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Der Himmel hängt voller Dietkircher Geigen

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Sie haben es geschafft: Spieler, Trainer, Betreuer und Fans des TuS Dietkirchen feiern in Zeilsheim den Einzug in die Aufstiegsrunde.
Sie haben es geschafft: Spieler, Trainer, Betreuer und Fans des TuS Dietkirchen feiern in Zeilsheim den Einzug in die Aufstiegsrunde. © Patrick Jahn

Manchmal gibt es keine Superlative mehr. In der Fußball-Hessenliga, Gruppe B, ist dem TuS Dietkirchen tatsächlich das Wunder geglückt. Durch den eigenen 3:1-Sieg beim SV Zeilsheim und die gleichzeitigen Niederlagen von Walldorf (1:2 gegen Dreieich) und Griesheim (3:4 in Ginsheim) hat die Elf von Trainer Thorsten Wörsdörfer den vorzeitigen Klassenerhalt unter dem Weihnachtsbaum und spielt ab März in der Aufstiegsrunde. Und das mit dem sicherlich kleinsten Etat aller Hessenligisten.

SV Zeilsheim – TuS Dietkirchen 1:3 (0:1). TuS-Trainer Thorsten Wörsdörfer musste seine Brille abnehmen und sich die Freudentränen aus dem Gesicht wischen, ehe er Worte fand: „Ich bin einfach überglücklich, dass wir dieses Wunder vollbracht haben. Ich hatte es ein bisschen im Gefühl, denn in den letzten Spielen zeichnete es sich ab, als wir nicht gut gespielt, dafür aber gewonnen haben. Wahrscheinlich sollte es einfach so sein.“

Zu Beginn war beiden Mannschaften anzumerken, dass viel auf dem Spiel stand. Niemand wollte den ersten Fehler begehen, entsprechend rar waren Torraumszenen gesät. Für den ersten Aufreger sorgte schließlich Steffen Moritz, der den Zeilsheimer Keeper, Dominik Reining, zu weit vor seinem Kasten stehen gesehen hatte und die Kugel aus über 40 Metern abfeuerte – knapp vorbei (9.). Nach einer Viertelstunde hätte die Partie durchaus eine andere Wendung nehmen können, als TuS-Keeper Max Gotthardt nach einem zu kurz ausgeführten Einwurf Kopf und Kragen riskieren musste, dabei Yves Böttler als letzten Mann zu Fall brachte, Schiedsrichter Daniel Velten aber nur die Gelbe Karte zückte – vermutlich, weil sich die Aktion nahe der Eckfahne abspielte.

Die erste gute Gelegenheit der Zeilsheimer vergab Ivan Samardzic, der nach feinem Pass von Yves Böttler vorbeischoss (18.). Der lange Ball war auf beiden Seiten ein probates Mittel, alleine Steffen Moritz bestritt unzählige Luftduelle – Gefahr keimte hüben wie drüben damit aber nicht auf, denn die Defensivreihen wirkten zunächst sattelfest. Kurz vor der Pause bog der TuS dann auf die Siegerstraße ein: Kevin Kratz servierte einen Freistoß aus dem Halbfeld, Robin Böcher legte per Kopf ab, Dennis Leukel schaltete am schnellsten und lupfte die Kugel zum 0:1 über Keeper Dominik Reining (41.). Durchatmen mussten Wörsis Jungs quasi mit dem Pausenpfiff, als Yves Böttler nach einem Ball in die Tiefe Raffael Grigorian in Szene setzte, der mit seinem Abschluss aber am aufmerksamen Max Gotthardt scheiterte (45.).

Der zweite Durchgang hätte für die Schwarz-Roten besser kaum beginnen können: Dennis Leukel spitzelte das Spielgerät im Strafraum zu Colin Schmitz, der mit einem verdeckten und auch noch abgefälschten Schuss ins lange Eck auf 0:2 stellte – der Auswärtssieg nahm Formen an (48.). Zeilsheim setzte alles auf eine Karte, brachte mit Patrick Kalata, Filip Pandza und Emin Aykir die volle Offensivwucht. Der TuS stemmte sich mit allem, was er hatte, dagegen. Thorsten Wörsdörfer tigerte an der Seitenlinie auf und ab und musste rund 20 Minuten vor dem Ende registrieren, dass sein Nervositätspegel noch einmal anstieg. In Minute 72 schöpfte der SVZ nämlich wieder Hoffnung, als Yassine Maingad über die rechte Seite prächtig vorbereitete und Patrick Kalata unmissverständlich unter die Latte abschloss – 1:2 (72.).

Und plötzlich ging im Lager der Reckenforstler die Angst um: Yves Böttlers Schuss aus zwölf Metern wurde von Moses Nickmann gerade noch geblockt (78.). Hinten aufmerksam, wurde Nickmann sieben Zeigerumdrehungen danach vorne zum Matchwinner: Der Außenverteidiger setzte sich in zentraler Position durch, spielte Doppelpass mit Marco Müller, und wuchtete den Ball kompromisslos ins lange Eck – 1:3 (85.), und ab in die Jubeltraube, bestehend aus den treuen Fans, die zu einer Vielzahl angereist waren und über die gesamte Spielzeit lautstark für Unterstützung sorgten.

Trotz fünfminütiger Nachspielzeit passierte nichts mehr, weil die abermals enttäuschenden Gastgeber, die zum fünften Mal nach Gang verloren, nichts mehr auf die Kette brachten. „Es war schon überragend, wie die Jungs gefightet und vor allem nach dem Gegentor dagegengehalten haben“, brachte es Thorsten Wörsdörfer auf den Punkt. Danach war nur noch Feiern angesagt, denn als die anderen Ergebnisse feststanden hatten, spielten sich wunderbare Bilder ab. PATRICK JAHN

Zeilsheim: Reining, Pitas (64. Aykir), Hofmeier, Sultani (55. Kalata), Böttler, Grigorian, Samardzic (56. Pandza), Hagley, Fujiwara, Maingad, Uslu – Dietkirchen: Gotthardt, Nickmann, Böcher, Hautzel, Kratz, Leukel (89. Gross), Dankof, Stahl, Bergs, Moritz (80. Müller), Schmitz (87. Mink) – SR: Velten (Schöffengrund) – Tore: 0:1 Dennis Leukel (41.), 0:2 Colin Schmitz (48.), 1:2 Patrick Kalata (72.), 1:3 Moses Nickmann (85.) – Zuschauer: 250.

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