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Heimatverbunden: Beim Silvestercup in Kriftel 2014 war Daniel Wernig (links) noch mit seinem Bruder Lucas aktiv.

TV Hüttenberg

Daniel Wernig träumt wieder von der 2. Liga

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Der frühere Akteur der TSG Münster hat beim TV Hüttenberg seine sportliche Heimat gefunden und steht vor der Rückkehr in die zweithöchste deutsche Spielklasse der Handballer.

Daniel Wernig darf auf eine besondere Statistik verweisen. Der inzwischen 27-Jährige ist Rekordspieler bei der TSG Münster in der 2. Liga. Keiner hat in den Glanzzeiten des Vereins so oft dort gespielt wie er. In Münster wurde Wernig auch Junioren-Nationalspieler und gehörte zum deutschen Kader bei den Jugend-Europameisterschaften.

Mit der TSG Münster ist Wernig weiterhin verbunden. In den vergangenen Jahren war er stets bei den Handballcamps des Vereins dabei und hält noch engen Kontakt mit Spielern wie Marc und Tim Kunz und Sebastian Frieman, mit denen er in der Dritten Liga noch zusammen aktiv war. „Die anderen kannte ich ja auch schon aus vielen Handballcamps. Daher schaue ich mir, wenn es die Zeit ermöglicht, auch noch die Spiele der Oberliga-Mannschaft in der Eichendorff-Halle an“, erklärt Wernig und zeigt, dass er seinem Heimatverein immer verbunden bleiben wird.

2009 folgte der Wechsel gemeinsam mit Jan Immel zum Bundesligisten Bayer Dormagen. Ein Jahr später kehrte er im ersten Drittliga-Jahr nach Münster zurück, ehe er anschließend zum TV Hüttenberg wechselte, der 2011 gerade aus der Bundesliga abgestiegen war. Dort ist Wernig nun bereits seit viereinhalb Jahren. „Das gehört auch zu mir, dass ich mir ganz genau überlege, zu welchen Vereinen ich gehe. In Dormagen war ich nur wegen der Insolvenz nur ein Jahr, sonst wäre ich auch dort sicherlich länger geblieben“, erklärt der Linkshänder.

In Hüttenberg fühlt sich Wernig richtig wohl: „Es gibt hier ein sehr gutes und harmonisches Umfeld. Es passt hier sowohl menschlich als auch sportlich. Daher möchte ich mir mit meinen Wechseln auch immer sehr sicher sein“, erklärt Wernig, der jeden Tag von Kelkheim nach Hüttenberg mit dem Auto fährt. „Normal brauche ich eine dreiviertel Stunde, mein Rekord im Berufsverkehr im Winter steht aber bei zwei Stunden und zehn Minuten“, fügt er an. In Münster arbeitet der 27-Jährige mittlerweile auch schon seit fünfeinhalb Jahren in dem Dienstleistungsunternehmen von seinem früheren Teamkollegen Stefan Herr, mit dem er noch als A-Jugendlicher in der Zweiten Mannschaft zusammengespielt hat. „Das ist mein zweites Standbein“, betont Wernig.

In Hüttenberg geht es ihm sehr gut. Auch mit dem jetzigen Trainer Adalsteinn Eyjolfsson, der zu Beginn des vergangenen Jahres für Axel Spandau kam, gelang es zwar schon, bessere Strukturen zu entwickeln, aber der Klassenverbleib blieb den Mittelhessen verwehrt. „Uns ist es aber gelungen, fast die gesamte Mannschaft zu halten“, freut sich Wernig, „unser Trainer wurde mit einem Dreijahres-Vertrag ausgestattet, um eine Entwicklung voranzutreiben. Wir hatten eigentlich einen Zweijahres-Plan, um wieder in die Zweite Liga zurückzukehren.“

Doch für Wernig und sein Team lief es viel besser. Neben dem ehemaligen Münsterer Maximilian Kraushaar, der allerdings wie der ehemalige Eisenacher Bundesliga-Akteur und tschechische Nationalspieler Tomas Sklenak verletzt ist, gehören auch noch der frühere Münsterer Sven Pausch sowie die bekannten Spieler Matthias Ritschel, Sebastian Roth und Mario Fernandes dem Team an. „Wir investieren sehr viel, trainieren sieben Mal die Woche“, erklärt Wernig, „das ist in der 3. Liga eher ungewöhnlich. Wichtig ist aber, dass wir überwiegend deutsche Akteure haben und nach einem Konzept mit vielen jüngeren Spielern arbeiten. Ich bin mit meinen 27 Jahren fast schon der Älteste“.

