+
Die Königsteinerin Emma Graf (rechts) vor einem Crosslauf für die Murray State University in Kentucky.

Leichtathletik Hochtaunus

"Um Corona ging's da lange nicht": Was Athleten des Königsteiner LV im Ausland und auf der Rückreise erlebten

  • schließen

Am Donnerstag bereitete sich Langstreckenläuferin Emma Graf an ihrer Universität in Kentucky noch auf einen Wettkampf vor. Dann ging alles ganz schnell.

Emma Graf ist hin- und hergerissen. Einerseits müsste sie ja froh sein, überhaupt noch per Flugzeug nach Deutschland zurückgekommen zu sein. Andererseits hat die Langstreckenläuferin des Königsteiner LV ihren studienbedingten Aufenthalt an der Murray State University in Kentucky abgebrochen - Knall auf Fall, bevor sie den Lohn für ihre Mühen überhaupt einfahren konnte.

"Ich wollte eigentlich gar nicht zurück, mir wurde aber Stress von allen Seiten gemacht, so dass ich dann doch eingewilligt habe", sagt die 19-jährige Königsteinerin. Freilich mit einem Lächeln, denn über die Corona-Lage ist sie sich natürlich bewusst, wenn auch der Informationsfluss zum Thema in den Vereinigten Staaten viel später Fahrt aufgenommen hat als hierzulande.

Emma Graf ist am Mittwochmorgen in Frankfurt gelandet, Lara Kohlenbach betrat schon am Sonntag nach ihrem Aufenthalt an der Duke University in Durham (North Carolina) wieder deutschen Boden. Und Langstreckenläufer Niklas Krämer ist der letzte von den drei Sportstipendiaten des KLV, der sich seit Mittwoch aus St. Louis auf der Rückreise befindet.

Zudem sind die Weitspringer Maryse Luzolo und Gianluca Puglisi wieder in der Heimat, nachdem sie ihr dreiwöchiges Trainingslager im südafrikanischen Stellenbosch auf zwölf Tage verkürzt hatten. Für die Trainingsgruppe mit den KLV-Laufspezialisten Anna Schösser und Max Grabosch, die in Dullstroom, ebenfalls in Südafrika, trainierte, hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband lange nach einem Flieger für die Rückreise suchen müssen. Dieser war am Mittwoch mit den deutschen Athleten an Bord abgehoben.

Gianluca Puglisi, Zweiter der deutschen Hallenmeisterschaften, bestritt bis vor kurzem in Südafrika ein Trainingslager.

"Gut zu wissen, dass dann alle da sind und die KLV-Familie wieder komplett ist", sagt Pressesprecherin Katja Weinig, die am Dienstag in den Nachrichten einige ratlose deutsche Urlauber gesehen hatte, die noch nicht wussten, wie sie aus dem Ausland nach Hause kommen sollten. Außenminister Heiko Maas hatte angekündigt, dass die Bundesregierung jetzt extra Lufthansa-Maschinen chartere, um Deutsche zurückzuholen, nachdem wegen des Coronavirus weltweit so viele Flüge gestrichen worden waren.

Relativ reibungslos sind die Rückreisen von Lara Kohlenbach, die über Toronto geflogen ist, und Emma Graf (von Nashville über Chicago nach Frankfurt) verlaufen. Per Fernstudium werden sie nun das Semester abschließen.

Das dauert noch zwei Monate und wäre "garniert" mit der Freiluftsaison gewesen, die der Höhepunkt des USA-Aufenthaltes für die KLV-Athleten werden sollte.

Ähnlich unterschiedlich gehandhabt wie hier durch das föderale System wurde die Corona-Krise in den USA von den Universitäten. An der Duke University entschied Präsident Vincent E. Price am Donnerstag, den Sportbetrieb komplett einzustellen. Vorlesungen fanden sowieso nur noch online statt, und den Studierenden aus dem Ausland wurde empfohlen, nach Hause zu reisen.

Emma Graf trainiert dagegen am Donnerstag noch mit ihren Teamkollegen für einen Wettkampf, der für Freitag terminiert war. "Um Corona ging's da noch gar nicht", erzählt die junge Königsteinerin. Über die sozialen Netzwerke war sie derweil trotzdem über die Auswirkungen in Europa informiert. Dann sei alles Schlag auf Schlag gegangen. Training und Wettkämpfe wurden gestrichen, die Uni mit allen Geschäften machte dicht.

Keine Geisterspiele, aber ein Geistercampus

Plötzlich habe sie auf einem Geistercampus gelebt, erzählt Emma Graf. Aus ihrem Leichtathletik-Team, in dem die 19-Jährige nach der Crosslauf-Saison zum "Freshman of the year" gekürt worden war (Neuling des Jahres) und die besten Einzelergebnisse für ihre Universitätsmannschaft erzielt hatte, seien zuletzt nur noch eine Australierin und eine Spanierin da gewesen. "Meine Freunde wurden alle nach Hause geschickt, ich konnte ihnen nicht mal richtig tschüss sagen."

Auf der Rückreise fielen der jungen Frau aus dem Taunus dann vor allem die fast leeren Flughäfen und das eigene, sehr volle Flugzeug auf. Mehrere Passagiere hätten Handschuhe und Mundschutz getragen und seien wegen der zwangsläufigen Nähe zu den Sitznachbarn beunruhigt gewesen. In Frankfurt bei der Passkontrolle hätten die Beamten schließlich zwei Fluggäste aufgehalten, die nicht nach Deutschland durften.

Eine aufregende Zeit. Für Emma Graf verlief sie in den vergangenen Tagen womöglich noch ein wenig aufregender.

Wie es jetzt weitergeht, muss auch sie auf sich zukommen lassen. Immerhin musste sie nicht direkt für 14 Tage in Quarantäne wie ihre australische Teamkollegin (und alle Australier, die derzeit in ihr Heimatland wieder einreisen). Jedoch könnte es sein, dass sie nachts wegen der Zeitverschiebung nun öfters einmal aufstehen und hellwach sein muss. Eine Option für die Uni ist es, die Vorlesungen jetzt per Video-Chat durchzuführen. Es herrscht Anwesenheitspflicht. Egal, wo der Student gerade ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare