André Nemirowitsch ganz entspannt privat.
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André Nemirowitsch ganz entspannt privat.

NNP-Serie: Die Kapitäne

André Nemirowitsch: Sein zweites Zuhause ist der Stephanshügel

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Heute: André Nemirowitsch vom VfR 07 Limburg.

Ich „erwische“ André Nemirowitsch in einem Zustand irgendwo zwischen Euphorie und abfallender Anspannung. Nein, keine Sorge, nicht etwa wegen meines Anrufs. Nein, weil er gerade seine schriftliche Abschlussprüfung zum Immobilienkaufmann hinter sich gebracht hat. Jetzt noch die mündliche Prüfung, dann ist es geschafft. „Von daher kam mir - bitte nicht falsch verstehen - der Lockdown eigentlich ganz gelegen. Ich konnte ohne große Ablenkung meine ganze Konzentration aufs Lernen legen“, sagt der 22-Jährige.

Zusammen mit seiner Freundin Fabienne lebt er im idyllischen Dauborn. Aus Hünfelden kommt er, hier will er bleiben. Überhaupt scheint es den quirligen Mittelfeldspieler des aufstrebenden 07er Teams immer dorthin zurückzuziehen, wo er schon einmal war. Bei einem Schulturnier hatte ihn Sascha Noth - Sportlicher Leiter des VfR 07 - entdeckt und sozusagen „an Land gezogen“. Auf dem Stephanshügel lernte André Nemirowitsch fortan das kleine und das großen Einmaleins des Fußballs. Und der wurde zu seiner Leidenschaft. „Ich habe viel in den Fußball reingesteckt“, sagt er heute. Jetzt sei das etwas weniger geworden.

In der Tat hatte es der talentierte Hünfeldener über die E-Junioren des VfR 07 ins DFB-Stützpunkttraining geschafft. Sogar in der Regionalauswahl hat er schon gespielt und in der U17 des SV Wehen Wiesbaden mittrainiert. Nach seiner beruflichen Abschlussprüfung hat er wieder mehr Zeit für seine große Leidenschaft. Aber er bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden: „Ich weiß, dass ich kein Profi mehr werde.“ Sein breites Lächeln kann ich quasi durch den Telefonhörer „sehen“.

Für eine kurze Zeit allerdings war André Nemirowitsch seinem VfR 07 Limburg untreu geworden. Als der RSV Würges unter seinem damaligen Trainer Friedel Müller in die Gruppenliga Wiesbaden aufgestiegen war, hatte André Nemirowitsch den Sprung in den Goldenen Grund zu seinem ehemaligen Stützpunkttrainer gewagt. Doch 2018 war sein Gastspiel bei den „Roten“ wieder beendet, und er ging zurück zu den anderen „Roten“, nämlich denen vom Stephanshügel.

Dort herrscht dieser Tage Aufbruchstimmung. Man hat sich etwas vorgenommen, hat eine - vom Papier her - starke Mannschaft beisammen. Der Optimismus ist vor allem mit einem Namen verankert: Markus Neugebauer. Der Hessenliga-Spieler ist vom SV Rot-Weiß Hadamar zu den 07ern gewechselt und soll dort sozusagen als „rechte“ Hand von Trainer Thomas Janke auf dem Spielfeld fungieren. „Von ihm kann ich viel lernen“, sagt André Nemoriwitsch; und ich höre großen Respekt in seiner Stimme. Markus Neugebauer und André Nemirowitsch kennen sich gut, teilen sie doch eine gemeinsame Vergangenheit. Mit ihm zusammen war der Kapitän damals aus der A-Jugend ins Seniorenteam der „Rothosen“ gestoßen.

Auch im ältesten Junioren-Jahrgang hat André Nemirowitsch schon die Kapitänsbinde getragen. Und als er von Würges zurückkam zu „seinen Jungs“, hat er sie gleich wieder übergestreift. „Ich bin nicht fixiert auf das Kapitänsamt“, sagt er. „Aber ich habe damit durchweg gute Erfahrungen gesammelt.“ Er ist und war einfach immer da, wenn eine Führungspersönlichkeit gesucht und gebraucht wird und wurde. „Ich kenne André schon sehr lange und habe ihn bereits in der C-Jugend bei 07 trainiert“, berichtet auch Trainer Thomas Janke. „Ich habe ihn als einen sehr ehrgeizigen und zuverlässigen Spieler kennengelernt, der sich auch trotz seines jungen Alters nicht scheut, Verantwortung zu übernehmen - auf und neben dem Platz. Er gibt nie auf, ist Vorbild und daher der optimale Kapitän unserer Mannschaft.“

Er bewundert Kylian Mbappé

„Gibt es einen Fußballer, zu dem Sie aufschauen, der vielleicht ein Idol für Sie ist“, frage ich André Nemirowitsch - immer noch über die Freisprechanlage in seinem Auto. „Ein Idol vielleicht nicht, aber ich bewundere Kylian Mbappé. Bei der Europameisterschaft wird es eine sehr interessante Gruppenphase geben.“ Zu diesem Zeitpunkt konnte André Nemirowitsch noch nicht wissen, dass die Franzosen gegen die deutsche Nationalmannschaft mit 1:0 gewinnen würden und deren Superstar von Paris Saint-Germain die Abwehr von Jogis Jungs schwer zu schaffen machen würde.

Wenn er nicht gerade beruflich unterwegs ist oder - jetzt endlich wieder - auf dem Sportplatz kickt, geht André Nemirowitsch sehr gerne ins Fitnessstudio. „Das sieht man mir zwar nicht an“, lacht er, „aber es ist tatsächlich so.“ Auch mit diesem Hobby war es in den letzten sieben, acht Monaten natürlich schlecht bestellt, aber es geht endlich vorwärts. Die Dauer-Finsternis des abgelaufenen Jahres scheint sich zaghaft zu lichten. Anlass genug für André Nemirowitsch, Pläne zu schmieden. Bislang lagen seine Reiseziele nur wenige Flugstunden entfernt. Allerdings: „Am Ballermann war ich tatsächlich noch nicht“, merkt er beinahe ein wenig über sich selbst verwundert an. Kann ja noch werden. Wo er unbedingt mal hin will, frage ich ihn. „Auf die Malediven und vielleicht nach Hong Kong“, antwortet der 07-Captain rasch, denn er ist jetzt daheim angekommen.

Aber eines hat ihn ein bisschen geärgert, gibt er schnell noch zu: „Kumpels hatten mir mal einen Gutschein für einen Fallschirmsprung geschenkt. Der ist aber leider jetzt abgelaufen.“ Da lässt sich sicher was machen, sage ich noch zu ihm, ehe er in seinem „Nest“ in Dauborn und bei Fabienne verschwindet . . . MARION MORELLO

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