Hat sich im Corona-Lockdown vom Handballsport entfernt: Abdel Bel Hassani, Noch-Trainer der HSG Goldstein/Schwanheim. Foto: Lorenz
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Hat sich im Corona-Lockdown vom Handballsport entfernt: Abdel Bel Hassani, Noch-Trainer der HSG Goldstein/Schwanheim.

Handball HSG Goldstein/Schwanheim

Corona hat die Leidenschaft verdrängt

  • vonAlexander Wolf
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Trainer Abdel Bel Hassani geht nach der Saison"Es geht besser ohne Handball", sagt Abdel Bel Hassani nach einem Jahr Corona-Pause. Der Trainer der HSG Goldstein/Schwanheim wird sein Amt bei den Landesliga-Herren niederlegen - weil er in Pandemie-Zeiten gemerkt hat, andere Schwerpunkte in seinem Leben zu setzen.

Main-Taunus -"Vermissen werde ich auf jeden Fall den Zusammenhalt mit den Jungs, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten", sagt der 39-jährige Coach. Und obwohl er spätestens ab Mai endgültig auf den Plausch mit seinen Spielern in der Kabine oder das Bierchen nach dem Training verzichten muss, entschied er sich gegen den Handball und für mehr Freizeit mit der Familie.

Bei Bel Hassani ist also genau der Vorgang eingetreten, den Experten im Sport und auch die Vereinsverantwortlichen fürchteten. "Wenn Breiten- und Amateursport zur Eindämmung des Virus verboten wird, wird den Menschen bewusst, dass sie auch ohne ihr Lieblingshobby können." Im Fall des Main-Taunus-Trainers liegen mehrere Gründe auf der Hand: "Ich habe im Winter 2017 für Slobodan Jankovic übernommen. Als ehemaliger Spieler dachte ich eigentlich, dass ich nur ein halbes Jahr lang Interimstrainer bin", erinnert sich Bel Hassani an seinen Start als HSG-Coach.

"Man merkt es nicht, in der Mühle zu sein"

Vor vier Jahren war Goldstein/Schwanheim in der Bezirksoberliga noch Abstiegskandidat, wurde unter Bel Hassani aber immer stabiler. Schon in der Saison 2017/18 gelang der Aufstieg in die Landesliga.

Auch wenn das Abenteuer in der ersten Verbandsspielklasse nach nur einer Saison 2019 endete, schwangen sich Trainer und Team im darauffolgenden Spieljahr wieder auf. Mit der Corona-Meisterschaft 2020 kehrten sie direkt in die fünfte Liga zurück. "Es ging immer weiter, und obwohl ich zwischendurch schon ans Aufhören gedacht habe, konnte ich damals einfach nicht", erklärt der Erfolgscoach. Die Einheiten im Kraftraum zum Wochenstart à zwei Stunden, das Dienstagstraining à vier und die Donnerstagseinheit à zwei Stunden, sowie die Wochenenden mit entweder vier Stunden pro Heimspiel oder fast doppeltem Zeitaufwand bei Auswärtsreisen, realisierte der End-Dreißiger erst während der Corona-bedingten Wettkampfpause.

"Wenn du in der Mühle drin bist, merkst du das gar nicht so sehr." Als alleine verantwortlicher Coach fallen für Bel Hassani nicht nur die Präsenzzeiten, sondern auch der ähnlich hohe Aufwand bei der Vor- und Nachbereitung an. Ob es Videoanalysen sind oder die Trainingsplanung: Sein Hauptjob als Einkäufer bei einer Elektrofirma läuft fast schon nebenher. Dass die große Handball-Leidenschaft auch Leiden schaffen kann, wurde dem zweifachen Familienvater erst durch seinen Sohn (4) und die Tochter (1) klar. "Der Sport klaut unheimlich viel Zeit", erklärt der Schwanheimer seine Entscheidung.

Auch wenn ihm der Schlussstrich bei der HSG alles andere als leichtfällt, freut er sich auf die kommende Zeit. "Ich werde erstmal weiter Pause machen und dann vielleicht irgendwann eine Jugendmannschaft bei der HSG übernehmen", verrät er. Nachdem er sich mit seinem Team quasi seit Sommer bis weit in den Herbst hinein auf die Landesliga 2020/21 vorbereitet hatte und dann vor dem zweiten Lockdown genau ein Spiel gegen Mit-Aufsteiger HSG Hungen/Lich (29:26) absolvierte, rechnet er aktuell nicht mit Lockerungen und der Erlaubnis zum Handballspielen. "Die Jungs halten sich individuell fit oder eben nicht, weil man davon ausgehen muss, dass es sowieso vor Sommer nicht losgeht", meint Bel Hassani.

Nachfolger noch

nicht gefunden

Weil er die Abteilungsleitung um Eric Schweißer bereits Ende letzten Jahres informiert und auch seinen Spielern reinen Wein eingeschenkt hatte, können die Weichen für die Zukunft nun ohne ihn gestellt werden: "Einige Spieler haben noch versucht, mich umzustimmen und sogar gedroht, dann auch aufzuhören", berichtet der scheidende Coach, "diesen Zahn habe ich ihnen aber gezogen".

Er möchte ein bestelltes Feld hinterlassen und notfalls noch bis Mai mithelfen. Nicht nur seinen stark verjüngten 20-Mann-Kader, sondern auch den noch nicht gefundenen Nachfolger könnte Bel Hassani auf die Runde 2021/22 einstellen. "Ich bin in engem Austausch mit Jens Wagner und hoffe, dass er bald Ersatz für mich findet oder es eben selbst macht", weiß er um die brenzlige Situation des Vereins.

Wenn im Frühjahr eigentlich Orientierungsgespräche für die neue Saison laufen, muss während der Corona-Krise erstmal ein Nachfolger gefunden und den Handball-Herren eine Perspektive aufgezeigt werden. "Wenn wir wieder trainieren dürfen, verabschiede ich mich natürlich mit einem Kabinenfest", verspricht er. Zudem möchte er öfter als Zuschauer in die Carl-von-Weinberg-Halle kommen. "Ich wohne ja in Goldstein und bin nicht aus der Welt", betont Abdel Bel Hassani.

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