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Wie in diesem Zweikampf zwischen Jean Örtel (links) und Julian Luther ist der TV Burgholzhausen bei der SG Westerfeld obenauf.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Der TV Burgholzhausen behält in Westerfeld die Nerven

Im „Spiel der Woche“ pfeift der Schiedsrichter gleich drei Elfmeter. Nicht nur das sorgt für Aufregung auf dem Westerfelder Rasen.

Zur Halbzeit lag Aufsteiger SG Westerfeld gegen den TV Burgholzhausen mit 1:0 in Führung, am Ende drehte der erfahrene B-Ligist jedoch das Ergebnis noch um. Aufgrund von zwei verwandelten Handelfmetern gewinnt der TVB das „Spiel der Woche“ mit 3:2. Damit haben beide Mitfavoriten auf den Titel bisher zwei Siege und eine Niederlage auf ihrem Konto.

Auch zu Beginn der Topbegegnung in der Fußball-Kreisliga B war die Mannschaft von Trainer Klaus Krieger leicht überlegen, weil etwas giftiger in den Zweikämpfen und schneller im Kombinationsspiel. Jedoch blieben Torchancen absolute Mangelware. In der 11. Minute brachte Pascal Zinnert den Ball erstmals auf das Tor der Hausherren, jedoch stellte sein Schuss Torhüter Erik Brachhoff vor keinerlei Probleme. Der zweite Torschuss in der 20. Minute war eine verunglückte Freistoßflanke von Patrick Albert, doch wieder war Brachhoff auf dem Posten.

Die SG Westerfeld brachte bis dahin auch wenig Konstruktives in der gegnerischen Hälfte zustande, doch ging man dank eines hervorragenden Dribblings durch Eric Becker samt anschließender Vorlage auf Yannik Stammer mit 1:0 in Führung (siehe auch Extra-Text). Wirklich gut tat das Tor dem Spielverlauf allerdings nicht.

„Die Partie war geprägt vom gegenseitigen Respekt“, sagte SGW-Coach Michael Riemann, „zudem war auch recht viel Hektik drin.“ Diese führte auf beiden Seiten zu unnötigem Lamentieren und Diskutieren, weswegen beide Teams von ihren Trainern zur Ruhe ermahnt wurden. Das teilweise harsche Auftreten von Referee Manfred Schmitt aus Frankfurt brachte zudem zusätzliche Aufregung auf den Platz.

Erst im zweiten Durchgang wurde vermehrt Fußball gespielt. In der 51. Minute ließ Brachhoff einen Schuss aus spitzem Winkel von Leonard Schubert nach vorne abprallen, woraufhin Marvin Nussbaum zum 1:1 für Burgholzhausen abstaubte. Nach einem Handspiel von Westerfelds Julian Luther gab es eine knappe Viertelstunde später Strafstoß für die Gäste. Der Ball war Luther unglücklich bei der versuchten Annahme an die Hand geprallt, Schiedsrichter Schmitt zeigte sofort auf den Punkt. Von dort traf Maximilian van der Bij zum 2:1 für den TVB ins rechte untere Eck.

Doch die SG Westerfeld schlug zurück – ebenfalls aus elf Metern. TVB-Kapitän Patrick Albert versuchte rund zehn Minuten vor Schluss zu klären, traf beim Schussversuch aus der Drehung jedoch den heraneilenden Tobias Rettenbacher. Doppeltes Unglück für Burgholzhausen: Schubert verletzte sich dabei und musste vom Feld und Kapitän Marko Jungermann glich vom Punkt zum 2:2 aus. Sein Schuss schlug links oben im Kasten ein.

Nun hatte man als Zuschauer das Gefühl, dass die Partie in die eine oder andere Richtung kippen könnte. Den Touch gab der dritte Elfmeter. Nach einem schnellen Einwurf zog Pascal Zinnert aus rund 20 Metern ab, Milad Hashemi versuchte sich wegzudrehen, bekam dabei aber den Ball an den Arm.

Über die harte Entscheidung auf Handelfmeter regte sich Michael Riemann nicht auf, allerdings über das Verhalten seiner Spieler zuvor. „Bei dem Einwurf sind wir noch am Diskutieren, ob vorher nicht Abseits war, statt weiterzuspielen“, stellte der Trainer fest. Marvin Nussbaum interessierte das natürlich wenig. Er trat an und versenkte den Ball im linken unteren Eck zum 3:2-Sieg für Burgholzhausen.

SG Westerfeld: Brachhoff – Luther, Hashemi, Joppe, Eberle – Rettenbacher, Pöttgen (50. Heise), Jungermann, Demir (55. Netzel) – Becker – Stammer. TV Burgholzhausen: Simon (46. F. Fritz) – Dragon (46. Feucht), S. Fritz (66. Fisher), Vogelsberger, van der Bij – Schubert, Braum, Örtel – Nussbaum – Zinnert.

Tore: 1:0 Stammer (25.), 1:1/2:3 Nussbaum (51., 85./HE), 1:2 van der Bij (69./HE), 2:2 Jungermann (81./FE). Torchancen: 5:5. – Eckbälle: 8:3. – Zuschauer: 80. – Gelbe Karten: Pöttgen, Stammer, Rettenbacher/Albert, Schubert. Beste Spieler: Rettenbacher, Becker, Stammer/Vogelsberger, Albert, Nussbaum.

Spielnote: 3. Tor- und temporeiche Partie, die jedoch phasenweise von Hektik geprägt wurde. Schiedsrichter: Manfred Schmitt (Frankfurt). Note: 3-. Pfiff sehr kleinlich, behielt diese Linie aber immerhin bei. Brachte mit seiner schroffen Ansage an die Spieler und Trainer manchmal unnötige Aufregung ins Spiel, statt zu beruhigen.

Eric Becker und Pascal Zinnert: Worin sich die Stärke zweier herausragender Individualisten zeigt

Weder die SG Westerfeld noch der TV Burgholzhausen sind One-Man-Shows. Beide Teams haben für die B-Liga eine ganze Reihe guter Kicker im jeweiligen Kader, allerdings gibt es auf beiden Seiten einen herausragenden Individualisten, der Spiele entscheiden kann. Bei der SGW heißt dieser Eric Becker, aufseiten des TV Burgholzhausen nimmt regelmäßig Pascal Zinnert diese Rolle ein.

Im direkten Vergleich am Sonntagnachmittag zeigte sich Becker überlegen, weil „voll im Saft stehend“. Der feine Techniker führt mit sieben Toren aus drei Spielen die Torschützenliste an und weiß zudem, wo der besser postierte Mitspieler steht. Das 1:0 gegen Burgholzhausen bereitete er mit einem feinen Solo vor, narrte dabei gleich vier Gegenspieler. Dreimal setzte er zum Abschluss an, änderte dann aber schnell die Richtung, ehe er schließlich auf Torschütze Yannik Stammer ablegte. „Am Ende hat’s allerdings nichts genutzt“, ärgerte sich Becker.

Bei Burgholzhausen war Zinnert nach zweiwöchigem Türkei-Urlaub zwar noch nicht vergleichbar spritzig, zum Sieg reichte es für sein Team dennoch. Allein Zinnerts Präsenz am gegnerischen Strafraum half seiner Mannschaft. Der Stürmer band Gegenspieler, was wiederum Räume für seine Kollegen schuf. Zudem kam der Schuss, der zum zweiten und spielentscheidenden Handelfmeter führte, von ihm.

ROBIN KUNZE

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