Thorsten Zacharias ist Chef des DHB-Schiedsrichter-Beobachtungswesens. OTO: dhb
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Thorsten Zacharias ist Chef des DHB-Schiedsrichter-Beobachtungswesens. OTO: dhb

Handball

Der Chef des Beobachtungswesens wohnt in Eddersheim

  • Volker Hofbur
    VonVolker Hofbur
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Thorsten Zacharias kann seine große Erfahrung als Schiedsrichter an die jetzigen Unparteiischen weitergeben

Eddersheim -Er hat 15 Jahre in der Ersten und Zweiten Handball-Bundesliga im Gespann mit Matthias Dang für seinen Heimatverein TV Laubenheim gepfiffen, für den er auch gespielt hat. 2008 hörte Thorsten Zacharias auf - im Alter von 42 Jahren. Dann hat er sich um die Schiedsrichter des DHB-Nachwuchskaders gekümmert, ehe er vor elf Jahren Chef des Schiedsrichter-Beobachterwesens wurde. Vor gut einem Jahr ist er aus seiner Heimatstadt Mainz nach Eddersheim gezogen.

Mit 18 Jahren begann Thorsten Zacharias zu pfeifen, als er noch aktiver Handballer war. Er entschied sich dann, nur noch zu pfeifen, und stieg bereits drei Jahre später in der Regionalliga auf. Drei Jahre später landete er mit seinen Leistungen auf einem der ersten beiden Plätze und schaffte den Sprung in die Zweite Bundesliga. "Wenn du dann auf einem der ersten Plätze gestanden hast, bist Du aufgestiegen. So haben wir dann den Aufstieg in die Bundesliga geschafft", erklärte er. Im Alter von 42 Jahren hörte das Gespann auf. "Da muss viel zusammenkommen, dass sich das mit dem normalen Berufsleben verbinden lässt", erläutert Zacharias, der als Versicherungskaufmann in Wiesbaden tätig und seinem Arbeitgeber seit der Ausbildung treu geblieben ist, "das hat sich aber gut verbinden lassen, wenn man vorausschauend plant und seine Termine legt. Privat wird es schwierig. Du verpasst viel davon, wie deine Kinder aufwachsen". Zacharias war dankbar, den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören erwischt zu haben. Bereits seit elf Jahren ist er Chef des Schiedsrichter-Beobachtungswesens. "Ich bin selbst überrascht, dass es schon so lange ist", erklärt der Neu-Eddersheimer, "aber ich habe die Lust daran nicht verloren". Dabei hat er auch die neue Entwicklung im Handball miterlebt: "Handball ist schneller und athletischer geworden durch Regeln wie die schnelle Mitte. Er hat sich geändert von der Philosophie, der Taktik und auch der medialen Aufmerksamkeit her", erklärt Zacharias, "jetzt kannst du Spiele bis zur 3. Liga schauen, wodurch sich das Auftreten auch der Schiedsrichter geändert hat. Auch die Fitness der Schiedsrichter musste sich ändern,.Du kannst keine 20 Kilo zu viel herumschleppen". Nach Corona wird es auch in der Handball-Bundesliga wieder volle Hallen geben. "Das wird für die Schiedsrichter wieder eine Riesen-Umstellung, aber wir haben sie in den Lehrgängen vor der Saison darauf vorbereitet", so Zacharias. Er gehörte zu denen, die sich wohl fühlten, wenn es in der Halle richtig laut wurde. "Da hatte ich den Anspruch, so wenig Fehler wie möglich zu machen. Ich finde aber nach wie vor, dass der Handball ein fantastisches Publikum hat, dass fair und sachkundig ist. Wenn ich mal beim Amateurfußball bin, erschrecke ich mich", sagt er.

Er hat auch schon die Drittliga-Handballerinnen der TSG Eddersheim gesehen: "Ich war da, als Bayer Leverkusen hier zum Testspiel war. Das ist eine tolle Mannschaft. Sie hat mir sehr gut gefallen."

Etwas nachdenklicher wird Thorsten Zacharias, wenn er über die Perspektiven nachdenkt, die sich für die Handballer ergeben: "Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass die Bundesligisten im Handball im Gegensatz zum Fußball immer noch von den Zuschauer-Einnahmen leben. Wir sind an einem Punkt, dass sich die Vereine in Verträge begeben haben, dass sie jetzt die großen Hallen brauchen. Das ist eine Spirale, wo sie wohl nicht mehr herauskommen werden." Auch die Handball-Vereine sind mittelständische Unternehmen geworden. "Das ist eine Entwicklung, durch die wir durchmüssen. Da imponiert mir dann ein Verein wie die HSG Wetzlar, die es schafft, diese professionelle Arbeit mit der regionalen Nähe zu verbinden." vho

Thorsten Zacharias (links) und Matthias Dang bei ihrem Abschiedsspiel. OTO: imago images

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