34 Jahre alten Hardrock-Fan aus dem ehemaligen Oberlahnkreis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare