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Mit Vorwärtsdrang: ?80er? Leonhard Mann versucht sich gegen den ehemaligen Teamkollegen Paul Zmyslony (links) und Patrick Hablawetz vom Mannheimer HC durchzusetzen.

Hallenhockey

An den Aufgaben wachsen

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Ganze zehn Spieltage hat so eine Saison in der Hallenhockey-Bundesliga, da überschlagen sich schnell mal die Ereignisse. Vor allem dann, wenn sich wie in der Südstaffel gleich vier Teams um zwei Viertelfinalplätze balgen. Zu diesen Kandidaten gehörte zumindest bis Sonntag auch der SC 80 Frankfurt.

Gleich im ersten Spiel nach der kurzen Weihnachtspause mussten die Hockeyspieler des SC 80 Frankfurt gegen den Deutschen Meister auf dem Feld ran, den Mannheimer HC. Das Hinspiel hatten die Frankfurter gewonnen, nach der Vorrunde lagen sie aber doch einen Punkt hinter dem MHC zurück. Und dabei blieb es auch nach dem mega-spannenden Spiel, in dem der Aufsteiger aus Frankfurt noch ein 3:3 (2:2) erreichte. Am Sonntag unterlag die Mannschaft von Trainer Niklas Benecke dann beim Spitzenreiter TSV Mannheim und muss Rang zwei wohl abschreiben.

SC 80 – Mannheimer HC 3:3 (2:2). – Zum Rückrundenstart wirkten die „80er“ noch spritziger und gefestigter als in der Hinrunde und auch Mannheim merkte man an, dass die Hallensaison ihrem Höhepunkt entgegensteuert. Und so entwickelte sich ein feuriges und intensives Spiel – mitunter mit leichten technischen Vorteilen für die in der Breite erfahreneren Gäste. „Wir waren am Limit“, gab Frankfurts Trainer Benecke nachher zu. Was aber auch kein Wunder war, denn sein Team machte gleich Druck, anstatt sich am eigenen Schusskreis zu verbarrikadieren, und hatte durch Jan Werner auch die erste Gelegenheit, sein Schuss ging aber knapp am Tor vorbei (3.). Dann scheiterte Leonhard Mann aus spitzem Winkel am Gästekeeper (5.), ehe Mannheim erstmals eine Lücke fand und durch den freistehenden Paul Zmyslony prompt in Führung ging (7.). Kurz darauf verzog Timm Haase nach einem Mannheimer Konter (8.), auf der Gegenseite verfehlte Jakob Cyrus mit einem Rückhandschlenzer das Tor knapp (10.).

Die „80er“ waren eigentlich gut im Spiel, doch nach einem Ballverlust im Spielaufbau gab es Ecke für den MHC, Zmyslony traf eiskalt zum 2:0 (16.). Und hätte der frühere Frankfurter die nächste Ecke nicht an den Pfosten gezimmert (18.), wäre die Partie wohl schon entschieden gewesen. So aber erholten sich die Gastgeber wieder und Moritz Schmidt-Opper konnte per Ecke verkürzen (20.). Für den Schlenzer des durchsetzungsstarken Werner aus der Ecke war der Winkel dann zwar noch zu spitz, doch noch in der gleichen Minute holten sich die „80er“ den Ball zurück, schalteten schnell um und glichen durch Marc-Andre Sawall aus (24.). Danach war sogar die Führung drin, aber Maximilians Roths letzter Pass nach einem prima Konter kam nicht bei Moritz Schmidt-Opper an (26.).

Am Ende des ersten Abschnitts verschleuderte Beneckes Team fast noch das gute Halbzeitergebnis. Binnen 45 Sekunden wurden Mannheim noch zwei Großchancen gestattet, einmal klatschte der Ball nach einem Schuss von Tin Nguyen an den Pfosten.

Und auch beim Auftakt in die zweite Hälfte wirkten die Frankfurter nicht ganz auf der Höhe, ließen die Mitte offen und kassierten prompt das 2:3 durch Haase (35.). Nun zeigten die „80er“ vor 350 Zuschauern wieder ihr Kämpferherz und begegneten dem Favoriten fortan auf Augenhöhe. Als Mannheims Jan-Philipp Fischer für zwei Minuten vom Feld musste, übertrieben es die Frankfurter dann sogar mit dem Offensivgeist – Mannheim kam zu einem Konter und zog eine Ecke. Doch die parierte Schlussmann Tobias Müller genauso wie die nächste Gästeecke viereinhalb Minuten vor Schluss. Und dann nahm Benecke seinen Torhüter heraus und blies damit zur Schlussoffensive. Was sich auszahlen sollte: Moritz Schmidt-Opper verwandelte noch eine Ecke zum 3:3 (58.). Das Endresultat fühlte sich für Mannheims Trainer Matthias Becher „wie eine Niederlage“ an, während Benecke seinem Team eine tolle Entwicklung bescheinigte: „Die Hinrunde war grandios, mega, umwerfend – und genau da wollen wir weitermachen und weiter an unseren Aufgaben wachsen.“

TSV Mannheim – SC 80 6:4 (3:2). – Kurz vor dem Spiel beim Tabellenführer musste Stammtorhüter Tobias Müller wegen eines Zwickens im Oberschenkel abwinken, so kam Mats Doufrain zu seinem Erstligadebüt – mit gerade einmal 17 Jahren. Und der junge Mann machte seine Sache gut, wehrte schon in der ersten Halbzeit zwei Ecken ab und hätte um ein Haar auch den Siebenmeter von Nils Grünenwald gehalten, der den zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaften Ausgleich für Mannheim bedeutete (9.). Die stürmisch beginnenden Gäste waren durch Mann in Führung gegangen (5.). Nach dem Ausgleich kam Mannheim besser ins Spiel und legte durch Philip Schlageter vor, der nach einem Ballverlust der „80er“ am Mannheimer Kreis allzu frei an den Ball kam (18.). Die Frankfurter kamen durch Max Flößer schnell zum 2:2 (20.), sahen sich aber immer öfter in die Defensive gedrängt. Sechs Sekunden vor der Pause fand Mannheim die Lücke, Nicolas Proske traf.

Kaum auf dem Feld zurück, legte der TSV durch Grünenwald das 4:2 nach (33.). Zu machen war dann nichts mehr für die Frankfurter, die zwar aufopferungsvoll kämpften, sich aber vorne schwer taten und hinten ein paar Chancen zu viel zuließen. Anton Schmidt-Opper versenkte eine Ecke zum 3:4 (43.), doch Pröske erhöhte quasi im Gegenzug wieder (44.). Der Deckel war damit immer noch nicht drauf, denn Moritz Schmidt-Opper traf auf Zuspiel von Werner mit Gewalt zum 4:5 (50.). Allerdings hatte Mannheim wieder die passende Antwort parat: Schlageter erzielte per Ecke das 6:4 (54.). In der Schlussphase versuchten die Frankfurter ohne Torhüter und teilweise mit einem Mann weniger (Zeitstrafe für Moritz Schmidt-Opper) zwar alles, die Abwehr der Gastgeber aber stand nun sicher und die Zeit tickte ohne weitere Tore herunter. Was blieb war die Erkenntnis, auch diesmal auf Augenhöhe gewesen zu sein. „Man muss die Kirche im Dorf lassen: Wir sind Aufsteiger und spielen eine richtig gute Runde“, fasste Benecke das Mannheimer Wochenende zusammen.

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