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Ausschau nach einer Anspielstation hält der Bad Nauheimer Steve Slaton.

Eishockey

In der DEL 2 bezwingen die Roten Teufel Bad Nauheim Spitzenreiter Ravensburg mit 6:3

An der Heimstärke der Roten Teufel beißt sich gestern Abend auch der Spitzenreiter die Zähne aus. Und wird in einem extrem furiosen Schlussdrittel überrollt.

Ein verrückter Eishockey-Abend. Ein Happy End für den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim: Mit vier Toren binnen 7:25 Minuten haben die Roten Teufel in einem ebenso hektischen wie emotionalen Schlussdrittel das Spiel gegen Tabellenführer Ravensburg Towerstars nach einem Zwei-Tore-Rückstand noch gedreht und sind nach einem 6:3 (0:2, 1:0, 5:1)-Erfolg mit stehenden Ovationen von 2580 Zuschauern im Colonel-Knight-Stadion gefeiert worden.

Die Mannschaft von Christof Kreutzer hat damit auf eigenem Eis nach der Länderspielpause 25 von 27 möglichen Zählern gewonnen. Daniel Stiefenhofer (im Powerplay) und Marvin Ratmann stellten als jeweilige Doppeltorschützen im Schlussabschnitt die Weichen. Zudem konnten sich seitens der Hausherren Andrej Bires (1:2) und Marcel Kahle (Empty-Net) in die Torschützenliste eintragen.

„Anfangs haben wir uns das Leben durch Fehler, die wir zuletzt nicht gewohnt waren, selbst schwer gemacht. Die Mannschaft hat aber einen Weg ins Spiel gefunden, ist geduldig geblieben und hat sich auf das Wesentliche konzentriert, nachdem wir zunächst nicht richtig in die Zweikämpfe gefunden hatten“, resümierte Kreutzer. Sein Kollege Jiri Ehrenberger sprach von einem „sehr guten Anfang. Nach dem Fehler zum 1:2 haben wir Bad Nauheim wieder aufgebaut und im Schlussdrittel unnötig Hektik aufkommen lassen. Diese Hektik hat Bad Nauheim für sich genutzt.“

Die Roten Teufel hatten – trotz ihres schlanken Kaders, trotz eines Zwei-Tore-Rückstands nach den ersten 20 Minuten – nie den Glauben verloren. Ökonomisch, weniger draufgängerisch als gewohnt, hatten die Hausherren das Spiel angegangen und wurden für zwei individuelle Fehler eiskalt bestraft. Ravensburg ist eben nicht Freiburg. Die Oberschwaben, in deren Reihen unter anderem Topscorer Andreas Driendl fehlte, hatten mehr Spielanteile. Die größeren Chancen wiederum wurden auf seiten der Hessen registriert; allerdings fehlte zunächst die Effizienz.

Im zweiten Drittel platzte schließlich der Knoten: Andrej Bires nutzte eine Eins-gegen-eins-Situation auf Jonas Langmann zum Anschluss. Bad Nauheim überstand in der Folge eine zwischenzeitliche Drei-gegen-fünf-Unterzahl, offensiv verpasste Dustin Sylvester aus zentraler Position den Ausgleich. Bad Nauheim war dran. Doch: Wie viel würde der Kader fürs Schlussdrittel noch im Tank haben?

Über die letzten 20 Minuten wird man in Bad Nauheim auch noch nach Saisonende sprechen. Im Powerplay erzielte Stiefenhofer den Ausgleich, und als Towerstars-Keeper Langmann zum sage und schreibe sechsten Mal das Tor aus der Verankerungen getreten hatte, wurde er erstmals dafür bestraft. Wieder stand Stiefenhofer goldrichtig. Bad Nauheim hatte das Spiel gedreht. Langmann wurde beim nächsten Spielzug von einem Schläger am Kopf getroffen und musste ausgewechselt werden (51.). Er sei vom Schläger im Auge getroffen worden, und dieses sei dick angeschwollen, klärte Towerstars-Coach Ehrenberger später auf.

Langmann-Stellvertreter Michael Boehm war kaum im Spiel, da musste er auch schon hinter sich greifen. Marvin Ratmann, der als zehnter Stürmer immer mal wieder rein rotiert war, hatte auf 4:2 gestellt. Die Fans waren aus dem Häuschen. Nur drei Minuten später setzte der junge Ratmann aus dem eigenen Drittel zum Solo an und erhöhte abgezockt auf 5:2 (55.). Die Hausherrn leisteten sich zum Ende hin noch die eine oder andere Strafe. Den Anschluss der Towerstars beantwortete Kahle mit dem 6:3-Endstand.

Torfolge: 0:1 (10.) Mayer (Pfaffengut), 0:2 (16.) Czarnik (Sturm – 4-5), 1:2 (25.) Bires, 2:2 (48.) Stiefenhofer (Shevyrin, Cody Sylvester – 5-4), 3:2 (50.) Stiefenhofer (Shevyrin, Dustin Sylvester – 5-4), 4:2 (52.) Ratmann (Cody Sylvester, Hamill), 5:2 (55.) Ratmann (Shevyrin, Hamill), 5:3 (56.) Sturm (Just, Zucker – 5-4), 6:3 (58.) Kahle (Brandl, Hamill – Empty Net). – Schiedsrichter: Gossmann/Kannengießer. – Strafminuten: Bad Nauheim 16, Ravensburg 14. – Zuschauer: 2580.

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