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Von: Thorsten Remsperger

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Volle Konzentration: Cedric Meissner punktet nur noch in dieser Saison für den TTC OE Bad Homburg.
Volle Konzentration: Cedric Meissner punktet nur noch in dieser Saison für den TTC OE Bad Homburg. © IMAGO/regiopictures

Vor dem Spitzenspiel am Sonntag: Wie der Kaderplaner des TTC OE Bad Homburg schon an der Mannschaft für die nächste Saison tüftelt.

Ober-Erlenbach -Einmal wie Randal Kolo Muani aufs Tor schießen oder wie Mario Götze den Mitspieler in Szene setzen. Es dürfte nicht wenige junge und auch ältere Fußballer geben, die derzeit ihren Idolen von Eintracht Frankfurt auf dem Sportplatz nacheifern. Auch Sven Rehde ist Anhänger von Eintracht Frankfurt. Der Mann fühlt sich aber eher wie Markus Krösche, der als Kaderplaner „Juwelen“ wie Kolo Muani zum Fußball-Bundesligisten in die Mainmetropole lotst, wo sich diese Spieler im besten Fall zum internationalen Star entwickeln.

Wie Krösche sei auch er derzeit auf der Suche „nach Diamanten, die wir schleifen können“, sagt Rehde - mit der wohl größten Diskrepanz zum Wirken des Sportvorstands der Eintracht, dass der Ober-Erlenbacherer Tischtennis-Enthusiast ein Optikergeschäft führt und ehrenamtlich als Sportlicher Leiter die Profi-Mannschaft des TTC OE Bad Homburg zusammenbastelt.

Natürlich wirkt der 47-Jährige bei seiner Tätigkeit für den Verein finanziell in einer ganz anderen Dimension. Jedoch ähnelt sich die Zielsetzung und vielleicht sogar auch ein bisschen die Vorgehensweise der erfolgreichen Kaderplaner aus unterschiedlichen Sportarten.

Sven Rehde: „Da können wir nicht mithalten“

„Wir müssen die finden, die noch keine Riesen sind, diejenigen, die wir besser machen können“, erläutert Rehde. Wenn sie dann richtig gut geworden sind - wie beispielsweise der 22-jährige Leistungsträger Cedric Meissner, der in diesem Jahr beim souveränen Zweitliga-Tabellenführer eine Einzelbilanz von 14:2 vorweisen kann, dann sind sie allerdings schwer zu halten. Meissner sagte für die kommende Runde schon dem 1. FC Saarbrücken-TT zu, der sich eine Mannschaft in der 1. Bundesliga (TTBL) und ein Team in der 2. Mannschaft leistet, im Jahr 2020 sogar schon einmal Deutscher Meister war.

Vollstes Verständnis zeigte Rehde für den Entschluss des jungen Mannes, ganz offen habe er mit dem Spieler über Perspektiven gesprochen, auch finanzieller Art. „Da können wir nicht mithalten.“

Auch wenn es sportlich rosig aussieht - im Spitzenspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen den Tabellenzweiten TV Hilpoltstein könnte der TTC OE einen weiteren großen Schritt Richtung sportliche Qualifikation machen - kann er aus Budgetgründen den Spielern auch nicht versprechen, dass der Verein wie in den vergangenen beiden Spielzeiten wieder das Wagnis TTBL eingeht und den Aufstieg wahrnehmen würde. Das erschwert die Verhandlungen mit den Profis im Kader, aber auch im Werben um neue Talente ist das ein Hemmschuh, den Rehde sich anziehen muss.

Bei der (Feier-)Abendgestaltung des Ober-Erlenbacher Geschäftsinhabers gibt es derzeit jedenfalls wenige Abweichungen. „Wenn andere das Fernsehprogramm schauen, gucke ich halt Tischtennis.“ Viele Spiele aus aller Welt würden ja inzwischen im Internet gestreamt, so könne man sich ganz gut ein Bild von Können und Potenzial eines Spielers machen, erläutert Rehde. Wie es dann menschlich aussehe, sei etwas anderes. Am Telefon merke er schnell, ob ein talentierter Spieler wirklich weiterkommen oder ob er sich in seinen bisherigen Erfolgen lieber sonnen wolle.

Erst der Spieler, dann die Trainer, dann die Eltern

Einem solchen Erstkontakt folgten aber bei jüngeren Spielern weitere und nicht weniger wichtige: mit Trainern im Verein und Verband, mit den Eltern. „Wenn dann der Papa sagt, der jugendliche Sohn soll erst einmal in heimatlicher Umgebung sein Abitur machen, wofür ich absolutes Verständnis habe, kommen wir nicht zum Zug.“ Denn die allermeisten Top-Talente sind über das Bundesgebiet verstreut oder leben gar im Ausland, jedenfalls nicht um die Ecke. Um im Tischtennis den Sprung zum Profi zu schaffen, sind Ortswechsel also unumgänglich. Nicht selten sind auch Auslandsreisen schon recht früh Bestandteil des Terminplans. Dazu fühlten sich sehr junge Spieler eben manchmal eher bereit als deren Eltern, lächelt Rehde.

Wer sich mit dem „Markus Krösche des TTC OE“ unterhält, der bekommt ein Gefühl dafür, womit der Verein punktet. Mit sogenannten weichen Faktoren: familiäre Atmosphäre im Verein, eine gute Betreuung im Bad Homburger Stadtteil mit der Nähe zu Frankfurt - und nicht zuletzt einem Talentförderer, der im deutschen Tischtennis eine Ausnahmestellung einnimmt, seitdem er Timo Boll „groß gecoacht“ hat: Helmut Hampl. Der Schwalbacher ist Rehdes Vorstandskollege, wenn es um die Geschicke der Profiabteilung geht. Mit ihm spricht sich der Kaderplaner ab, Hampls Expertise ist Gold wert.

TTC OE: Revanche für die einzige Niederlage geplant

Durch seine Empfehlung landete auch der Niedersachse Cedric Meissner vor zwei Jahren in Ober-Erlenbach. Und Benno Oehme (23), der zuletzt beim fulminanten 6:0-Sieg als Gast des 1. FC Köln überzeugte. In der Domstadt konnte sich Trainer Daniel Ringleb sogar den Luxus leisten, auf Rares Sipos zu verzichten, den Spieler mit der größten TTBL-Erfahrung.

Sowohl der 22-jährige Rumäne als auch der vier Jahre ältere Japaner Yuma Tsuboi trainieren seitdem in Ober-Erlenbach, eine optimale Vorbereitung also für das Spiel am Sonntag. In der Hinrunde in Hilpoltstein, wo es die bisher einzige Niederlage gab (4:6), war Sipos verletzt, Tsuboi ging angeschlagen an den Tisch.

„Wir entscheiden im Abschlusstraining, wer spielt“, sagt Sven Rehde. Bis er sich detaillierter über die zukünftige Mannschaft äußern könne, werde es aber noch ein wenig dauern. Bis dahin laufen die Drähte nach Feierabend weiterhin heiß.

Kaderplaner und Sportlicher Leiter: Sven Rehde (TTC OE Bad Homburg).
Kaderplaner und Sportlicher Leiter: Sven Rehde (TTC OE Bad Homburg). © TTC OE Bad Homburg

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