Und er läuft und läuft und läuft: Ultra-Marathon-Spezialist Christoph Lux.
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Und er läuft und läuft und läuft: Ultra-Marathon-Spezialist Christoph Lux.

Extremsport, Hochtaunus

Christoph Lux ist das Sprachrohr der Ultraläufer

  • vonKatja Weinig
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Die Spezialität des Oberurselers Christoph Lux sind 100-Kilometer-Läufe und 24-Stunden-Läufe. In der Pandemie geht er neue Wege.

Oberursel -Eigentlich wollte Christoph Lux Ende Mai seine Laufschuhe und das Nationaltrikot der Ultraläufer einpacken und ins rumänische Temeswar reisen. Nun muss er umplanen, wie so viele Menschen es in der Pandemie immer wieder mal müssen. Denn die International Association of Ultrarunners (IAU) hat die 24-Stunden-WM ein zweites Mal verschoben: Der Startschuss soll nun am 3. Oktober fallen.

Einerseits bedauert der Oberurseler, der für die TG Victoria Augsburg startet, die Verschiebung, denn er ist "komplett fit aus dem Winter gekommen", musste keinen einzigen Tag krankheitsbedingt aufs Training verzichten. Andererseits hätte im Mai ein Großteil der internationalen Konkurrenz aufgrund der bestehenden Reisebeschränkungen nicht nach Rumänien kommen können, "und eine WM, an der nicht alle Länder teilnehmen können, ist keine richtige WM".

Anders als seine Nationalmannschaftskollegen kann der 42-Jährige den WM-Termin entspannt in seinem Kalender in den Herbst übertragen. Die Norm, die Christoph Lux im Mai 2019 in Basel gelaufen war, gilt noch. Mit 252,833 Kilometern liegt er auch deutlich über der geforderten Qualifikationsleistung von mittlerweile 240 Kilometern. "Mittlerweile" ist hierbei das entscheidende Wörtchen, denn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat die Norm überraschend um zwei Kilometer angehoben.

Noch weiter laufen. Okay. Aber wo?

Wer also in dem Glauben, nach 238 Kilometern das Ticket zur WM in der Tasche zu haben, vor Ablauf der 24 Stunden aus seinem Rennen ausgestiegen war - um beispielsweise den Körper nicht vollends auszulaugen - steht nun ohne A-Norm da. Das trifft nicht wenige und noch dazu in einer Zeit, wo ein Ultralauf nach dem anderen abgesagt wird.

"Die Jungs suchen gerade verzweifelt nach Startmöglichkeiten", erzählt Christoph Lux. Die nächsten 24-Stunden-Läufe sind in Deutschland für den Juni angekündigt. Ob sie stattfinden können, ist ungewiss. Die Zeit drängt: Die letzte Chance, die WM-Norm zu knacken, ist der 23. Juli.

Auch wenn sie für ihn selbst kein Problem darstellt, muss sich der Ausdauerspezialist aus dem Taunus mit der nachträglichen Normerhöhung auseinandersetzen, denn seit kurzem ist er Athletensprecher der Ultramarathon-Läufer. 14 Frauen und Männer aus dem 100-Kilometer- und 13 aus dem 24-Stunden-Bundeskader haben Christoph Lux das Vertrauen geschenkt. Seit fünf Jahren genießt er Kaderstatus, kennt sich in beiden Bereichen des Ultralaufs aus. Nach Sarah Kistner (MTV Kronberg), Aktiven-Vertreterin des Berglauf-Kaders, kommt damit nun der zweite Athletensprecher aus dem Taunus.

Trainieren im "Unsupported-Modus"

In seiner neuen Rolle will Lux eng mit dem Ultramarathon-Berater und den DLV-Verantwortlichen zusammenarbeiten, scheut aber auch die Auseinandersetzung nicht, "wobei ich mir wenige Illusionen mache, in Sachen Norm etwas bewegen zu können". Zumindest will er es versuchen und hofft auf positive Effekte durch räumliche Nähe und damit verbundene persönliche Gespräche: "Mein Arbeitsplatz in Darmstadt liegt nur 800 Meter von der DLV-Zentrale entfernt."

Solange der Wettkampfbetrieb stillsteht, hält sich Lux mit Trainingsläufen auf Fernwanderwegen und Wandersteigen fit. Im "Unsupported-Modus", also mit der gesamten Verpflegung im Rucksack, hat er gerade erst den 76 Kilometer langen Schinderhannes-Steig mit 2800 Höhenmetern bezwungen. Hin und wieder trinkt er auf seinen Trips auch Wasser aus öffentlichen Brunnen.

Demnächst will er sich ein paar Tage Pause zur Regeneration gönnen, die normalerweise nach den ersten Wettkämpfen im April angestanden hätten. Neben der 24-Stunden-Weltmeisterschaft plant er für dieses Jahr "einen schnellen 100er", denn 2022 steht die WM im 100-Kilometer-Lauf an. Die nächste Norm für ein internationales Großereignis hat Christoph Lux also schon fest im Blick.

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