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Routinier Marius Urmann (rechts) spielt für die HSG Anspach/Usingen derzeit in der Kreisliga D.

Handball

HSG Anspach/Usingen steht vor dem Aus

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Was hinter verschlossenen Türen schon länger diskutiert wurde, tritt nun offen zutage. Der Handballspielgemeinschaft aus den Abteilungen der Usinger TSG und der SG Anspach droht das Aus. Zumindest lassen die Vorstände über eine Auflösung in baldigen Mitgliederversammlungen abstimmen.

Die Handballspielgemeinschaft Anspach/Usingen steht nach zehn Jahren vor dem Ende. Die Vorstände der Handballabteilungen aus den Trägervereinen SG Anspach und Usinger TSG werden in den Jahreshauptversammlungen am 21. und 22. Februar die Auflösung der HSG vorschlagen. Das haben die Vorsitzenden Konrad Zorn (UTSG) und Andreas Moses (SGA) nun auch öffentlich bestätigt.

Einer der Hintergründe für die beabsichtigte Trennung ist die unterschiedliche Auffassung der sportlichen Entwicklung und Ausrichtung der HSG, in der sich zunehmend Differenzen zwischen Vertretern aus Neu-Anspach und Usingen auftaten.

Vor zehn Jahren hatten sich die Handballer der beiden großen Vereine zusammengetan, um genügend Hallen-, Trainer- und Schiedsrichterkapazitäten für die Mannschaften sicherzustellen, wie jetzt nochmals in einer Pressemitteilung erläutert wird. Die Rechnung schien aufzugehen. Doch das bundesweit rückläufige Interesse am aktiven Handballsport hat auch vor der HSG nicht halt gemacht.

Rückgang an Teams

Zu Beginn der vertraglichen Kooperation waren es noch fünf Senioren- und zwölf Jugendmannschaften gewesen. Aktuell stellt die HSG nur noch jeweils eine Männer- und Frauenmannschaft sowie vier Jugendteams. Die Männer – einst unter dem Dach der SG Anspach in der Oberliga Hessen spielend – hatten sogar eine Saison ausgesetzt und haben im September in der untersten Klasse (Bezirksliga D) wieder angefangen. Auch landesweit sei der Rückgang an Mannschaften eklatant, führen die HSG-Verantwortlichen in der Mitteilung aus, denn von einst 2600 gemeldeten Mannschaft seien zehn Jahre später nur noch 1900 übrig.

Zwar spricht die HSG in ihrer Mitteilung lediglich von einem Vorschlag, nach Informationen dieser Zeitung ist man faktisch aber schon etwas weiter. Denn die Spieler der Mannschaften respektive die Eltern der Jugendspieler wurden bereits über die geplanten Veränderungen informiert und auch nach ihrem Wunschverein gefragt. Da wiederum sieht’s für Usingen auf den ersten Blick etwas bitter aus, denn das Gros wird sich aller Voraussicht nach für die SGA entscheiden.

An dieser Stelle offenbart sich auch der Unterschied bei der angestrebten Neuausrichtung. Während die Anspacher den Schwerpunkt in der Förderung der Seniorenmannschaften sahen und weiterhin sehen, wollten sich die Usinger mehrfach schon auf die Förderung und Gewinnung des Nachwuchses fokussieren. Die unterschiedlichen Schwerpunkte haben intern offenbar für einige Differenzen gesorgt, da die SGA die aktiven Handballer nicht verlieren wollte und auch dementsprechend Geld in den Erwachsenensport investierte.

Die UTSG möchte seit geraumer Zeit lieber das Feld von hinten aufrollen und verstärkt in den Nachwuchs investieren, der nicht erst in der Schule, sondern bereits in den Grundschulen zu suchen sei. Ein FSJler wurde auf Betreiben Usingens für die HSG eingestellt, dessen Aufgabe es ist, den Nachwuchs für den Handballsport zu begeistern. Und das nicht nur an Schulen, sondern in Zukunft sogar möglichst schon an Kindergärten. „In Usingen gibt es viel Potenzial“, ist sich Konrad Zorn sicher. Die Weichen für eine erfolgreiche Jugendarbeit sind jedenfalls gestellt.

Auf den Versammlungen der beiden Abteilungen stehen nach dem Mitgliedervotum zur HSG-Zukunft direkt die Vorstandswahlen an. Eine Auflösung der HSG droht übrigens auch für den Fall, dass sich nur eine Seite für den Fortbestand ausspricht. Bei der SGA wird womöglich entspannter der Sitzung am 22. Februar entgegengesehen, schließlich wird der Verein voraussichtlich den größeren Zuspruch an Spielern erfahren.

Um ihre Teams müssen sich die Handballerinnen und Handballer indes bis zum Saisonende keine Sorgen machen. „Wir streben an, die bestehenden Mannschaften in spielfähiger Größe zusammen zu erhalten“, versichern die Vorstände. Gespielt wird also gemeinsam bis zum letzten Abpfiff, danach erfolgt der Abgesang der HSG.

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