Eines der größten deutschen Tischtennis-Talente: Josephina Neumann.
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Eines der größten deutschen Tischtennis-Talente: Josephina Neumann.

Tischtennis

Aus dem Leben einer Spitzensportlerin

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Obwohl der Breitensport im Moment fast gänzlich still steht, darf zumindest im Leistungssport weiterhin fast normal trainiert werden. Allerdings fehlen auch hier die Wettkämpfe, was speziell dann ein Problem ist, wenn ein Sport wie Tischtennis normalerweise ständig Wettkämpfe anzubieten hat. Cornelia Reckziegel-Neumann, die Mutter des Petterweiler Ausnahmetalents Josephina Neumann, berichtet über die derzeitige Situation und über die Perspektiven ihrer Tochter. Beide spielten zuletzt beim TTC Staffel.

Frau Reckziegel-Neumann, wie sieht der Trainingsalltag von Josie derzeit aus?

Josie trainiert zweimal pro Tag, wobei das Technik-Training wie bisher stattfindet. Zusätzlich werden intensiv Aufschlag und Rückschlag trainiert.

Wie sieht derzeit ein normaler Tag von ihr aus?

Josie wohnt zu Hause und nicht im Internat an der Sportschule in Frankfurt, da dies erst ab 14 Jahren möglich ist. Wenn sie Wechselunterricht hat, fahren wir sie hin, das heißt, ich, ihre Patentante oder mein Mann Sven. Morgens in der Schule findet prinzipiell zwar kein Tischtennis-Training statt, doch da sie in einer speziellen Sportklasse mit Handballern, Fußballern und Leichtathleten ist, hat sie dienstags in der fünften und sechsten Stunde Training. Außerdem hat nur sie am Mittwoch bereits um 7.15 Uhr noch einmal Einzeltraining. Ansonsten fährt sie nach der Schule und einem Mittagessen wie alle anderen Sportler mit dem Shuttle-Bus zum Landesleistungszentrum nach Frankfurt. Dort hat sie zunächst Kraft- und Mentaltraining. Dies wird immer von demselben Trainer durchgeführt, der sich auch mit dem sportlichen Trainer Tobias Beck abspricht und dafür sorgt, dass bestimmte Situationen durchgespielt werden. Generell versucht er, dafür zu sorgen, dass man sich selbst nicht herunterzieht und die eigenen Energien in die richtigen Bahnen lenkt. Die Frustrationstoleranz muss bei Leistungssportlerinnen so hochgesetzt sein, dass sie damit umgehen können. Da wird meiner elfjährigen Tochter schon einiges abverlangt. Insgesamt trainiert sie immer montags, mittwochs und freitags im Landesleistungszentrum oder bei uns zu Hause.

Wie kam der Wechsel vom TTC Staffel zum TSV Langstadt zustande?

Zunächst einmal kann sie in Langstadt auf Position vier in der 3. Bundesliga spielen, was eine weitere große Herausforderung für sie sein wird. Es geht darum, dass sie lernen soll. Noch wichtiger war aber der Aspekt, dass sie mit den Spielerinnen aus der 1. Bundesliga trainieren kann, denn Frauen auf diesem Niveau spielen noch einmal mit viel mehr Spin und haben bessere Aufschläge als die Kinder im Landesleistungszentrum. Deshalb werden die Langstädter Spielerinnen, die alle um Frankfurt herum wohnen, einmal pro Woche dort hinkommen und vor Ort mit Josie trainieren.

Wie sehr fehlt ihr der Wettkampf?

Am Ende des Tages lernen die Kinder durch den Wettkampf am meisten, denn im Moment wissen sie nicht, wie gut etwas funktioniert. Deshalb wird aber auch im Training immer wieder Wettkampf simuliert. Ganz dasselbe ist es aber natürlich dennoch nicht. Wir sind allerdings sehr froh, dass man in der jetzigen Situation überhaupt trainieren darf. Bei unserem Heimatverein TV Okarben steht Josie seit neun Monaten allerdings alleine im Trainingsbuch. Man darf ja zu zweit in einer Halle sein, und im Falle einer Minderjährigen darf auch noch eine Begleitperson dabei sein. Dort trainiert sie oft mit Abwehrspieler Andreas Gehm, mit dem sie viel Spaß hat. Er kann super erklären und lebt Tischtennis, so dass Josie richtig von ihm profitiert. Außerdem ist es toll, die beiden zu sehen, wie sie sich die Bälle um die Ohren hauen. Jetzt hoffen wir alle nur noch, dass die immer wieder verschobenen Einzelturniere endlich einmal stattfinden können. Nach dem derzeitigen Stand soll es wohl im Juni so weit sein. MICHAEL STAHNKE

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