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Rares Sipos spielt für den TTC OE Bad Homburg in der Halle bis auf weiteres nicht mehr vor Zuschauern.

1. Tischtennis-Bundesliga

Ab sofort: Nur noch Geisterspiele in Sporthalle in Bad Homburg

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Der Hochtaunuskreis erlässt ein Zuschauerverbot für professionelle Sportveranstaltungen. Der TTC OE Bad Homburg muss nun Einnahmenverluste kompensieren.

Bad Homburg - Dass die erste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte aus sportlicher Sicht nicht einfach werden würde, war den Verantwortlichen des TTC OE Bad Homburg von Anfang an klar. Doch auch wirtschaftlich wird sich der Tischtennisclub zur Decke strecken müssen, um die große Bewährungsprobe in der Saison 2020/21 zu überstehen.

Wie der Verein gestern mitteilte, spielt die Erstliga-Mannschaft ab sofort in der Wingert-Sporthalle vor leeren Rängen. Also erstmals am Freitag um 19 Uhr, wenn es gegen Titelverteidiger ASV Grünwettersbach um den Einzug ins Final Four des DTTB-Pokals geht. Die Regelung gelte zunächst bis zum 1. November. Im Internet (ttbl.de) ist das Spiel immerhin im Live-Stream zu verfolgen.

Der Hochtaunuskreis hatte in Absprache mit den hessischen Landkreisen aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen in der Vorwoche ein Zuschauerverbot für professionelle Sportveranstaltungen erlassen. Unter diese fallen auch die Heimspiele des TTC OE, wie der Kreis dem Verein gestern mitteilte. Man habe abgewogen: Einerseits das Interesse der Veranstalter und Anhänger an Wettkämpfen und Spielen vor Publikum, andererseits das Interesse nicht nur der Zuschauer, sondern auch ihrer Kontaktpersonen, nach Möglichkeit vor einer SARS-CoV-2-Infektion geschützt zu werden, heißt es in einer Mitteilung an den Verein.

Auch in die Abwägung mit eingeflossen sei, dass mit steigenden Infektionszahlen die Nachverfolgung der Kontakte durch das Gesundheitsamt erheblich erschwert wird. Das Ergebnis habe ergeben, dass dem Schutz des Lebens und der Gesundheit der Vorrang einzuräumen ist.

Die umtriebigen Ober-Erlenbacher Vereinsverantwortlichen hatten es freilich schon kommen sehen. "Selbstverständlich können und werden wir diese Entscheidung voll mittragen, denn die Gesundheit jedes Einzelnen hat Vorrang", schrieb Geschäftsführer Mirko Kupfer gestern an die Partner und Förderer des Vereins, "auch wenn wir Ihnen selbstverständlich gerne in Bad Homburg den Spitzensport liefern möchten, auf und für den wir monatelang mit Ihrer Unterstützung hingearbeitet haben. Aber nochmals: Die Gesundheit jedes Einzelnen hat Vorrang."

Auf Nachfrage sagte Sven Rehde, Sportlicher Leiter des Tischtennis-Bundesligisten, dass die Zuschauereinnahmen 10 bis 15 Prozent des Saisonetats ausmachten. Das hört sich erst einmal nach keinem so großen Faktor an. Allerdings hatte der Club überhaupt nur mit einem Kraftakt das Budget in Höhe von rund 185 000 Euro für sein Profi-Team zusammenkratzen können.

Weil die wegen eines Corona-Falls beim Gegner abgesagte Partie gegen Grenzau in den Dezember verlegt wird, betrifft der Zuschauerausschluss zwar zunächst nur das Pokalspiel. Doch bei einer Verlängerung des Verbots käme auf den Verein eine Rückabwicklungsaktion zu, sind doch die nächsten Heimspiele in der Liga, zu denen bis dato 250 Zuschauer zugelassen waren, nahezu ausverkauft. Für die Partie gegen Borussia Düsseldorf mit Timo Boll am 8. November sind alle Karten schon länger vergriffen.

Ein Heimrecht zu tauschen oder Spiele zu verlegen, käme indes nicht wirklich in Frage, sagt Rehde, befänden sich doch die meisten Vereine der 1. Bundesliga selbst in den sogenannten Risikogebieten und dürfen nicht mehr vor Fans spielen.

Das erste Geisterspiel steht dem TTC OE heute um 19 Uhr bei Werder Bremen bevor. Bereits gestern hat sich das Team mit den Trainern Tobias Kirch und Christian Kaiser sowie Mannschaftsbetreuer Hennes Kleemann auf den Weg an die Weser gemacht. Der vormalige Halbfinalist der Playoffs sei trotz seines schwachen Starts mit 2:6 Punkten der klare Favorit, "aber genau das ist unsere Chance", meint Rehde. "Die Jungs haben gezeigt, dass sie in der TTBL mithalten können und müssen sich für ihre guten Leistungen belohnen." Mit Ausnahme von Doppelspezialist Maksim Grebnev tritt der TTC OE in Bestbesetzung an. Der 18-jährige Russe befindet sich noch in Quarantäne. Er hatte auch auf das "Europe-Top-10", ein hochklassig besetztes Jugendturnier in Berlin verzichten müssen, da ein Trainer auf Covid 19 positiv getestet worden war. Grebnevs seitherige Tests dagegen waren allesamt negativ. Er soll am Mittwoch wieder zum Ober-Erlenbacher Team stoßen und am Freitag im Pokalspiel zum Aufgebot gehören. (Thorsten Remsperger)

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