Eine glückliche kleine Familie: Christopher Strauch mit Söhnchen Lionel und Ehefrau Nadine.
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Eine glückliche kleine Familie: Christopher Strauch mit Söhnchen Lionel und Ehefrau Nadine.

Fußball

Christopher Strauch: Ein „Aficionado“ mit Pflichtgefühl

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Bei ihm wird Vereinstreue großgeschrieben: Torhüter Christopher Strauch geht im Juli in seine elfte Saison beim Fußball-Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar. Wir haben mit ihm über seinen sportlichen Werdegang, seine Karriere-Highlights, seinen Herzensverein und sein Privatleben gesprochen.

Er ist ein „Aficionado“, was auf spanisch so viel bedeutet wie „Liebhaber“. Hierbei geht es aber nicht um seine Familie oder den Fußballsport, sondern um etwas ganz anderes. Christopher Strauch liebt es nämlich, ab und zu eine gute Zigarre zu rauchen. „Das bringt mich runter und hilft mir beim Abschalten“, sagt er. Es ist das wohl einzige „außergewöhnliche“ „Hobby“, das der 33-Jährige pflegt.

Ansonsten liest Christopher Strauch gerne Romane, Krimis oder auch Bücher über Wirtschaft. Im Moment hat er dafür viel Zeit, denn der Ball ruht aufgrund der Corona-Pandemie bekanntlich nach wie vor. Nachdem Ende letzten Jahres der Einzug in das eigene Haus über die Bühne gegangen war, ist das Gros der Arbeit erst einmal erledigt. „Das Haus ist weitgehend fertiggestellt, jetzt steht unter anderem noch der Außenputz an“, gibt der seit seiner Geburt in Mengerskirchen lebende Keeper zu Protokoll.

Ein (ausführlicher) Blick auf seinen sportlichen Werdegang lässt erahnen, dass Christopher Strauch schon einiges im sportlichen Bereich erlebt hat. Begonnen hat der Familienvater bei seinem Heimatverein SV Mengerskirchen in der F-Jugend als Stürmer. Als seinerzeit kein Torwart mehr zur Verfügung gestanden hatte, erklärte er sich bereit, diesen „Job“ zu übernehmen.

Scheinbar eine goldrichtige Entscheidung, denn schon früh wurde sein Talent erkannt. Sein Vater hatte ihn für ein Probetraining bei Eintracht Frankfurt angemeldet. Und siehe da: Christopher Strauch hatte bestand den Test und kickte fortan für den Traditionsverein vom Main. Zur damaligen Zeit streckten die Vereinsverantwortlichen der großen Vereine ihre Fühler meist bei Turnieren nach jungen Talenten aus. Und Christopher Strauch hatte Glück. Bei einem großen Hallenturnier in Aarbergen wurde er zum besten Torhüter gewählt. Im Finale hatte er übrigens gegen Ajax Amsterdam aufgrund eines Eigentores von Marko Marin unglücklich verloren.

Und plötzlich waren die Anfragen da: Borussia Dortmund, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen. Der Keeper entschied sich schließlich für Bayer 04 Leverkusen. Einen Schritt, den er bis heute noch als „perfekt“ bezeichnet: „Unter Rüdiger Vollborn durfte ich zusammen mit René Adler, der etwas älter war als ich, trainieren. Das war mit Sicherheit die Zeit, in der ich die größte Entwicklung genommen habe.“

Wegen Ulf Kirstens Sohn zum FSV Mainz 05

Ursprünglich sollte Christopher Strauch eigentlich seinen Platz bei den A-Junioren bekommen, doch als der Sohn von Bayer-Legende Ulf Kirsten denselben Anspruch stellte, entschied sich der Mengerskirchener zu einem Wechsel zum FSV Mainz 05. Hier sammelte er erste Erfahrungen in der Junioren-Bundesliga, ehe der Wechsel zum SV Wehen Wiesbaden folgte – Segen und Fluch zugleich. Segen, weil Christopher Strauch erste Schritte im Seniorenbereich sammelte, da er als A-Junior bereits bei den Profis mittrainierte und in der 2. Mannschaft in der Oberliga Hessen sein erstes Seniorenspiel bestreiten durfte. „Das war schon ein strammes Programm. Morgens und mittags Senioren, abends Jugend. Christian Hock wollte mich seinerzeit unbedingt behalten, doch dann folgte – im Nachhinein betrachtet – mein größter Fehler“, resümiert der heutige Rot-Weiß-Keeper. Da wären wir dann auch beim Fluch: Der Wechsel zum SV Waldhof Mannheim entpuppte sich als wenig sinnvoll. Probleme mit dem Trainer, der ihn eigentlich gar nicht gewollt hatte, sorgten dafür, dass Christopher Strauch ins zweite Glied rückte.

