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Bei den heimischen Vereinen herrscht Skepsis

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Von: Volker Hofbur

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Auch Sascha Röhr als Mannschaftsführer der TuS Hornau hat nur wenig Verständnis für die Verkleinerung der Teams.FOTO: marcel lorenz
Auch Sascha Röhr als Mannschaftsführer der TuS Hornau hat nur wenig Verständnis für die Verkleinerung der Teams.FOTO: marcel lorenz © Marcel Lorenz

Die Verkleinerung der Teams auf vier Spieler stoßen bei den Mannschaftsführern auf wenig Gegenliebe

Main-Taunus -Ab der übernächsten Saison gibt es einen Umbruch im hessischen Tischtennis. Dann soll es auf Landesebene des Hessischen Tischtennis-Verbandes nur noch Vierer-Mannschaften geben. Laut des Verbandes hätten sich 62 Prozent der Vereine für eine Reduzierung der Mannschaften von sechs auf vier Spielern ausgesprochen, die ab der Saison 2023/24 in Kraft treten soll. Zwei Drittel der Vereine votierten dafür, spätestens zur Saison 2027/28 auf Bezirksebene mit Vierer-Mannschaften zu spielen. Das ist ein deutliches Ergebnis, das auch überraschend ist. Andererseits: Die Frauen spielen schon seit Jahrzehnten mit Vierer-Mannschaften. Dennoch bietet sich eine Nachfrage bei den heimischen Vereinen an, ob sie mit dieser Entscheidung glücklich sind.

"Es war klar, dass

es kommen wird"

Für Christian Beul , Mannschaftsführer des Verbandsligisten TV Wallau, kam diese Entscheidung überraschend: "Es war schon länger klar, dass das kommen wird. Die Mitglieder-Entwicklungen sind rückläufig. Daher haben einige Vereine Kapazitätsprobleme." In seinem Verein hat Beul ein gemischtes Echo auf diese Entscheidung wahrgenommen. Er verweist darauf, dass auf Kreisebene bereits mit Vierer-Mannschaften gespielt wird. Eine Problematik sieht der Wallauer Mannschaftsführer, dessen Team in die Bezirksoberliga West abgestiegen ist: "Ich glaube, dass es schwerer wird, Jugendliche einzubinden. Das war in Sechser-Mannschaften besser möglich, um die Talente an das Niveau zu gewöhnen. Aber wir müssen uns damit arrangieren."

Tobias Laible , der mit der TSG Eddersheim in die Hessenliga Südwest aufgestiegen ist, möchte nicht zu negativ an die neue Reform gehen, sieht aber auch noch Klärungsbedarf: "Ich möchte wissen, ob wirklich alle Einzel gespielt werden. Das würde in meinen Augen viel ausmachen, wenn jeder Spieler auch zwei Einzel-Einsätze hat." Zudem macht Laible etwas anderes klar: "Ich finde es vom Gesellschaftlichen her nicht gut, wenn wir nur noch zu viert spielen sollen. Dann haben nicht mehr beide eingesetzten Spieler einen Betreuer, weil einer der pausierenden Akteure ja zählen muss. Ich freue mich aber erst einmal auf die nächste Saison, wenn wir noch mit sechs Spielern antreten dürfen. Ich hoffe, dass wir auch diese Änderung hinbekommen. Ich habe schon so viele Umstellungen miterlebt, dann schaffen wir das auch noch."

"Wahrscheinlich ist es das liebe Geld"

Sascha Röhr , Mannschaftsführer der TuS Hornau, bringt noch andere Gesichtspunkte mit seiner Meinung ein. "Wahrscheinlich ist es das liebe Geld. Sicherlich gibt es einen Schwund bei den Tischtennisspielern. Da muss man als Verband Einnahmen generieren, und die erreicht man, wenn man die Mannschaften verkleinert und es so nicht so viel weniger Mannschaften geben wird." Er versteht, dass bei langen Spielen die Dauer der Partien für außenstehende Mannschaften zu lang werden kann, wenn die Spiele über die volle Distanz gehen sollten. "Wenn die zum Spielen kommen, ist das für sie nicht attraktiv." Er selbst hatte sich vorher mit dieser Problematik nicht auseinandergesetzt. Dennoch hat er eine klare Meinung: "Ich finde es grundsätzlich nicht optimal. Für mich macht es den Teamgedanken kaputt. Du hast keinen Spieler mehr sitzen, der dich betreut. Das finde ich nicht gut." So bleibt auch seinen Mannschaftskameraden und ihm nur, sich umzuorientieren. "Irgendwann kannst du nur noch Einzelturniere spielen. Ich kann die Leute verstehen, die jetzt sagen, dass das nicht mehr ihr Sport ist, und dann aufhören", bezieht Sascha Röhr klar Stellung.

