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Fußballtraining unter Einhaltung der Abstandsregel: So wie hier beim österreichischen Erstligisten SV Mattersburg könnte es aussehen.

Fußball, Hochtaunus

Desinfektionsmittel gesucht: Der Ball ruht im Taunus noch

Wie die Fußballvereine im Hochtaunus mit den verkündeten Lockerungen für den Trainingsbetrieb umgehen. Es gibt positive Signale beim Sponsoring.

Hochtaunus -Dass die Vereine der Kitt für unsere Gesellschaft sind, das dürfte einer der Sätze sein, die aus dieser Krise historischen Ausmaßes hängen bleiben. Gesagt hat ihn Volker Bouffier, Hessens Ministerpräsident. Jener Politiker, der am Donnerstag per Live-Video unter anderem den Sportvereinen des Bundeslandes eine freudige Nachricht überbrachte. Ab Samstag seien alle kontaktfreien Sportarten im Freizeit- und Amateurbereich wieder möglich, sagte Bouffier.

Heute ist Dienstag, und im Hochtaunus wurden bis dato nur in Ausnahmefällen Sportler auf den Anlagen ihrer Vereine wieder gesichtet. Fußballer wohl gar nicht. Denn der Wiedereinstieg ins Training, der für die Kicker als eigentliche Kontaktsportler ganz anders als vor der Corona-Pandemie aussehen wird, ist nicht vom "Go" des Ministerpräsidenten abhängig. Sondern davon, wie schnell es ein Verein schafft, ausreichend Desinfektionsmittel aufzutreiben.

"Das ist die größte Herausforderung", sagt Stephan Leber, Vorsitzender des FV Stierstadt. Häufig seien die chemischen Flüssigkeiten nur vereinzelt erhältlich. Oder ausverkauft. Die Lieferzeit betrage ein bis zwei Wochen.

Vorher wieder mit dem Training zu beginnen, davon würde der Hessische Fußball-Verband sicher dringend abraten. In den Umsetzungsregeln, die der Sportliche Leiter des HFV, Dirk Reimöller, in Zusammenarbeit mit dem Ausschuss für Qualifizierung und Vereinsentwicklung erstellte, werden sechs Punkte aufgeführt.

Die Regeln des Verbandes

Im Wortlaut: Der Sport- und Trainingsbetrieb kann nach Maßgabe der folgenden Regeln im Breiten- und Freizeitsport in einem ersten Schritt wieder erlaubt werden, wenn die Sportangebote

einen ausreichend großen Personenabstand gewährleisten (1,5 bis 2 Meter)

kontaktfrei ohne Wettkampfsimulation und Spiele durchgeführt werden

die Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten, konsequent eingehalten werden

die Umkleidekabinen ebenso wie die Gastronomiebereiche geschlossen bleiben

Bekleidungswechsel (...) die Nutzung der Nassbereiche in der Sportstätte unterbleiben

keine Zuschauer zugelassen werden

Die Anwendung von Desinfektionsmitteln taucht in den Praxis-Tipps des HFV auf: Sie müssen im Eingangsbereich stehen, auf der Toilette - und wohl an den Toren. Denn: "Torwarthandschuhe sind während des Trainings wiederholt zu desinfizieren. Die Torhüter sollen ihr Gesicht möglichst nicht mit den Handschuhen berühren und die Handschuhe keinesfalls mit Speichel befeuchten", heißt es in den Tipps, die der Verband pünktlich am Donnerstag online gestellt hat. Nach dem Training soll zudem sämtliches Material desinfiziert werden.

Durchnässte Kleidung im Auto wechseln

"So ganz einfach ist das alles nicht umzusetzen", sagt Torsten Iba, Kassierer beim FSV Friedrichsdorf. Er meint damit auch Vorgaben wie beispielsweise, dass die Umkleiden geschlossen bleiben müssen. "Sichtgeschützte Bereiche auf dem Sportgelände unter Einhaltung der Abstandsregelungen" dürfen dafür genutzt werden. Wer mit dem eigenen Auto kommt, soll laut HFV "durchnässte oder verschwitzte Kleidungsstücke" nach dem Training am besten im Pkw wechseln.