Es folgten Zwangsabstieg und Insolvenzverfahren. Doch als die Verantwortlichen mit ihm den Neu-Anfang wagen wollten und der Verein schließlich wieder in der Regionalliga gelandet war, strich der Torwart die Segel. Nach sechsmonatiger Vereinslosigkeit begann für Christopher Strauch ein sechsmonatiges Kapitel beim FSV Braunfels, ehe der damalige Hadamarer Trainer, Heiko Weidenfeller, ihn in die Fürstenstadt lotste. Und da ist er bekanntlich auch heute noch. Nachdem er sich nach dem Aufstieg in die Hessenliga mit dem heutigen Spielertrainer des FC Dorndorf, Florian Hammel, um den Posten als Stammtorhüter „gebattelt“ hatte, wurde er erst unter Walter Reitz zur unangefochtenen Nummer eins an der Faulbacher Straße.

Dienstältester Spieler beim SV Rot-Weiß

Christopher Strauch blickt mit Sicherheit auf eine bewegte Zeit bei den Rot-Weißen zurück, doch er freut sich auf die neue Saison, sollte sie denn irgendwann wieder starten. Mit 237 Hessenliga-Spielen dürfte er mindestens zu den „Top Fünf“ in Hessens höchster Amateurklasse zählen. Insgesamt hat Christopher Strauch schon mehr als 300 Pflichtspiele für die Fürstenstädter bestritten – zweifelsohne eine sensationelle Quote auf diesem hohen Niveau. Dass der Torhüter damit der dienstälteste Spieler bei den Hadamarern ist, versteht sich von selbst.

Beim Blick auf seine bisherigen Rot-Weiß-Trainer findet er nur gute Worte: „Jeder hatte natürlich seine Vor- und Nachteile. Walter Reitz hat mich viel in Entscheidungen einbezogen, war für mich sehr prägend, und wir hatten sicherlich den größten Erfolg. Torsten Kierdorf war ebenfalls ein klasse Typ und total authentisch.“ Auch sein jetziger Trainer kommt bei ihm gut an: „Bei Stefan Kühne merkt man einfach, dass er Profi war. Er hat eine tolle Bindung zur Mannschaft und bringt uns einfach weiter.“

Beinahe schon sentimental wird Christopher Strauch, wenn er an seine Torwarttrainer denkt: „Wolfgang Wüst war einfach unglaublich, fast schon wie ein zweiter Vater für mich. Aber auch Ralf Schuchardt, der aktuell dafür verantwortlich ist, macht einen guten Job.“

Auf die Frage nach seinem persönlichen sportlichen Highlight, folgt eine fast schon zu erwartende Antwort: „Natürlich das Erreichen des Hessenpokal-Finales in Wiesbaden. Wie wir als kleiner Verein die Atmosphäre aufgesaugt haben, war einfach wahnsinnig. Ich war zwei Wochen danach seelisch und körperlich noch fertig, doch der Stolz hat überwogen. Wir hätten es beinahe geschafft und es wahrscheinlich auch verdient gehabt, den Pokal gegen den großen Favoriten zu gewinnen.“

Fragt man Christopher Strauch nach seiner bittersten Niederlage, handelt es sich nicht etwa um das verlorene Elfmeterschießen gegen den SV Wehen Wiesbaden. „Das war ganz klar das erste Hessenliga-Spiel gegen den TuS Dietkirchen. Wir hatten uns so viel vorgenommen und wollten zeigen, dass wir das Aushängeschild im Kreis sind. Außerdem hatten sie uns im Kreispokal wehgetan, doch wir haben es einfach nicht geschafft.“

„Es sind die Menschen um mich herum“

Auch wenn Christopher Strauch immer mal wieder Angebote anderer Vereine bekommt, hält er an seiner Treue zum SV Hadamar fest. Warum eigentlich? „Es sind einfach die Menschen, die um mich herum sind. Ich habe viele private Freunde gefunden, und es sind zum Teil auch die Zuschauer, die man persönlich kennt. Ganz zu schweigen von Leuten wie Jutta Zimmermann (Anm. d. Red.: Wirtschaftsausschuss, Verpflegung, Wäsche), die ihr Herz in den Verein stecken. Ich fahre einfach immer mit einem guten Gefühl nach Hadamar. Deswegen war für mich klar, dass ich dort bleiben möchte.“

Auch Söhnchen Lionel zieht‘s ins Tor

Kontinuität in allen Lebenslagen – das zeichnet Christopher Strauch aus. Er weiß, was er will. Das ist sicherlich auch eine Eigenschaft, die seine Frau Nadine, mit der Christopher Strauch seit fast sechs Jahren verheiratet ist, an ihm zu schätzen weiß. Söhnchen Lionel, dem mit seinen fünf Lenzen schon großes fußballerisches Talent nachgesagt wird, würde nur allzu gerne auch ins Tor. Doch der Papa meint: „Er soll lieber noch ein bisschen im Feld spielen . . .“

PATRICK JAHN

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