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Jule Behrens: Der beeindruckende Weg der TZ-Sportlerin des Jahres

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Von: Thorsten Remsperger

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Deutsche Meisterin, Europameisterin, Weltmeisterin, Sportlerin des Jahres: Für Triathletin Jule Behrens verlief 2021 überaus erfolgreich.
Deutsche Meisterin, Europameisterin, Weltmeisterin, Sportlerin des Jahres: Für Triathletin Jule Behrens verlief 2021 überaus erfolgreich. © privat

Jule Behrens hat als Triathletin in der Altersklasse U20 alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Jetzt trainiert die Athletin des Königsteiner LV noch professioneller. Sie wird - wenn nun auch meistens aus der Ferne - von einer sehr sportlichen Familie begleitet.

Königstein -Die Trophäe wird sicher einen besonderen Platz erhalten, aber in den Händen hielt Jule Behrens sie noch nicht. Die Sportlerin des Jahres im Hochtaunus, von den Lesern dieser Zeitung gewählt, ist in ihrer Lieblingssportart Triathlon einfach zu gut geworden. Sie bereitet sich derzeit so intensiv, wie wahrscheinlich noch nie, auf die Saison vor. In der möchte die Athletin des Königsteiner LV gerne ihre Titel bei Welt- und Europameisterschaften der Altersklasse U20 verteidigen. Aber nicht nur das.

Ihre Mutter hat dafür vollstes Verständnis. Alexandra Rechel hatte bei der Preisverleihung in der Stadthalle Kronberg die edle Trophäe, entworfen vom Oberurseler Künstler Hendoc, für ihre Tochter entgegengenommen, die von einem Wettkampf aus Frankreich nicht rechtzeitig zurückgekehrt war. Eine würdige Vertretung. Alexandra Rechel hat das "Triathlon-Gen" - erstens - an Jule weitergegeben. Und sie hätte - zweitens - die Auszeichnung durchaus selbst verdient, wenn die 49-jährige Sportskanone nicht in Darmstadt, sondern im Hochtaunus leben oder für einen hiesigen Verein starten würde.

Jule Behrens: Ihre Mutter war auch Deutsche Meisterin

"Ich habe meine Kinder nie zu etwas gezwungen." Darauf legt die drahtige Frau großen Wert, die jünger als ihr Alter wirkt. Ein großes Vorbild war und ist sie für ihre Kinder allemal. Im Duathlon, der Kombination aus Laufen und Radfahren, war sie schon Deutsche Meisterin, ebenso im Straßenlauf. Auch auf der Bahn rannte sie einst bei nationalen Titelkämpfen über 5000 Meter bis auf den dritten Platz.

Für den Triathlon habe sie aber erst mit 30 die Kraultechnik richtig erlernt. Dafür sind die zahlreichen Ironman-Teilnahmen und (Top)-Zeiten für die Sparkassen-Mitarbeiterin aller Ehren wert.

Ein Vorteil ihrer seit dem gestrigen Montag 19-jährigen Tochter sei, dass sie schon als kleines Mädchen Gefallen am Schwimmen gefunden habe, erzählt Alexandra Rechel. Für viele Ausdauerdreikämpfer ist die erste Disziplin die Krux. Jule Behrens betrieb dann lange Zeit Langstreckenlauf und Triathlon. Auch ihre jüngere Schwester Marta (10) hat neben dem Triathlon mit Fußball noch ein weiteres sportliches Hobby. Was vermutlich an Bruder Hennes (17) liegt, der in der U17 der TSG Hoffenheim spielt.

Auch Hennes sieht die Mutter nicht mehr so oft, wenn sie auch meistens bei den Spielen des Bundesliga-Nachwuchses aus dem Kraichgau dabei ist. Die Zusammenkünfte mit Jule sind für Alexandra Rechel dagegen sehr überschaubar geworden. Ein Mal, zwischen Trainingslagern auf Mallorca und Fuerteventura, sei sie bisher in diesem Jahr zu Hause gewesen. Für Mutter und älteste Tochter eine große Umstellung, trainierten die beiden bis vergangenen Herbst doch gemeinsam. Korrektur. "Jule hat sich selbst trainiert und ich habe sie begleitet", sagt Alexandra Rechel mit einem Lächeln. Und einem Seufzer im Sinn, der aber nur ihrer Eigenschaft als Mutter geschuldet ist. Denn: Triathlon als Profi zu absolvieren, sei immer der Traum ihrer Tochter gewesen. Den könne sie jetzt zum Glück leben.

Leben und trainieren am Olympiastützpunkt

Jule Behrens, die 2021 ihr Abitur gemacht hat, lebt und trainiert seit Oktober am Olympiastützpunkt in Potsdam. Für den Königsteiner LV ist sie nochmals bei den deutschen U18-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen gestartet (Platz sieben über 3000 Meter), das aber mehr zu Trainingszwecken. "Ich konzentriere mich jetzt voll auf Triathlon", erzählt die TZ-Sportlerin des Jahres. "Das ist das, was ich immer wollte."

Kombiniert wird ihr trainingsintensives Sportlerleben derzeit mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr bei der brandenburgischen Sportjugend. Dort kann sie die C-Lizenz als Trainerin erwerben. Danach möchte sie ihre Ausbildung bei der Landespolizei beginnen.

Was von dem drahtigen Blondschopf mit den im Wettkampf geflochtenen Haaren noch zu erwarten ist, kann man schon erahnen. Nachdem die Nationalkaderathletin schon in der Vorsaison alles gewonnen hat, was es in ihrer Altersklasse zu gewinnen gab, dürfte sie - beste Gesundheit natürlich vorausgesetzt - die Triathlon-Elite in diesem Jahr schon etwas aufmischen. Das deutete Jule Behrens bei jenem Wettkampf im französischen Liévin bereits an, der kurz vor der Preisverleihung über die Bühne gegangen war.

Einige Triathlon-Koryphäen des Kontinents hatten für das "Indoor Festival" gemeldet. Das Kuriose: Alle Disziplinen fanden in einer Halle statt, in der extra auch ein Schwimmbecken installiert worden war. Ein Ausscheidungswettkampf mit Viertelfinale, Halbfinale und Finale an einem Tag, vor voll besetzten Zuschauerrängen.

Schneller als die Tokio-Starterinnen

Für die letzten 150 Meter Schwimmen, 3 Kilometer Radfahren und 1 Kilometer benötigte Jule Behrens als jüngste Teilnehmerin weniger als elf Minuten. Damit war sie Fünftbeste, hinter ihren Teamkolleginnen Nina Eim (1.) und Lisa Tertsch (2.), aber schneller als jede Olympiateilnehmerin, die auf der besonders kurzen Distanz ihre Form testete.

"Ich war zufrieden", strahlt Behrens, die in kurzen Sätzen antwortet. Sie ist eine bescheidene Person, die nicht viel über sich erzählt, wenn man sie nicht explizit fragt. Den ersten wichtigen Wettkampf wird die TZ-Sportlerin des Jahres Ende April absolvieren, wenn es in Kienbaum um die Qualifikation für die U20-Europameisterschaften auf der Sprintstrecke geht. Die finden dann im polnischen Olsztyn vom 27. bis 29. Mai statt, zur U20-WM würde es für sie vom 22. bis 26. Juni nach Montreal gehen.

Von ebenfalls größerer Bedeutung sind für Jule Behrens aber Teilnahmen in Elite-Feldern des Weltcups. Sie erhofft sich dadurch Wildcards, um bereits bei Rennen der World Triathlon Championship Series (WTS), beispielsweise in Hamburg am 9. Juli, starten zu können. So oder so wird sie über die olympische Distanz (1500 Meter Schwimmen, 37,2 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen) schon ihre Erfahrungen sammeln und dabei auf der Welt viel herumkommen. Vielleicht sogar bis nach Hawaii.

Ihre Mutter hat sich schon mehrfach für die Ironman-Weltmeisterschaft qualifiziert. Jedoch will eine solche Reise auch finanziert werden. Diesmal würde Alexandra Rechel, falls sie die Qualifikation beim Ironman in Frankfurt (26. Juni) schaffen sollte, zumindest länger darüber nachdenken, ob sie die Reise im Oktober antritt. Und - wenn es Hawaii wirklich sein soll - ihre Tochter am liebsten mitnehmen.

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