+
Paul Breitner im Jägermeister-Outfit: ?Oben ohne? war vor 40 Jahren out. Die Vorreiterrolle im Trikotsponsoring übernahm Eintracht Braunschweig.

Frankfurter Eintracht beim RB Leipzig

Auch „Posti“ könnte Flügel verleihen

Was Leipzig hierzulande und Salzburg in der tipico-Bundesliga unserer südlichen Nachbarn vorlebt, wäre durchaus auch in Bad Homburg denkbar – und alles andere als eine Schnapsidee.

Sie haben die allermeisten Fußballfans förmlich herbeigesehnt: die Beendigung der Winterpause. Gestern Abend rollte – zum verspäteten Abschluss der Vorrunde – in der Partie SC Freiburg – FC Bayern München erstmals wieder der Bundesliga-Ball.

Heute Nachmittag geht’s dann mit fünf Partien um 15.30 Uhr weiter, ehe der Tag mit einem Verfolgerduell in der Leipziger Red Bull Arena beendet wird: Dabei tritt Eintracht Frankfurt um 18.30 Uhr erstmals zu einem Punktspiel bei RB Leipzig an. Apropos RB: Der Gastgeber polarisiert seit seinem Bestehen und spaltet die Nation.

Für die einen ist der Verein nicht nur für seine Heimat in Sachsen, sondern für die gesamte Bundesliga eine Bereicherung. Die jüngste Mannschaft in Deutschlands höchster Spielklasse zeigt bislang sehenswerten Offensivfußball. Andere betrachten die Leipziger als Retortenklub und reines Geschäftsmodell des österreichischen Red-Bull-Besitzers Dietrich Mateschitz. Mit seinen finanziellen Möglichkeiten kann er locker so manchen Traditionsklub hinter sich lassen. Aber irgendwie war das alles doch schon mal da . . .

Rückblende: Nach heutigen Verhältnissen „läppische“ 100 000 D-Mark zahlte anno 1973 Jägermeister-Inhaber Günther Mast für Trikotwerbung an Eintracht Braunschweig. Der Verein aus Niedersachsen war vor 50 Jahren, in der Saison 1966/67, Deutscher Meister geworden. Trikotwerbung war vom DFB damals noch strikt untersagt.

Schon 1967 hatte es Wormatia Worms mit Trikotwerbung versucht: für die Firma Caterpillar, ein Hersteller für Bagger und Raupen. Jedoch nur drei Auftritte hatten die Wormaten in diesem Outfit. Dann setzte sich der DFB durch. Wie heute bei RB Leipzig die Abkürzung „Rasenballsport“ bedeuten soll und nicht etwa „Red Bull“ wie beim artverwandten österreichischen Vertreter FC Red Bull Salzburg, so wandten auch damals Mast und die Braunschweiger einen simplen Trick an. Man nahm das Jägermeister-Firmenlogo, den berühmten Hirsch, zum offiziellen Vereinswappen und konnte „legal“ werben. Der DFB war ausgehebelt.

Der Verein aus der niedersächsischen Provinz war damals dank dieses Kniffs mit Werbeeinnahmen der einzige Club der Bundesliga, der Weltmeister Paul Breitner 1977 von Real Madrid zurückholen und auch finanzieren konnte. Auf 1,6 Millionen DM belief sich die damalige Rekord-Ablösesumme für das einjährige Gastspiel des Nationalspielers, der dann zu Bayern München zurückkehrte. Der publikumswirksame Dauerstreit zwischen Jägermeister-Mast und DFB schwelte noch über Jahre – was den Kräuterlikör in ganz Deutschland erst so richtig bekannt machte. Der Hirsch hielt es übrigens 14 Jahre lang im Vereinswappen aus.

Trikotwerbung regt heute keinen mehr auf. Selbst, wenn es um alkoholische Getränke geht. In Belgien (1. Liga) und den Niederlanden (2. Liga) werden ganze Fußballligen nach der Biermarke „Jupiler“ benannt. Auch bei uns im Hochtaunuskreis wird der Kreispokal der Herren-Seniorenmannschaften als „Krombacher Pokal“ ausgetragen.

Um im hiesigen Raum zu bleiben, könnte man durchausaugenzwinkernd an eine Zusammenarbeit zweier traditioneller Institutionen denken: Der historische Bad Homburger ReichsPost Bitter (seit 1843), kurz „Posti“ genannt, wirbt auf Trikots des Bad Homburger Traditionsvereins SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg. Der Vereinsname ist ohnehin schon sehr lange. Da käme es auf den kleinen Zusatz „Posti“ doch bestimmt nicht an, der dem Verein und der Getränkemarke durchaus Flügel verleihen könnte.

Eins müsste allerdings geändert werden. Die Produzenten des Getränks müssten einen „Posti light“ entwickeln. Denn der DFB erlaubt nur Trikotwerbung für Getränke mit maximal 15 Prozent Alkoholanteil. Na denn, prost – und wohl bekomm’s!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare