+
22.06.2005, Fussball, Relegation zur Bezirksoberliga Frankfurt, SV Victoria Preussen 07 vs. TuS Merzhausen

Fußball, Kreisoberliga

Bodo Dick: Trainer-Comeback in Friedrichsdorf

Aufgrund ihres Kaders und ihrer Ambitionen sind die Sportfreunde Friedrichsdorf in dieser Saison ein Gesprächsthema in der heimischen Fußballszene. Jetzt auch wegen eines Trainerwechsels. Der neue Mann war selbst überrascht über die Anfrage.

Es scheint sich auszuzahlen, wenn man als Trainer seriös und gleichzeitig erfolgreich gearbeitet hat. Dann wird man auch nicht vergessen. Fast fünf Jahre hat Bodo Dick ausgesetzt. Zuletzt war er Trainer beim damaligen Gruppenligisten SV Nieder-Weisel in der Saison 2013/14. Davor arbeitete er mehrere Jahre bei TuS Merzhausen, bei der Usinger TSG und in seinem Heimatverein FV Stierstadt. Als erfolgreichen Torjäger in der Hessenliga kennt ihn noch die Generation 50 plus.

Er sei sehr überrascht gewesen, als ihn zu Beginn des Jahres der Sportliche Leiter der Sportfreunde Friedrichsdorf, Martin Schmidt, anrief und ihn fragte, ob er am Trainerjob beim Tabellenführer der Kreisoberliga Interesse habe, erzählt Dick. „Ich musste erst einmal tief Luft holen. Denn ich war völlig überrascht. Natürlich fühlte ich mich auch geehrt, denn ich hatte vorher keinerlei Kontakt zu den Friedrichsdorfern.“

Während eines Treffens wurden die gegenseitigen Vorstellungen abgesprochen. „Ich hatte den Eindruck, dass der Verein gut aufgestellt ist, ein klares Ziel hat: Meisterschaft und Aufstieg“, sagt Dick, „das Gesamtpaket erscheint mir gut. Die Reserve als Unterbau ist gut aufgestellt, und über die Qualität der Spieler gibt es keine Zweifel.“ Mit Ex-Profi Alexander Theodosiadis (zuletzt bei Regionalligist Hessen Dreieich), der Spieler und zugleich Co-Trainer ist, sowie Daniel Eick als Torwarttrainer habe er jetzt fähige Leute an seiner Seite, sagt der Nachfolger des entlassenen Enis Dzihic.

Bodo Dick war in den fast fünf Jahren nicht richtig „weg vom Fenster“. Regelmäßig schaute er sich in Stierstadt, wo er wohnt, Spiele des FV an, beobachtete die Entwicklung in der Kreisoberliga Hochtaunus. Auch bei Gruppenliga-Begegnungen traf man ihn am Spielfeldrand. Seine neue Mannschaft sah er mehrfach spielen.

Dick kennt die vielen namhaften Akteure im Friedrichsdorfer Kader, hat aber schon oft erlebt, dass große Namen allein nicht als Erfolgsgarantie genügen. „Mir ist das Ziel des Vereins bewusst, aber es ist nicht so einfach, wie manch einer geglaubt hat. Aber ich will es mit der Mannschaft durchziehen, es ist machbar.“ Typisch für einen Trainer seiner Generation ist die Aussage, dass auf dem Weg zum angepeilten Aufstieg die Disziplin bei ihm an erster Stelle stehe.

Am Mittwoch hat Bodo Dick erstmals zum Training in den Sportpark gebeten. Mehrere Testspiele mit höherklassigen Vereinen schließen sich an. Nach der Rundenfortsetzung gegen Schlusslicht SG BW Schneidhain wird es dann schon am zweiten Spieltag des Jahres zu einer Schlüsselbegegnung kommen. An der Sandelmühle müssen die Sportfreunde am 10. März beim derzeitigen Tabellendritten SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg antreten. Dort begann Bodo Dick in der A-Jugend als Mittelstürmer und schoss später in der Hessenliga seine Tore.

Trotzdem misst der neue SF-Coach der Partie schon jetzt keine besondere Bedeutung bei: „Wir müssen wissen, dass jedes Spiel für uns wichtig sein wird“, sagt Bodo Dick. „Die Konkurrenz sitzt uns ganz eng im Nacken. Es ist noch nichts entschieden.“ (kul)

KOMMENTAR VON WOLFGANG KULLMANN

Trainerwechsel: Der Unterschied könnte kaum größer sein

So paradox es klingt: Zu viele gute Spieler sind schon manchem Trainer zum Verhängnis geworden. So ist es auch Enis Dzihic ergangen. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, der bei den Sportfreunden Friedrichsdorf zu seiner Entlassung führte – obwohl er mit der Mannschaft zuletzt in 16 Pflichtspielen ungeschlagen blieb, an der Tabellenspitze der Kreisoberliga (KOL) und im Halbfinale des Kreispokals stand. Dzihics Tätigkeit dauerte neun Monate, etwa so lange wie eine Schwangerschaft. Es war keine komplizierte Geburt zu erwarten, als der 44-jährige Ex-Profi im April bei den Sportfreunden begann. Von seinen früheren Vereinen TuS Merzhausen und Vatanspor Bad Homburg brachte Dzihic namhafte Spieler mit, die finanziellen Mittel des Vereins machten weitere für die KOL spektakulär anmutende Transfers möglich.

Um im Bild mit der Schwangerschaft zu bleiben: Es gab dann aber gelegentliche Komplikationen. Schon die erhoffte Aufholjagd in den letzten Spielen der Saison 2017/18 blieb aus. Den Start in die neue Runde setzte der Topfavorit in den Sand (ein Punkt aus drei Spielen). Nach gut sieben Monaten setzten vorzeitig die Wehen ein. In Form von unzufriedenen Spielern, allesamt mit höherklassiger Erfahrung, die sich in der achten Liga mit einer Reservistenrolle mindestens schwertun. Auf dem Spielfeld lieferte das Team zwar die erwünschten Resultate ab, gewann manchmal aber auch gerade so, ohne richtig zu überzeugen.

Außerdem waren sich Dzihic und der Sportliche Leiter Martin Schmidt uneins über die weitere Entwicklung ihres „Babys“. Dzihic hatte vergeblich dreimaliges Training pro Woche angeregt. Es trafen verschiedene Philosophien aufeinander.

Schmidt und die Sportfreunde gehen nun einen völlig anderen Weg. Der „Temperamentbolzen“ Dzihic, der von Emotionen lebt, wird abgelöst von einem Trainer aus einer anderen Generation. Bodo Dick ist mit 68 Jahren ein sehr erfahrener Fußballfachmann, abgeklärt und eher zurückhaltend. Beide begannen übrigens ihre Karriere als Spieler bei der SpVgg 05 Bad Homburg. Zwischen den beiden Trainertypen könnte der Unterschied aber kaum größer sein. Es ist, als ob bei Bayern München für Niko Kovac jetzt Arsène Wenger übernehmen würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare