Er ist voller Vorfreude auf die Zukunft: Bundestrainer Detlef Glenz aus Kriftel. FOTO: lorenz
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Er ist voller Vorfreude auf die Zukunft: Bundestrainer Detlef Glenz aus Kriftel.

Sportschützen, SV Kriftel

Das Handy ist wieder da

  • Volker Hofbur
    VonVolker Hofbur
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Bundestrainer Detlef Glenz hakt Tokio schnell ab

Kriftel -Als Detlef Glenz und seine beiden Schnellfeuerpistolenschützen Christian Reitz und Oliver Geis wieder die Heimreise mit dem Flugzeug antraten, saßen mit ihnen die Hockey-Damen in der Kabine, die am Nachmittag zuvor überraschend ihre Partie im Viertelfinale verloren hatten. Da war die Stimmung einigermaßen bescheiden, denn mehr als 48 Stunden nach dem Wettkampf durfte kein Athlet mehr in Tokio bleiben.

Blickt der Krifteler in seiner Funktion als Bundestrainer auf die Tage in Tokio zurück, so fällt sein Fazit eher durchwachsen aus. Das Gleiche gilt für die Umstände im Olympischen Dorf. "Der gesellschaftliche Höhepunkt war der Besuch in der Mensa", berichtete Detlef Glenz, "die Pappbetten waren in Ordnung und die Unterbringung okay. In unseren Appartements gab es keine Fernseher. Im ganzen Haus gab es nur unten in der Lobby einen großen Fernseher, aber nur mit japanischen Kommentaren. Seitdem ich wieder zu Hause war, habe ich von Olympia mehr mitbekommen als dort. Von den Ergebnissen wurden wir durch unsere Whatsapp-Gruppe informiert".

Auch von den Busverbindungen war Glenz nicht begeistert. "Ich habe mich bei den Übertragungen gewundert, dass so viele Athleten bei den Wettkämpfen gewesen waren. Die Busse haben uns nur dorthin gebracht, wo wir zur Akkreditierung angemeldet waren", erklärte der Bundestrainer, "wir durften nur zum Training und Wettkampf raus. Da hatten wir eine Stunde Fahrt durch die Häuserschluchten von Tokio, das war, als wenn wir durch das Bankenviertel von Frankfurt gefahren wären, aber halt eine Stunde lang".

Auch mit den Temperaturen hatten Trainer und Schützen zu kämpfen. "Es war extrem schwül, auch in den Nächten waren es mindestens 28 Grad. Ich war froh, dass wir mit den Schnellfeuerpistolenschützen in der Halle geschossen haben", erzählte Glenz. Aber die Trainingsbedingungen waren dennoch nicht optimal. "Wir hatten nur 50 Schuss für jede Trainingseinheit, normalerweise schießen wir in jeder Einheit 300 bis 500 Schuss", beschrieb der Trainer die Bedingungen dort, wo Licht und Temperaturen optimal waren.

Christian Reitz musste mit der Luftpistole sogar draußen schießen. "Er hatte einen Wahnsinns-Wettkampf mit 584 Ringen und als erster Deutscher überhaupt das Finale bei den Luftpistolenschützen erreicht. Das war schon toll", erklärte der Bundestrainer. Was für ihn ein gutes Ergebnis war, wirkte sich weniger vorteilhaft auf seine Spezialdisziplin mit der Schnellfeuerpistole aus. "Es war nicht optimal, dass er so lange im Olympischen Dorf war. 17 Tage ohne irgendein Drumherum sorgt dafür, dass du irgendwann einen Koller bekommst. Wenn es in Paris gewesen wäre, hätte er zwischendurch nach Hause fahren und dort noch mal trainieren können. Aber wir haben es hinter uns gebracht. Unser Hauptziel war es, gesund zu bleiben. Und das haben wir erreicht", fiel das Resümé von Glenz zwiegespalten aus.

Der Wettkampf mit der Schnellfeuerpistole war merkwürdig. Am ersten Tag wurde Christian Reitz Dritter mit 297 Ringen in der ersten Halbserie, am Tag danach setzte er sich mit 291 Ringen an die Spitze des Feldes. Da fielen am zweiten Tag einige Schützen aus den ersten Sechs, sogar der Führende des ersten Tages. "Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist, denn die Bedingungen hatten sich nicht geändert", blickte Glenz zurück, "Olli Geis hat am zweiten Tag stark geschossen, aber am ersten Tag zu schlecht. Und im Finale fehlte Christian die Konstanz". Bei Christian Reitz sieht er einen Zyklus: "In Peking holte er Bronze, in London war nichts, in Rio Gold, jetzt nichts. Dann holt er in Paris Gold und ärgert die Franzosen."

Und eine weitere Episode stimmte Glenz milde. "Ich habe bei der letzten Busfahrt mein Handy verloren. Jetzt weiß ich, dass ein Kollege vom DOSB es mir nun mit nach Hause bringt", freute sich der Krifteler. vho

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