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An Tagen wie diesen wünscht sich „Wörsi“ Unendlichkeit

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Von: Marion Morello

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Thorsten „Wörsi“ Wörsdörfer glückselig in seinem Garten daheim in Westerburg mit einem der vielen Erinnerungsgeschenke, die ihm seine Mannschaft, der Verein und Freunde am letzten Wochenende gemacht haben.
Thorsten „Wörsi“ Wörsdörfer glückselig in seinem Garten daheim in Westerburg mit einem der vielen Erinnerungsgeschenke, die ihm seine Mannschaft, der Verein und Freunde am letzten Wochenende gemacht haben. © privat

Wenn sich Thorsten Wörsdörfer einen Song für diesen Sonntag aussuchen dürfte, wäre es „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“ von den „Toten Hosen“. Gegen 17 Uhr fällt für den Trainer des Fußball-Hessenligisten TuS Dietkirchen nach sechs Jahren endgültig der Vorhang.

Offiziell verabschiedet haben ihn der Verein und sein Team ausgiebigst am vergangenen Wochenende. Das Spiel beim SV Neuhof (15 Uhr) wird das letzte unter „Wörsi“ sein. Mit dem Erfolgstrainer vom Reckenforst hat NNP-Sport-Chefin Marion Morello gesprochen.

Sechs Jahre Trainer eines Verbands- und dann Hessenliga-Vereins sind eine außerordentlich lange Zeit. Gab es jemals den Moment, in dem Sie mit dem Gedanken gespielt haben, das Handtuch zu werfen?

Das mit dem Handtuchwerfen ist nicht meine Stärke, denn gerade in schwierigen Zeiten ist der Coach gefragt. Es gab hier auch in all der Zeit wahrlich keinen Grund dafür. Wir haben nach Niederlagen immer positiv gemeinsam am Erfolg gearbeitet und daran geglaubt. Dazu kamen die Ruhe und die Rückendeckung durch die verantwortlichen Personen im Verein und das große Vertrauen. Dafür bin ich sehr dankbar. Hier gilt der Slogan: Entscheidend ist nicht, wie oft man hinfällt, sondern wie oft man aufsteht.

Welcher war der größte Glücksmoment, welcher der Tiefpunkt?

Hier gibt es ein paar vergleichbare Highlights. Der Sieg und die Wartezeit danach in Zeilsheim, Pokalsiege gegen Hadamar und der Sieg in der Aufstiegsrunde in Hanau. Dramatisch war auch der Last-Minute-Sieg in Bauerbach, der die Relegation bedeutete. Die Pokalniederlage in Dorndorf war hart und die Folge der körperlichen Verfassung nach Corona.

Welche war Ihre schwierigste Entscheidung?

So richtig schwierig war eigentlich keine. Da ich jedoch innerlich ein kleines Weichei bin, mache ich mir immer viele Gedanken, wie der betroffene Spieler damit umgeht, und will es möglichst allen recht machen. Das geht aber nicht. Und da ich nicht den Fehler auch einiger Trainer im Profibereich machen will, die in der Woche 13 bis 14 Spielern sagen, dass sie am Wochenende spielen und zur Überraschung dann doch nicht alle aufstellen kann. Das führt zu massivem Verlust des Vertrauens.

Ihre Mannschaft hat von Ihnen zweifelsfrei viel gelernt. Haben auch Sie umgekehrt etwas von Ihrer Mannschaft gelernt?

Erlebt und gelernt habe ich, dass es auch heute noch viele junge Menschen mit Charakter, Anstand, Respekt, Dankbarkeit, Willen und einem großen Herz gibt. Meins trägt zurzeit jeden Tag mehr Trauer in der Gewissheit, dass meine Amtszeit morgen endet. Bestes Beispiel dafür ist die Anwesenheit großer Teile des Teams und des Vereins auf der Beerdigung meines Vaters. Das erfüllt einen mit Stolz.

Was machen Sie ab dem 23. Mai?

Im Juni nach einem Urlaub bei meiner Schwester und einem Wochenende mit meinen Töchtern in Hamburg werde ich zum „Fonds-Kongress“ nach Mannheim fahren und meinen alten Förderer Rainer Calmund treffen. Im Juli bin ich dann mit Friedel Müller drei Tage auf dem „Internationalen Trainer-Kongress“ in Dortmund. Wichtig und Priorität haben dann neue spannende Projekte im beruflichen Bereich. Hier steht etwas Besonderes an und wird zu gegebener Zeit veröffentlicht. Die Zeit gehört zum Teil dann dem privaten Bereich, der Familie und meiner Gesundheit. Mit dem neuen Fahrrad gilt es, paar Kilos runter und Muskeln drauf zu packen.

Sicher würde sich der TuS Dietkirchen wünschen, Sie in irgendeiner Funktion „behalten“ zu können. Wird es eine Zukunft für Sie auf dem Reckenforst geben?

Hier bin ich mit den Verantwortlichen immer im engen Austausch und Kontakt. Hier sollte sich das neue Team um Trainer Steffen Moritz und Spielausschuss Thomas Heftrig mit der Mannschaft finden. Da ist es wenig hilfreich, wenn der Schatten von mir auf den Reckenforst fällt. Da ich auch noch nicht so schlank wie gewünscht bin, ist der zu groß . . .

Wie sehen Ihre fußballerischen Pläne für die Zukunft aus?

Ich bin jetzt nicht der „Pep“ der Oberliga und mache ein sogenanntes „Sabbat-Jahr“. Doch etwas Abstand ist wichtig, und nach dieser emotionalen Zeit mit all den Freundschaften fürs Leben kann ich nicht einfach neu starten. Alles Weitere wird sich zeigen.

Möchten Sie Ihrem Trainer-Nachfolger, Steffen Moritz, etwas mit auf den Weg geben?

Steffen hat sich hervorragend auf allen Ebenen eingebracht und mit dem Vertrauen des Vereins und des Teams mein Amt übernommen. Er hat Erfahrung als Trainer und gesehen, was in Dietkirchen geht und was nicht und wie die Jungs ticken. Die Jungs sind eine Wucht und haben den alten Trainer mit ihren sehr emotionalen Taten und Worten nicht nur in den letzten Tagen sehr glücklich gemacht. Das wünsche ich auch Steffen – und das notwendige Maß an Glück und Gesundheit für alle Beteiligten. Wir bleiben sicher im Austausch, und wenn es auf ein Weizen auf der Terrasse ist.

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