Was bei dem einen oder anderen Jugendtrainer und Erziehungsberechtigten für Unmut sorgt, ist die Altersvorgabe "U12-Mannschaften und älter". Für jüngere Spieler lautet die Empfehlung, dass diese erst wieder zwei Wochen Schulerfahrung sammeln sollten (was für die meisten Jüngeren bekanntlich erst wieder ab Juni möglich ist).

"Die Kinder sind wieder die Dummen", macht Frank Bode, E-Jugendtrainer beim EFC Kronberg, seinem Ärger auf der Facebook-Seite dieser Zeitung Luft. Als "traurig und vielfach lebensfremd" bezeichnet er die Verbandsregeln. Was jedoch außer Frage stehen dürfte: Abstands- und Hygiene-Regeln müssen auch auf Sportanlagen gelten, wenn sie für das alltäglichen Leben zur Eindämmung der Corona-Pandemie als sinnvoll erachtet und vorgeschrieben wurden. Dessen waren sich die von dieser Zeitung befragten Vereinsvertreter auch voll bewusst, deshalb überwog die Freude über die Lockerungen.

"Den meisten fehlt der Fußball; alleine zu spielen, ist ein wenig schwierig", sagt Leber. Ein Trainingskonzept mit kontaktfreien Übungen sei für den Tag X bereits erarbeitet worden. Auf den müssen die Vereine jetzt eben noch ein wenig länger warten.

Um nochmals auf den "Kitt der Gesellschaft" zurückzukommen. So würden das auch einige Sponsoren sehen, meint Leber. Die meisten hielten dem FV Stierstadt zum Glück die Treue, auch weil sie sich über die wichtige Rolle von Vereinen bewusst seien.

Der FSV Friedrichsdorf verkauft derweil über die Webseite geisterspieltickets.de virtuelle Eintrittskarten und Bratwürste an die Anhänger. 80 Prozent dieser Spenden kommen dem Verein dann zugute. "Das sind kleine Beträge", sagt Kassierer Iba, "aber vor allem eine schöne Geste."

THORSTEN REMSPERGER

Neue Triktos für 500 Vereine: Schöne Aktion in schwierigen Zeiten

Die "Mainova-Trikots für Vereine"-Aktion ist seit nunmehr 13 Jahren fest in der Breitensportförderung des hessischen Energieversorgers verankert. Auch in diesem Jahr wurden aus den über 3000 teilnehmenden Clubs wieder 500 Gewinner per Losverfahren durch Eintracht Frankfurt-Legende Karl-Heinz "Charly" Körbel und den Mainova-Vorstandsvorsitzenden Dr. Constantin H. Alsheimer ermittelt. Im Hochtaunus profitieren 41 Vereine oder Spielgemeinschaften in den Sportarten Fußball (22), Handball, Leichtathletik (je 4), Volleyball, Basketball, Tennis, Tischtennis, Inline-Hockey (je 2) und Badminton (1) davon.

"Charly" Körbel stellt die neuen Mainova-Trikots für die Vereine vor.

"Die Aktion kommt bei den Vereinen an - auch in diesen besonderen Zeiten. Über diese erneut große Resonanz der Teams aus Frankfurt und der Rhein-Main-Region freuen wir uns", zeigt sich Alsheimer zufrieden mit den Zahlen, die in etwa auf dem Niveau der Vorjahre liegen. Trotz der in vielerlei Hinsicht ungewissen Situation macht der Vorstandsvorsitzende deutlich, dass die Aktion in den kommenden Jahren ebenfalls "fester Bestandteil der Breitensportförderung" des Unternehmens sein wird.

In den vergangenen Jahren waren vor allem die feierlichen Trikotübergaben an ausgewählte Gewinner-Teams etwas ganz Besonderes für die Aktiven. "Ein neuer Satz Trikots, überreicht von ehemaligen Profis wie Eintracht-Urgestein Karl-Heinz "Charly" Körbel, sorgte insbesondere bei den Jüngeren immer für Begeisterung", weiß der Mainova-Vorsitzende.

Bezüglich der konkreten Form der Übergaben, die nun gegen Ende des Jahres stattfinden sollen, seien die Planungen für die Durchführung in Zeiten der Corona-Krise noch nicht abgeschlossen. (yw/rem)

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