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Fußball

Benjamin Weber aus Oberursel filmt Neymar und Co.

Benjamin Weber zog es vor rund einem halben Jahr mit Cheftrainer Thomas Tuchel zu Champions-League-Teilnehmer Paris Saint-Germain (PSG). Was sich in dieser Woche im DFB-Pokal abspielt, hat der Video-Spezialist aus dem Taunus neulich erst mit Neymar, Mbappé und Co. erlebt.

Der ein oder andere Fußball-Fan mag sich daran stören, dass sich die Bundesliga zu einer Drei- oder Vier-Klassengesellschaft entwickelt hat. Wie schön da doch der Pokalwettbewerb ist, in dem Werder Bremen mit einem 40-jährigen Torschützen bei Spitzenreiter Borussia Dortmund gewinnt und Zweitligist 1. FC Heidenheim den FC-Bayern-Bezwinger Leverkusen trotz Rückstand niederringt.

Eine ähnliche Erfahrung blieb neulich Benjamin Weber, im Hochtaunus aufgewachsen, mit seinem Arbeitgeber Paris Saint-Germain nicht erspart. Die Stars aus der französischen Hauptstadt um Neymar und Mbappé, denen Weber im Coaching-Team von Thomas Tuchel als Video-Spezialist zuarbeitet, stolperten im Pokalviertelfinale gegen das Ligaschlusslicht EA Guingamp. Das Team aus einer Kleinstadt in der Bretagne warf den hohen Favoriten sensationellerweise in dessen Prinzenparkstadion mit einem 2:1 aus dem Wettbewerb.

Nur zehn Tage später konnte sich „PSG“ allerdings eindrucksvoll revanchieren – mit einem 9:0-Erfolg. So hoch hatte in Frankreichs Ligue 1 bis dato noch keine Mannschaft gewonnen.

Guingamp ist mit etwa 8000 Einwohnern ungefähr so groß wie Schmitten im Taunus. Da schließt sich der Kreis. Benjamin Weber stammt aus der Gemeinde und konnte sicher nachvollziehen, welche Gefühle bei den Fans eines solch kleinen Clubs entstehen, wenn als David gegen Goliath gewonnen wurde. Die Bretonen gelten allgemein als aufsässig und störrisch. Vielleicht noch eine Gemeinsamkeit, denn dies sagt man auch manchen Zeitgenossen aus dem Taunus nach.

„Sie haben gegen uns natürlich defensiv agiert, auf Konter gelauert, aber nicht unangenehm“, erzählt Weber vom Pokalspiel und hatte sogleich ein Lob für den Gegner parat. „Sie entwickeln viele junge Spieler. Die Nationalspieler Didier Drogba und Florent Malouda wurden dort groß“.

Weber filmt sowohl die eigenen Spieler in Training und Spiel, als auch die Gegner des Vereins, um Bewegtbild-Analysen für Cheftrainer Tuchtel und dessen Assistenten zu erstellen. Nach dem ersten halben Jahr in Frankreich stellt er fest, dass sich die Qualität im französischen Fußball und dem in Deutschland nicht groß unterscheide. Im Umgang mit den Stars, zu denen auch der deutsche Nationalspieler Julian Draxler zählt, gebe es keinerlei Probleme. „Bei uns herrscht ein sehr höflicher Umgangston“, erzählt „Benni“ Weber, „ich versuche generell, alle Menschen gleich zu behandeln, und da mache ich auch bei unseren Superstars keine Ausnahme.“

Überhaupt sei das ganze Coaching-Team um Thomas Tuchel sehr gut aufgenommen worden. Und wenn ein Spieler wie Neymar über den deutschen Trainer sagt: „Ich würde mein Leben für ihn geben“, dann ist das sicher ein wenig übertrieben, zeigt aber auf jeden Fall die Wertschätzung des brasilianischen Starstürmers. Wovon auch Tuchels Mitstreiter wie Weber profitieren, der seit der gemeinsamen Zeit beim FSV Mainz 05 mit dem namhaften Trainer zusammenarbeitet. Auch bei Borussia Dortmund war das der Fall.

Privat laufe es ebenfalls gut für die Webers in Paris. Frau und Tochter fühlten sich wohl. Geheiratet hatte Benjamin Weber seine Madeleine im November aber in Oberursel. Die Brunnenstadt war auch lange ein Wohnsitz der Familie. „Wir sind dort so oft es geht, um Kontakte mit Freunden und Verwandten nicht abreißen zu lassen“ sagt Weber. „Aber es kommen auch oft Besucher aus Deutschland zu uns. Ich hoffe, nicht nur wegen des Eiffelturms, sondern auch wegen uns“, schmunzelt Weber.

Was er ein wenig bedauert, ist der verkündete Wechsel von Uwe Gensheimer. Den Kapitän der Handball-Nationalmannschaft zieht es am Saisonende von PSG zurück zu den Rhein-Neckar Löwen. Mit Gensheimer ist Weber gut befreundet. Die beiden Deutschen unternehmen in Paris viel gemeinsam.

Wolfgang Kullmann

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