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Bogenschützin Janine Meißner (BSC Hochtaunus)

Bogenschießen, Hochtaunus

Was Bogenschützin Janine Meißner bei den European Games erlebte

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Es sei ein „richtig großes Ding“ gewesen, und die Eröffnungsfeier löse auch jetzt noch eine Gänsehaut bei ihr aus: Die kontinentalen Wettkämpfe in Weißrussland faszinieren die Schmittenerin auch im Nachhinein noch.

Dass Janine Meißner seit Jahren zu den drei besten Sportlerinnen ihrer Disziplin in Deutschland gehört, hängt auch mit ihrer positiven Einstellung zusammen. Nicht alles verlief nach ihrer Vorstellung bei den European Games in Minsk, an denen sie als einzige deutsche Compound-Bogenschützin teilnehmen durfte. Manches ging sogar gründlich daneben. Die 24-jährige Schmittenerin ist schon ziemlich enttäuscht über ihr sportliches Abschneiden, dabei trifft sie daran nur eine Teilschuld. Sie würde sich aber nie beklagen, hebt lieber die schönen Erfahrungen heraus. Wenn sie beispielsweise von der Eröffnungsfeier der kontinentalen Wettkämpfe erzählt, gerät Janine Meißner geradezu ins Schwärmen.

Als die Schützin des BSC Hochtaunus unter mehr als 4000 Sportlern aus 50 Nationen ins voll besetzte Dinamo-Stadion eingelaufen war, sei ihr erst die Dimension des Wettkampfes bewusst geworden, auf den sie so lange hintrainiert hatte. „Da wird einem erst bewusst, wo man ist, und dass es ein richtig großes Ding ist“, staunt Meißner immer noch ob der tollen Stimmung in der Arena der weißrussischen Hauptstadt.

Überhaupt: Die besondere Stimmung eines Multisport-Events – in diesem Fall mit 15 verschiedenen Sportarten – hat sie begeistert. Wieder einmal, denn schon bei den Universiaden in Korea und Taipeh sei sie in den Genuss gekommen, auf so viele Gleichgesinnte zu treffen, „mit denen man den Ehrgeiz und die Faszination für den Sport teilen kann“.

„Perfekt organisiert“

Vieles ähnelte in Minsk den Olympischen Spielen (an denen Compound-Bogenschützen nicht teilnehmen können). Volunteers, die freiwilligen Helfer der Spiele, beherrschten mehrere Sprachen und hätten stets ein offenes Ohr für die Athleten gehabt. Überhaupt seien die Spiele in dem wegen seines totalitären Regimes kritisierten Staat „perfekt organisiert“ gewesen. Keine Minute habe man zum Beispiel auf den Bus warten müssen.

Im Athletendorf, einem modernisierten Studentenwohnheim, fühlte sich Meißner wohl, die deutsche Mannschaft war mit den Sportlern aus der Ukraine und Luxemburg in einem Haus untergebracht. Wettbewerbe im 3x3-Basketball, Badminton und Tischtennis habe sie sich angeschaut, und natürlich den deutschen Athleten die Daumen gedrückt.

Für ihren Freund Cedric Rieger freute sie sich, als der Recurve-Bogenschütze im Mixed die Bronzemedaille holte. Zu gerne hätte Janine Meißner, Tochter eines deutschen Vaters und einer mongolischen Mutter, zur Erfolgsbilanz ihres Landes auch etwas beigetragen. Zwei Schüsse hatte die Weltranglisten-29. sozusagen dafür: im Einzel und im Mixed mit Marcel Trachsel aus Barnstorf. Zweimal war aber im Viertelfinale Endstation. „Weil es ein kontinentaler Wettbewerb war, hatte ich mir schon mehr erhofft, Platz eins bis vier, so hatte die Zielsetzung gelautet“, sagt Meißner.

Hilfreiche Konkurrentin

Jedoch hatte der Wettkampf denkbar ungünstig für die deutsche Bogenschützin begonnen. Ihre Sportgeräte waren nicht rechtzeitig eingetroffen. Wenn die Konkurrentin Andrea Marcos nicht so freundlich gewesen wäre und ihr den Bogen geliehen hätte, sie hätte gar nicht antreten können. „In der dritten Nacht unseres Aufenthalts kam erst mein Gepäck an, so etwas ist mir noch nie passiert“, erzählt die junge Frau aus dem Taunus, die mittlerweile in Karlsbad mit ihrem Freund lebt.

Grund für die Panne war eine Fehlkalkulation der weißrussischen Airline Belavia, die dazu eingeladen hatte, die deutschen Teilnehmer kostenfrei nach Minsk zu bringen. Allerdings hatte die Fluglinie nicht die Rechnung mit so viel Sperrgepäck gemacht. Sogar IOC-Präsident Bach habe dann versucht, den Zeitplan zu ändern, hieß es, letztlich jedoch ohne Erfolg. Meißner konnte nicht mit dem Bogen schießen, der perfekt auf sie abgestimmt ist.

Ihr Quali-Ergebnis, das besser hätte sein können, bescherte ihr sogleich starke Gegnerinnen in der K.o.-Runde. Ausgerechnet auf Andrea Marcos traf sie als Erstes – und gewann im Stechen, was ihr leidtat, hatte die Spanierin sich doch so fair verhalten und überhaupt erst ihre Teilnahme ermöglicht.

Dass die Duelle im Schießstand nacheinander stattfinden und nicht zeitgleich, machte Meißner zudem zu schaffen. „Eine mentale Herausforderung, mit der ich erstmal klarkommen musste.“ Prompt schoss sie im Viertelfinale gegen Yesim Bostan (Türkei) unter ihren Möglichkeiten („139 Ringe – ich kann’s eigentlich besser“). Im Mixed war es nach dem Auftaktsieg gegen das Gastgeber-Duo schließlich ein schwacher Trost, gegen die späteren Goldmedaillen-Gewinner aus Russland ausgeschieden zu sein.

„Ich habe viel Neues dazugelernt, was mir so nicht mehr passieren wird“, resümiert die Schmittenerin. Beispielsweise würde sie nun daran arbeiten, ihr Körpergewicht anders zu verteilen, um bei starkem Wind stabiler stehen und damit auch besser schießen zu können. Hört sich ganz nach Fortsetzung an. Ob Janine Meißner, Vizeweltmeisterin der Juniorinnen 2013, EM-Vierte 2014 und Grand-Prix-Vierte im April dieses Jahres, aber nochmals ein solches Event erleben darf, liegt nicht in ihrer Hand.

Ihr Referendariat als Lehrerin endet im Sommer 2020. Dann kommt es ganz auf die Schule an, an der sie unterrichten soll. Ob diese Hochleistungssportler unterstützt, die auch mal außerhalb der Ferien freibekommen möchten. Wie kürzlich für die European Games, dieses „geniale Event“, für das sich die vielen Trainingsjahre gelohnt haben.

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