So stehen die Hüttenberger nach 16 Spielen mit 32:0 Punkten an der Tabellenspitze und haben sieben Punkte Vorsprung auf den Aufsteiger TSV Fürstenfeldbruck, acht Punkte Vorsprung auf die MSG Groß-Bieberau/Modau und neun Zähler auf den HC Elbflorenz. „Das ist für mich ein völlig neues Gefühl, so weit oben zu stehen“, merkt Wernig mit etwas Ironie an, „das habe ich eigentlich noch nie erlebt“. Ein Grund, dass es so gut läuft: „Die jungen Spieler haben schon sehr schnell sehr viel gelernt. So haben wir die knappen Spiele in Bad Neustadt und gegen den TV Groß-Umstadt trotz erheblicher Verletzungsprobleme gewonnen, als die jungen Spieler in der Verantwortung waren und auch in den engen Schlussphasen die Nerven behalten haben. Sie haben sich schnell an die Stress-Situationen gewöhnt“. Erstaunlich ist für Wernig auch, dass sein Team gegen die direkten Konkurrenten klar die Oberhand behielt. Der Zweite TSV Fürstenfeldbruck wurde mit 31:18 aus der Hüttenberger Sporthalle geschossen, in Groß-Bieberau lag die Mannschaft beim 28:22 zwischenzeitlich mit neun Toren in Führung. Eng war es nur über weite Strecken gegen den HC Elbflorenz, den die Hüttenberger in eigener Halle mit 26:22 niederringen konnten, aber auch in dieser Partie nie mit mehr als einem Tor in Rückstand gelegen hatten.

Sieben Punkte Vorsprung bei noch ausstehenden 14 Spielen. „Wir haben uns eine Riesen-Vorlage erarbeitet“, erklärt der Linkshänder, „dabei haben wir in den Spielen viel rotiert und Kräfte geschont. Bisher sind wir auch mit Verletzungen gut durchgekommen und können uns jetzt nur selbst ein Bein stellen, wenn wir nicht von Verletzungen groß getroffen werden“.

So war für Daniel Wernig der Abstieg in die 3. Liga für den TV Hüttenberg eine Etappe, die vielleicht auch ihren Nutzen hat. „Nach dem Abstieg war es für uns ein schwerer Gang. Wir konnten aber mit einem beständigen Konzept mit den eigenen jungen Spielern arbeiten. Ich finde schön, wie es ist“, erklärt der 27-Jährige.

Für Wernig ist es die elfte Spielzeit auf Bundesliga-Ebene. Dennoch war es für ihn schön, in dieser Drittliga-Saison nur am Wochenende und nicht auch an den Weihnachtstagen spielen zu müssen. „Der Aufwand ist nicht ganz so groß, aber ich freue mich wieder auf die Zweite Liga, wenn es wieder mehr wird“, erklärt der Linkshänder. Dabei ist er in diesen vergangenen elf Jahren von schwereren Verletzungen verschont geblieben. „Ich laufe in dieser Zeit immer auf Hochtouren, da fehlen einem, wenn man auch noch berufstätig ist, die Regenerationszeiten“, erklärt er, „wenn sie sich dann aber bieten, muss ich sie dementsprechend intensiv nutzen“, verrät Daniel Wernig sein Erfolgsrezept.

Ein besonders gutes Verhältnis hat er in Hüttenberg mit Rückraumspieler Sven Pausch, der mit ihm gemeinsam auch bei der TSG Münster in der 2. Bundesliga gespielt hatte. „Jetzt spielen wir schon die siebte oder achte Saison zusammen. Zwischen uns ist eine enge Freundschaft entstanden. In diesem Jahr waren wir auch zusammen im Skiurlaub“, verrät Wernig.

Schon beim Aufstieg mit der TSG Münster in die 2. Bundesliga in der Saison 2004/2005 vor elf Jahren war Daniel Wernig noch als Jugendspieler dabei. Mit dem TV Hüttenberg möchte er den Aufstieg in die 2. Bundesliga – die jetzt aber eingleisig ist – noch einmal schaffen. „Es passt hier sportlich und menschlich. Wir sind hier auch wirtschaftlich richtig gut aufgestellt. Ich fühle mich hier wie zu Hause“, verrät Wernig, „das ist ein richtig schönes Gefühl“.

Und somit ist das Ziel für ihn vor den ausstehenden 14 Spielen klar: Mit dieser jungen Mannschaft in dieser tollen Atmosphäre in der Sporthalle am Schwimmbad und mit diesen begeisterungsfähigen Zuschauern, die vor den Spielen aus dem ganzen Ort zur Halle pilgern, den Aufstieg in die Zweite Bundesliga zu schaffen. Und dann wird der TV Hüttenberg sicherlich alles dafür tun, die Mannschaft in der zweithöchsten deutschen Spielklasse zu etablieren und seinen Platz auf der deutschen Handball-Karte wieder zu erobern.

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