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Aufsteiger in die Kreisliga B: die Fußballmannschaft der SG Westerfeld.

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Aufsteiger SG Westerfeld: Von einer vereinslosen Elf zur echten Bereicherung

Spieler bezahlen Ablöse selbst, treiben Sponsoren auf und schaffen den Sprung in die B-Liga: Die Erfolgsgeschichte der SG Westerfeld.

Eigentlich hatten die Verantwortlichen der SG Westerfeld sich in erster Linie die Förderung des Mädchen und Frauenfußballs auf die Fahne geschrieben. Als aber im Sommer 2018 der FC Neu-Anspach seine „Dritte“ auflöste und einige Kicker dieser Mannschaft einen neuen Verein suchten, da öffnete die SGW ihre Tore.

„Voraussetzung ist allerdings, dass die Spieler sich selbst einbringen und die Sache organisieren“, betonte der Vorsitzende Kai Hartherz damals, „vom Verein werden aus dem aktuellen Haushalt keine Mittel bereitgestellt. Hier wird Ehrenamt und persönliches Engagement vorausgesetzt und erwartet.“ Den roten Teppich konnte und wollte der Vereinschef den Kickern nicht ausrollen. Dafür nahm er sie in die Verantwortung. Und das knappe Dutzend zeigte daraufhin ein für den heutigen Amateursport ungewöhnlich großes Maß an Eigenverantwortung. Die vom FC Neu-Anspach aufgerufenen, fairen Ablösegelder wurde von den Fußballern selbst gezahlt. Sie warben Sponsoren an, um Trikots kaufen zu können, und auch einen Trainer konnten sie für das Projekt gewinnen. Maik Reinhold übernahm den Posten und durfte schon bald Trainingseinheiten leiten, in denen Elf-gegen-elf gespielt werden konnte. Noch vor Beginn der Runde waren 25 Spieler spielberechtigt, später stieg die Zahl auf mehr als 30.

Als neues Team musste die SGW in der untersten Spielklasse starten, also der Kreisliga C. Einige Spieler hatten aber bereits Erfahrung in der A-Liga gesammelt. Dass man im Premierejahr also eine gute Rolle abgeben würde, war abzusehen.

„Die Mannschaft muss sich natürlich erst noch finden, Laufwege müssen einstudiert werden“, betonte Hubert Tächl, stellvertretender Vorsitzender der SGW, kurz nach Beginn der Hinrunde. Ein Saisonziel gab der Verein fürs erste Jahr nicht aus. In der zweiten Spielzeit würde man aber die Mission „Aufstieg“ angehen. Solange wollten die Aktiven allerdings nicht warten.

Dem C-Liga-Meister SG Eintracht Feldberg II konnten die Männer aus dem Usinger Stadtteil zwar nicht gefährlich werden, den Kampf mit dem FC Mammolshain II um den zweiten Platz entschied man aber am Ende für sich. Starke 36 Punkte bei einem Torverhältnis von 67:22 holten Reinhold und seine Jungs aus 18 Partien. Damit war die Teilnahme an der Relegation gesichert, in der B-Ligist Teutonia Köppern III wartete.

Die finale Zitterpartie 

Das entscheidende Spiel in Usingen entpuppte sich als Zitterpartie. Allen voran Tächl rang während der 90 Minuten mit seinen Nerven. Längst hatte er die Truppe, die „zu einem echten Team“ zusammengewachsen war, in sein Herz geschlossen. Und so tigerte er in der prallen Sonne zwischen Trainerbank und Torauslinie auf und ab, sah, wie Ahmet Demir und Michael Pöttgen die Tore zum 2:1-Sieg erzielten, und feierte mit dem Team den Aufstieg.

„Die Herrenmannschaft ist eine echte Bereicherung für den Verein“, lobte Tächl unmittelbar nach dem Abpfiff. Selbst die Gründung einer 2. Mannschaft wäre jetzt schon möglich, schließlich hatte er noch vor dem Ende der Spielzeit bereits zehn weitere Neuanmeldungen auf dem Tisch. Zunächst wird dieser Schritt aber aus organisatorischen Gründen verschoben.

Dafür steht bereits fest, wer die Erfolgsgeschichte der SG Westerfeld in der Kreisliga B fortführen soll. Michael Riemann, der früher in Anspach höherklassig Fußball spielte, wird die Mannschaft trainieren. Auf die Spur bringen muss der neue Chefcoach diese Truppe allerdings nicht. Das haben die Spieler in Eigenverantwortung bereits selbst getan.

ROBIN KUNZE

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