Ähnlich äußert sich Martin Schlicht , der jetzt Mannschaftsführer des Hessenliga-Teams der TuS Kriftel II ist. "Ich habe es ja schon bei unserer Oberliga-Mannschaft mitbekommen, die ab dieser Saison nur noch mit vier Spielern antreten darf. Ich habe dort selbst ausgeholfen und den Eindruck, dass es keinesfalls besser ist, da keine Leute mehr da sind, die bei den Spielern sind und sie betreuen können", beschreibt der Mannschaftsführer seine Erfahrungen, "das sagen die Spieler dort auch". Auch Schlicht sagt, dass er nicht für den ganzen Verein sprechen kann. In seiner Mannschaft hätten sie es begrüßt, weiter mit sechs Spielern antreten zu können. Er vermutet, dass auch viele jüngere Akteure für die neue Regelung sind. "Ich freue mich, dass wir in der kommenden Spielzeit in der Hessenliga noch einmal komplett spielen können", resümiert Schlicht, "aber es ist nur noch die eine Saison. Im Verband wollen sie es attraktiver machen und suchen nach Veränderungen. Ich weiß nicht, warum sie es durchboxen wollen und kann auch nichts dagegen tun. Es wird gemacht, und wir müssen damit klarkommen. Aber auch daran werden wir uns gewöhnen".

Mehmet Mihmat , Mannschaftsführer des Landesliga-Aufsteigers TG Unterliederbach, bezieht ebenfalls deutlich Stellung. Er sieht es zwar für die Vereine als leichter an, Mannschaften mit vier Akteuren zu stellen. Auch kann er nachvollziehen, dass es für Außenstehende und Zuschauer angenehmer ist, wenn der Zeitrahmen nicht zu groß werden kann. Dennoch bleiben für ihn eine große Menge Nachteile. "Wir haben das innerhalb der Mannschaft schon besprochen. Es ist eindeutig, dass das Gesellige verloren geht. Wir haben es schon zu Regionalliga-Zeiten in Nieder-Roden und auch seit fünf Jahren hier in Unterliederbach so praktiziert, dass wir nach dem Spiel was essen gegangen sind. Da waren dann auch die Partnerinnen mit dabei. Wir sind eine so tolle Mannschaft und müssen uns danach wohl von zwei Spielern verabschieden." Für ihn war es auch aus einem anderen Grund, der einen sportlichen Aspekt hat, eine schmerzliche Entscheidung. "Ich finde es angenehmer mit Sechser-Mannschaften. Wir haben am jeden Tisch einen Coach abgestellt, der den aktiven Spieler betreut und unterstützt hat. Dem trauere ich nach, denn das wird mit Vierer-Mannschaften nicht zu machen sein", argumentiert Mehmet Mihmat.

Als Unfug bezeichnet der Unterliederbacher Mannschaftsführer das Argument des Hessischen Tischtennis-Verbandes, dass mit der Reduzierung der Spieler ein Umweltaspekt erfüllt werden soll. "Bei den meisten Vereinen spielt es keine Rolle, weil die Wohnorte der Spieler gerade in den höheren Klassen so weit auseinanderliegen, dass jeder Spieler mit seinem eigenen Auto gefahren ist. Wir haben es zuletzt immerhin geschafft, mit zwei Autos zu fahren. Das Argument halte ich für vorgeschoben."

"Wir werden uns auch daran gewöhnen"

Mihmat sagt abschließend, dass er der Neuerung gegenüber offen sein und es sich anschauen will. "Wir werden uns auch daran gewöhnen. Was die uns vom Verband in den letzten Jahren schon alles angetan haben mit der Festlegung der Schlägerbeläge, den größeren Bällen und den kürzeren Sätzen, dafür aber drei oder im Turnier vier Gewinnsätze. Wir werden auch das schlucken müssen", macht der Unterliederbacher deutlich. Volker Hofbur

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