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Abo auf den Aufstieg

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Deutsche Hockeyspieler sorgten jüngst auf dem Eis für Furore. In Bad Homburg gibt es eine Mannschaft, die das in der Halle in schöner Regelmäßigkeit tut.

Ein besseres Timing hätte es kaum geben können. Am finalen Olympia-Wochenende, an dem das deutsche Eishockey-Nationalteams die Herzen der Sportfans endgültig und im Sturm eroberte, schloss der HC Bad Homburg ein weiteres Kapitel seiner Erfolgsgeschichte ab. Hallenhockey ist ja so etwas wie der kleine Bruder des rasanten Spiels auf Kufen, die Herrenmannschaft aus der Kurstadt beherrscht es seit Jahren so gut wie keine andere in der jeweiligen Spielklasse. Somit machte das Team um Spielertrainer Moritz Schneider nun am letzten Spieltag den Gewinn der Meisterschaft in der 2. Verbandsliga perfekt. Er war fast erwartet worden. Es ist der fünfte Aufstieg in Folge.

Ein Vergleich mit dem kickenden FC Bayern ist wahrscheinlich noch treffender als der mit den Eishockey-Cracks, die als krasser Außenseiter so viel erreichten. Getreu dem Motto „Mir san mia“ bestätigt Pressesprecherin Kathrin Metzner diese Vermutung. Sie sagt ganz frank und frei: „Für den HCH ist es immer das Ziel aufzusteigen.“ Das hört sich sehr selbstbewusst an. Es ist aber ebenso realistisch – und fast ein zwangsläufiges Ziel. Denn nachdem die Mannschaft wieder ins Leben gerufen worden war, um den vielen Talenten aus den eigenen Reihen eine längerfristige Perspektive zu geben, eilte sie natürlich von Erfolg zu Erfolg.

Die Korsettstangen des Teams sind keine Geringeren als die bundesligaerfahrenen Moritz Schneider (Spielertrainer) und Tobias Wuttke, der auch als hauptamtlicher Jugendtrainer des Vereins fungiert. Ihre Routine, kombiniert mit jugendlichem Elan und Talent, ist nun schon seit fünf Jahren das Erfolgsrezept des HCH, das zum fünften Aufstieg in Folge führte. Im zehnten Spiel der Hallensaison waren die Homburger zu Gast bei der 4. Mannschaft von Bundesligist SC 80 Frankfurt und sicherten sich mit einem ungefährdeten 6:4-Sieg den Aufstieg in die 1. Verbandsliga. Tobias Wuttke, der mit drei Toren maßgeblich zum achten Sieg beitrug, war sichtlich zufrieden: „Es war ein hartes Stück Arbeit gegen eine routinierte Frankfurter Mannschaft. Insgesamt hatten wir mehr Ballbesitz und ein deutliches Chancenplus.“

War die Partie in den ersten 20 Minuten noch ausgeglichen verlaufen, brachte Wuttke dann die Gäste mit 3:2 in Führung – per Rückhandschlenzer, einem technisch anspruchsvollen Schlag, jenem Kunststück, mit dem die russischen Eishockeymannschaft kurz vor Schluss im Finale des olympischen Turniers gegen Deutschland ausgeglichen hatte. Für den HCH erhöhte Schneider nach einer kurzen Ecke noch vor der Pause auf 4:2. Später hielten nochmals Moritz Schneider und sein Namensvetter Calvin Schneider, Kapitän des Teams, mit ihren Treffern den Meister auf Kurs.

„Vor allem die vielen jungen Spieler haben eine hervorragende erste Herren-Saison gespielt“, lobte Moritz Schneider. „Selbst die gute Defensive der 80er brachte unser Team, das zur Hälfte aus Abiturienten besteht, nicht aus dem Konzept.“ Gemeint sind Philipp Lattenmayer, Melvin Hübner, Nicolas Hannemann, Florian Gümmer sowie die Torhüter Dorian Birceanu und Falk Storkebaum, die in diesem Jahr respektive 2019 die Hochschulreife erlangen.

„Unsere starke Jugendarbeit der letzten Jahre trägt jetzt Früchte“, freut sich auch Kathrin Metzner. 373 Kinder und Jugendliche spielen beim HCH. In den älteren Altersklassen spricht der Verein regelmäßig bei der Vergabe der Hessenmeisterschaft ein gewichtiges Wort mit. Mehrere Stammspieler im Schüleralter sind zugleich aber der Knackpunkt in der Erfolgsstory für die Herrenmannschaft. Sie um weitere Kapitel zu erweitern, wird schon deshalb schwierig, weil die Konkurrenz ab der 1. Verbandsliga (und damit der sechsthöchsten Spielklasse) deutlich stärker wird – auf Hessenebene sind die Gegner, zu denen auch der MTV Kronberg zählen wird, aber nicht unschlagbar. Was schwerer wiegen wird für die HCH-Herren: Das seit zwei Jahren eingespielte Team wird nicht zusammenbleiben, denn nach dem Abi zieht es nicht wenige junge Menschen erst einmal in die Ferne. Davon kann auch bei den jetzigen Talenten ausgegangen werden.

Mindestens die Oberliga, also die fünfte Liga, habe sich der HCH in der Halle noch vorgenommen. Gerne auch mit dem sechsten Aufstieg in Folge. In der im Frühjahr beginnenden Feldhockey-Runde spielen die Homburger erst seit zwei Jahren mit und gehören schon der 1. Verbandsliga an, weil "für draußen" in Hessen weniger Teams gemeldet sind.

Grundsätzlich geht es dem Verein darum, eine Herrenmannschaft ins Rennen zu schicken, die möglichst weit oben spielt und erfolgreich ist, egal ob in der Halle oder unter freiem Himmel. „Vor allem auch, um den jugendlichen Spielern Vorbilder zu bieten und Abgänge in andere Vereine zu vermeiden“, betont Kathrin Metzner.

Der Fokus – und damit hinkt auch der Vergleich zum FC Bayern – liegt beim HC Bad Homburg auf der Jugendarbeit. Im Idealfall macht der eigene Nachwuchs dann die Serienaufsteiger um Wuttke und Schneider noch besser.

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