Der Eisbachtaler Trainer Marco Reifenscheidt (links) hält große Stücke auf den jungen Gabriel Jost - hier beim Einwurf.
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Der Eisbachtaler Trainer Marco Reifenscheidt (links) hält große Stücke auf den jungen Gabriel Jost - hier beim Einwurf.

NNP-Serie: Spieler des Monats November

Das fast perfekte „Gesamtpaket“: Gabriel Jost

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
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Die Nassauische Neue Presse hat sich bei der Wahl für den „Spieler des Monats November“ für Gabriel Jost von den Eisbachtaler Sportfreunden entschieden.

Nein, er hat nicht etwa fünf Tore in Folge erzielt, auch nicht einen unberechtigten Elfmeter für sein eigenes Team aus Fairnessgründen zurücknehmen lassen. Das „Gesamtpaket“ Gabriel Jost ist das Phänomen. Seine Spielweise, seine Einstellung, sein Teamgeist - das waren die ausschlaggebenden Faktoren, die den 23-Jährigen für die Sportredaktion der Nassauischen Neuen Presse zum „Spieler des Monats“ gemacht haben. Mit seinen Eisbachtaler Sportfreunden hat Gabriel Jost eine starke Gruppenphase in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Nord gespielt. Wider Erwarten und entgegen aller Unkenrufe überwintern die „Eisbären“ auf dem 9. Platz. Einige Wochen lang hatten sich die Westerwälder sogar auf Aufstiegsrundenkurs bewegt, bis die kräftezehrende Runde für einen drei Wochen anhaltenden Durchhänger gesorgt hatte, der die Sportfreunde leicht hatte abrutschen lassen. Allerdings liegt das blutjunge Team von Trainer Marco Reifenscheidt lediglich drei Punkte vom großen Play-off-Traum entfernt, und zwei Spiele der Gruppenphase werden im neuen Jahr noch nachgeholt.

Apropos Marco Reifenscheidt. Auf Gabriel Jost angesprochen, gerät der Trainer der Eisbachtaler regelrecht ins Schwärmen und verfällt gar in Superlative. „Ich mag Gabriel sehr. Wenn er fit ist, spielt er auch. Er kommt über die Außenbahn, ruft konstant ab, ist sehr dynamisch, wechselt von links nach rechts. Er ist ein feiner Kerl, sehr fleißig und immer konzentriert.“ Wow! Solche Lobeshymnen hört man von einem Trainer nicht oft. Doch es kommt noch besser: „Gabriel ist ein Spieler, den sich jeder Trainer wünscht, weil er immer alles gibt und absolute Qualität hat“, sagt der Coach. „Er ist auch deshalb so sympathisch, weil er anfangs gar nicht wusste, wie gut er ist.“

Gabriel Jost kommt aus Siershahn. Dort hat er mit dem Kicken begonnen. „Damals - ich war drei, vier Jahre alt - war mein Papa dort Bambini-Trainer. Und ich war immer dabei und habe mitgemacht“, erzählt der Lehramts-Student für Mathematik und Sport. Mit 13, 14 wagte Gabriel Jost den ersten Schritt und wechselte zur benachbarten Eintracht Glas-Chemie Wirges. Weiter ging es über die U16 und U19 der TuS Koblenz, bis ihn Sven Baldus beobachtete und entdeckte. Der damalige Trainer des TuS Montabaur sprach ihn an und bewegte ihn zum Wechsel in die Bezirksliga Rheinland-Ost der Senioren.

Gerade ein halbes Jahr dauerte Gabriel Josts Karriere in der Westerwälder Kreisstadt, da schlug das Schicksal zu. „Ich zog mir einen Kreuzbandriss zu“, erzählt Gabriel Jost von einer sehr bitteren Zeit. Und weil die Verletzung mitten in seine Abitur-Phase fiel, nahm er sich eine heilbringende Auszeit, die schließlich ein Jahr andauern sollte. Dann kam der erste Corona-Lockdown. Marco Reifenscheidt war bereits auf den ehrgeizigen jungen Mann aufmerksam geworden und holte ihn zu den Eisbachtaler Sportfreunden. Und plötzlich spielte Gabriel Jost in der Oberliga.

Mit dem sportlichen Aufstieg änderte sich seine Position auf dem Spielfeld. Vom offensiven Mittelfeldspieler wurde Gabriel Jost zum offensiven Außenverteidiger. „Ich habe immer Franck Ribéry und David Alaba vom FC Bayern bewundert. Ihre Spielweise hat mir extrem gut gefallen. So wollte ich auch spielen.“ Nun hat Gabriel Jost natürlich in Nentershausen keinen Alaba an seiner Seite, „aber ich bin ja auch kein Ribéry“, sagt der Siershahner in aller Bescheidenheit. Doch Mitspieler wie Lukas Reitz, Moritz Hannappel oder Lukas Tuchscherer sind auch nicht gerade von schlechten Eltern.

Gegen Trier zweimal zurückgekommen

Sein schönster Eisbachtal-Moment - sagt er selbst - war das Heimrückspiel gegen Eintracht Trier. 0:2 hatte seine Mannschaft zurückgelegt, Pascal Heene machte den Anschlusstreffer, und Gabriel Jost erzielte nur zwei Minuten später den Ausgleich. „Da habe ich gespürt, dass ein Ruck durch meine Mannschaft gegangen ist.“ Trier legte aber wieder mit 4:2 vor; und erneut war es Gabriel Jost, der für die zweite Kehrtwende sorgte, „auch wenn der Treffer offiziell als Trierer Eigentor gewertet wird“. Max Hannappel schoss schließlich das 4:4. Ein unfassbares Spiel.

Gabriel Jost hat während seiner langen Rehabilitationszeit gelernt, dass ein Ausgleich sehr wichtig ist. Deshalb stärkt er seine Muskulatur regelmäßig im Fitnessstudio, weil er weiß, dass eine starke Muskulatur ein Schutz für Bänder, Sehnen und Gelenke bedeutet. Und wenn er nicht gerade auf dem Sportplatz oder im Fitnessstudio zu finden ist, verbringt Gabriel Jost Zeit mit seiner Familie - Mama Ingrid und Papa Detlef. Aber am allerliebsten natürlich mit seiner Freundin Viktoria. MARION MORELLO

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