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Jubel beim Team United II. Die Mannschaft hat gerade im Spiel gegen die Johanniter Rhein-Main ein Tor erzielt.

Team United

Beim ersten Turnier für inklusive Fußballmannschaften in Köppern gibt es nur Gewinner

Teutonia Köppern veranstaltet ein Fußballturnier für Spieler mit Handicap. Von der Organisation über die Stimmung bis hin zu den Leistungen der Mannschaften – es gibt viele gute Argumente für eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Ein Tor fällt und der Jubel ist groß. Das ist so weit nichts Ungewöhnliches. Doch beim inklusiven Fußball haben Tore eine andere Bedeutung: Hier hält die Freude manchmal bis zu drei Minuten an. „Der Fußball unterscheidet sich in nicht vielen Dingen vom Regelbetrieb, aber die Emotionen sind hier definitiv stärker“, erzählt Sebastian Schiller. Der nicht behinderte Spieler des Team United von Teutonia Köppern, dessen Mitspieler zumeist mit Handicap auflaufen, findet es „bedeutend schöner, wenn andere die Tore schießen“. Wenn er dazu eine Vorlage gebe, mache er dem Mitspieler eine Freude“, sagt Schiller, „und es gibt nichts Schöneres, das zu sehen.“

Mit dieser lockeren Einstellung ist der Köpperner Kicker beim „Lions-Cup“ seines Vereins, der auf der Sportanlage an der Dreieichstraße durchgeführt wird, nicht alleine. Schiedsrichter Rüdiger Ungeheuer erklärt: „Das Ziel hier ist ganz klar, Spaß zu haben und dafür zu sorgen, dass sich keiner verletzt.“ Gespielt werde zwar nach erweiterten Regeln, sonst laufe aber alles ab wie bei den Turnieren, bei denen er sonst pfeift. Zwölf Minuten dauert eine Partie beim Lions-Cup. Die Sechser-Teams spielen auf einem Kleinfeld. Mindestens drei Spieler mit Handicap sind pro Mannschaft auf dem Kunstrasen. „Ich finde, es macht keinen Unterschied, wer mitspielt. Für mich ist es einfach schön, weil man etwas Gutes tun kann“, sagt Schiri Ungeheuer.

Wie alles begann

Köpperns Teammanager Thorsten Picha, dessen Verein zwei Mannschaften aufgeboten hat, erklärt die Idee, die er seit Sommer 2013 gemeinsam mit Trainer Bruno Pasqualotto verfolgt: „Menschen mit Behinderung möchten eben auch Sport treiben, und wir möchten ihnen hier die Chance bieten, an einem normalen Training teilzunehmen.“ Dieses Anliegen liegt Picha, der mittlerweile auch Inklusionsbeauftragter des Hessischen Fußball-Verbandes ist, am Herzen. Im Kindesalter habe er einen Bekannten mit Down-Syndrom gehabt, der von der Gesellschaft ausgegrenzt worden sei. Das miterleben zu müssen, hat Picha geprägt. Deshalb engagiert er sich ehrenamtlich. Sein nächstes Projekt, das er plant, ist ein Fußballstützpunkt für amputierte Spieler in Köppern.

Das Engagement kommt gut an, beispielsweise bei Claudia Drumlar. Auf das Team United stieß sie durch ihren nicht behinderten Sohn Max Bläsing (13) und ihren kleinwüchsigen Lebenspartner Viktor Lel (25). Für sie ist besonders der Zusammenhalt in der Mannschaft einzigartig: „Das Training ist einfach toll, hier herrscht so viel Freude und Spaß.“ Gewinnen stehe nicht an erster Stelle, somit wäre der Druck raus – das kenne sie auch ganz anders.

Dafür fährt Mutter mit Kind gerne fürs Training von Maintal bis in den Friedrichsdorfer Stadtteil. „Max mag die Leute hier so gerne und möchte auch nicht mehr woanders spielen“, erzählt seine Mutter. „Man merkt schnell, dass die Menschen alle die gleichen Wünsche und Bedürfnisse haben.“ Dass sich die Spieler gut untereinander verstehen, sei das i-Tüpfelchen.

Von der guten Stimmung lassen sich auch Zuschauer anstecken. Die Aktion finde er toll, sagt ein Fan des Lions-Cups. Menschen nicht auszusortieren, sondern einzugliedern, darum gehe es doch.

United II holt den Cup

Mit viel Hingabe und Motivation spielen die sechs Mannschaften, deren Spieler sich gut kennen und Freundschaften pflegen, um den Pokalsieg. Maskottchen Maya, eine Golden-Retriever-Hündin, schaut auch begeistert zu. „Sportlich gesehen gab es nur Sieger, denn es waren total faire Spiele“, resümiert Pasqualotto, der früher für Borussia Dortmund spielte, nach der Siegerehrung. Es habe einfach großen Spaß gemacht, zuzuschauen. Die Oberurseler Werkstätten gewannen die Silber-Runde, während sich das Team United II in der Gold-Runde den großen Wanderpokal sicherte.

Der 20-jährige Max Ackfeld mit Down-Syndrom kommentiert den Erfolg: „Wir haben gut gespielt und hatten tolle Chancen.“ Sein Team habe den Ball sehr gut laufenlassen. Man müsse deshalb als Spieler ziemlich aufpassen, um auf Ballhöhe zu bleiben.

Gejubelt haben bei der Siegerehrung alle Spieler. Jedes Team bekam einen Pokal und Erinnerungsmedaillen. Den Mannschaften attestiert Team-United-Kapitän Tobias Wentzell eine gute Leistung. Man habe den Spielern die Lust auf Fußball angemerkt, so der Stierstädter Offensivakteur, der auch für die Nationalmannschaft der Kleinwüchsigen aufläuft. Sebastian Schiller ergänzt, dass die Nominierung von zwei Mannschaften ein klarer Beweis dafür gewesen sei, „dass es uns nicht ums Gewinnen geht. Sonst könnten wir ja alle fußballerisch starken Spieler in einem Team zusammenspielen lassen und den Pokal nach Hause holen.“

Nein, Spaß und Motivation für das Spiel sind die ausschlaggebenden Faktoren. Wie Pasqualotto berichtet, sei die Mannschaft aus Groß-Umstadt bereits um 6 Uhr losgefahren, um definitiv pünktlich zu sein. „Daran sieht man, dass die Motivation hoch ist und dass das ein Thema ist, das Leute anspricht.“ Auch die anderen Teilnehmer hätten ein positives Feedback gegeben. „Alle fanden es sehr gut organisiert und würden bei einer zweiten Auflage im nächsten Jahr gerne wieder dabei sein.“ Jetzt liegt der Ball bei den Lions, dem Hauptsponsor des inklusiven Fußballturniers.

JULIA LINDNER

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