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Anke Kettermann-Lang (Königsteiner LV), W35-Weltmeisterin im Weitsprung

Leichtathletik, Königsteiner LV

Anke Kettermann-Lang, eine weltmeisterliche Vielfliegerin

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Familie, Beruf, Leistungssport: Die frisch gekürte W35-Weltmeisterin des Königsteiner LV verrät, wie sie das alles unter einen Hut bekommt.

Sie ist Mutter zweier Kinder, jettet als Flugbegleiterin um die Erdkugel und läuft neuerdings auch mit einer großen Deutschland-Fahne in den Händen eine Ehrenrunde auf der Tartanbahn. Anke Kettermann-Lang, Weitspringerin des Königsteiner LV, feierte im polnischen Torun in ihrer Altersklasse W35 den Weltmeistertitel.

„Ich war schon ziemlich aufgeregt, schließlich handelte es sich um meinen erster internationaler Start. Das Ziel war eigentlich das Erreichen des Endkampfes“, erzählt die 37-Jährige. „Dass es dann eine Medaille und sogar der Titel wurde, ist einfach unglaublich. Ich kann es noch immer nicht richtig fassen.“ Die Königsteiner Weitspringerin wurde bei der WM von ihrem Trainer Markus Oerter betreut. Ihr Ehemann und die beiden Söhne (sechs und acht Jahre) drückten zu Hause feste die Daumen.

Mit Landungen kennt sich Anke Kettermann-Lang schon berufsbedingt aus. Erst am Freitag kam die Flugbegleiterin aus Asgabad (Turkmenistan) zurück. Ein wenig den Jetlag „ausschlafen“, Zeit mit der Familie verbringen und die Sportausrüstung packen, hieß es am Wochenende, denn am Sonntag ging es mit dem Flieger schon wieder weiter nach Warschau. Im Mietwagen fuhr das KLV-Duo schließlich nach Torun, in die Geburtsstadt des Astronomen Nikolaus Kopernikus. Und schon am Montagabend schnürte die Weitspringerin bei der Hallen-WM der Altersklassen ihre Spikes, um zu möglichst langen Flügen anzusetzen.

So weit wie noch nie

Das gelang ihr so gut wie noch nie: Mit der hervorragenden Weite von 5,41 Metern sprang Kettermann-Lang nicht nur zu Gold. Sie verbesserte auch ihren eigenen Rekord um gleich 14 Zentimeter. Das überraschte auch die Mehrkämpferin selbst, die in der nationalen Hallensaison höchstens auf 5,11 Meter gekommen war. In der Meldeliste für Torun stand die Jugendwartin des KLV nur auf Position sieben. Favorisiert waren andere unter den 13 Athletinnen aus 10 Nationen. Die Britin Gillian Cooke ging beispielsweise mit einer beeindruckenden Vorleistung von 5,65 Metern in den Wettkampf.

Doch gleich mit ihrem ersten Versuch, der bei 5,37 Metern gemessen wurde, schockte die Springerin aus dem Taunus die Konkurrenz. Am Ende des Tages hätte sogar dieser Versuch zum Sieg gereicht, denn Favoritin Cooke wurde mit für sie enttäuschenden 5,36 Metern nur Zweite. Bronze ging an Wendy Visser aus Holland. Die Fakten sind das eine, doch über allem steht eine Frage: Was treibt eine 37-jährige Frau an, die durch Familie und Beruf schon voll gefordert wird, Leistungssport auf hohem Niveau zu treiben?

„Sport ist einfach meine Leidenschaft. Das ist mein Ding, das ich auch zum Ausgleich benötige“, beschreibt die Weltmeisterin. Eine umfangreiche Organisation sei natürlich notwendig. Es sei manchmal schon anstrengend, alle Befindlichkeiten unter einen Hut zu bekommen. „Ohne die tatkräftige Unterstützung meines Mannes, gerade was die Betreuung unserer Jungs betrifft, wäre das nicht möglich“, sagt Kettermann-Lang. Neulich bei den deutschen Senioren-Meisterschaften in Halle an der Saale hatte sie die ganze Familie begleitet.

Die Athletin bedankt sich auch bei ihrem Trainer Markus Oerter. „Ohne ihn hätte ich die Reise nach Polen nicht angetreten. Dass er den Trip mitgemacht hat, ist schon eine tolle Nummer. Den eigenen Trainer an seiner Seite zu wissen, gab mir enorme Sicherheit“, sagt die Goldmedaillen-Gewinnerin. Im Alltag versucht sie, pro Woche mit dem ehemaligen hessischen Kadertrainer drei Einheiten zu absolvieren. Neben Krafttraining und Sprints steht besonders die Optimierung der Technik im Fokus. Bedingt durch die weltweiten Flugeinsätze geht der Plan aber nicht immer. „Ich habe unterwegs immer meine Sportklamotten dabei“, lächelt die Königsteinerin, „in nahezu jedem Crew-Hotel gibt es einen Fitnessbereich, den ich nutzen kann.“

Morgen kehrt Anke Kettermann-Lang aus Polen zurück. Ihre nächste Trainingseinheit wird in Tokio sein.

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