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Der Kampf um Aufmerksamkeit

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Von: Harald Joisten

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Nummer 28 der deutschen Damen-Rangliste: Sarah Gronert spielt auch wieder für Eschborn. FOTO: Lorenz
Nummer 28 der deutschen Damen-Rangliste: Sarah Gronert spielt auch wieder für Eschborn. © Marcel Lorenz

Vizemeister Tennis 65 Eschborn startet in die Damen-Regionalliga

Eschborn -Es war ein bemerkenswertes Debüt. Direkt nach ihrem Aufstieg sicherten sich die Damen von Tennis 65 Eschborn im vergangenen Jahr Rang zwei in der Regionalliga Südwest. Vizemeister in der dritthöchsten deutschen Liga - eigentlich eine große Nummer. "Doch leider haben wir festgestellt, dass die Regionalliga in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wird", blickt Trainer Archibald Pflug zurück. Kaum ein Medium habe berichtet. "Das Höchster Kreisblatt ist mit das einzige, das sich kümmert." Und das, obwohl es nur ein Damen-Team in Hessen gibt, das höherklassig spielt: Bundesligist TC Bad Vilbel.

Saison bereits Ende Mai wieder vorbei

Und so sieht der Eschborner Coach und Organisator der neuen Saison mit gemischten Gefühlen entgegen. Am Sonntag (11 Uhr) steht das Auftaktspiel zu Hause gegen den TC Leonberg an. Danach folgen drei Doppelspieltage: Zunächst zu Hause gegen den TC Ludwigshafen II und Post Südstadt Karlsruhe (14./15. Mai), dann beim TV Reutlingen (21. Mai) und gegen den TC Ingelheim (22. Mai). Und zum Abschluss beim TA VfL Sindelfingen II (28. Mai) sowie beim TC Ludwigshafen-Oppa (29. Mai). Drei Wochen, dann ist die Saison schon wieder vorbei.

Auch das ist ein Punkt, der Pflug nachdenklich macht. Die darunter angesiedelte Hessenliga zieht sich öffentlichkeitswirksam durch die Sommer-Monate. Pflug gesteht, von den Rahmenbedingungen "fast lieber in die Hessenliga zurückgehen" zu wollen. Doch freilich würden seine Spielerinnen alles daransetzen, in ihrer zweiten Regionalliga-Saison "so viel zu gewinnen wie möglich".

Schließlich war es abermals ein Kraftakt, das hochkarätige Team zusammen zu stellen. Denn ohne ordentliche Bezahlung geht auf diesem Niveau nichts. "Wir haben drei Profis dabei. Sie müssen auch sehen, wo sie finanziell bleiben", so Pflug. Die Regionalliga ist ein wichtiges Zubrot für die Spielerinnen. Meist spielen sie auf internationalen ITF-Turnieren unterhalb der WTA-Tour, wo keine großen Preisgelder zu verdienen sind. Ein finanzielles Minus macht Tennis 65 Eschborn dennoch nicht. Die Suche nach Sponsoren sei zwar "frustrierend", so der umtriebige Pflug, "aber wir kriegen es gestemmt". Die Gönner stammen meist aus dem Umfeld des Vereins. Sie sehen die Regionalliga-Damen als Vorbild für die Jugend. "Es sind wirklich gute Spielerinnen dabei", sagt Archibald Pflug völlig zurecht.

An Position eins spielt Sarah Gronert, Nummer 28 der deutschen Damen-Rangliste. Die 35-Jährige gewann bereits neun ITF-Turniere und stand in der Weltrangliste einst auf Position 164 - vor zehn Jahren. Dahinter folgen die 26-jährige Fabienne Gettwart, Nummer 46 in Deutschland und 904. der Weltrangliste. Dahinter folgt Silvia Ambrosio. Die 25-Jährige ist derzeit in der Weltrangliste (766) die höchstplatzierte Eschbornerin. In der deutschen Rangliste wird Ambrosio auf Platz 56 geführt. Dahinter folgen Jil Engelmann, Carolin Nonnenmacher, Jessica Raith, Jasmina Stoppel und Aurelia Augustincic. Engelmann kann erst zu den zwei letzten Spielen anreisen, weil sie derzeit auf dem US-College spielt. "Wir haben ein rein deutsches Team. Das dürfte in der Regionalliga einmalig sein", so Pflug. Mehrere Spielerinnen gehören dem Verein seit vielen Jahren an, Engelmann seit 2010. Einige wohnen auch in der Region. Das sieht bei den Konkurrenten meist anders aus. Alleine Auftaktgegner Leonberg hat sechs Spanierinnen auf den ersten sechs Positionen gemeldet. Im vergangenen Jahr, als die Saison von Corona beeinflusst war, gab es weniger Ausländerinnen in den Meldelisten. Pflug ist daher unsicher, "ob es für uns wieder so gut läuft wie letztes Jahr. Ich habe meine Bedenken." Ein Abstieg wäre demnach aber kein Weltuntergang. Harald Joisten

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