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Die Bestleistung von Vanessa Grimm ist eine spezielle Geschichte

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Von: Thorsten Remsperger

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Großer Jubel in Götzis: Vanessa Grimm vom Königsteiner LV.
Großer Jubel in Götzis: Vanessa Grimm vom Königsteiner LV. © IMAGO/Beautiful Sports

6323 Punkte, beste Deutsche: Vanessa Grimm liefert in Götzis ab. Dabei musste die Siebenkämpferin des Königsteiner LV noch im Wettkampf Steine aus dem Weg räumen.

Königstein/Frankfurt -Dass Vanessa Grimm in einem Weltklassefeld beim Meeting in Götzis mit persönlicher Bestleistung Dritte und damit beste deutsche Siebenkämpferin geworden ist, das ist die eine Geschichte. Keine unerwartete. Schließlich hatte es die Wahl-Frankfurterin, für den Königsteiner LV im Taunus startend, im Vorjahr bis zu den Olympischen Spielen nach Tokio geschafft. Vor allem weil sie an den beiden Wettkampftagen in eben dieser österreichischen Marktgemeinde Götzis ihre Bestleistung quasi pulverisiert hatte.

Mit 6323 Punkten kam Grimm jetzt auf noch einmal sieben Zähler mehr als 2021. Die Begleitumstände, unter denen die 25-Jährige zu großer Form aufgelaufen war, machen die Erfolgsgeschichte aber zu einer speziellen.

Zwangspause durch Coronainfektion

Das Meeting in Ratingen hatte Grimm, die im nordhessischen Hofgeismar aufgewachsen ist und ihren Lebensmittelpunkt vor sieben Jahren nach Frankfurt verlegt hatte, um noch professioneller Leichtathletik betreiben zu können, verpasst. Sie hatte sich Anfang Mai mit Corona infiziert. Das hieß für sie, zehn Tage die Füße still zu halten, auch wenn sie sich mit leichten Symptomen nach zwei Tagen wieder gut fühlte. Um danach den Trainingsrückstand aufzuholen, aber nicht zu wissen, was vor allem in der Ausdauerdisziplin, dem finalen 800-Meter-Lauf, möglich ist.

Jedenfalls musste es in Götzis klappen. Es ist das zweite und letzte internationale Meeting, bei dem die deutschen Mehrkämpfer Jahr für Jahr versuchen, die Qualifikation für die anstehenden Großereignisse zu schaffen. Was im Vorjahr die Sommerspiele waren, sind heuer die Weltmeisterschaften in Eugene/USA (15. bis 24. Juli) und die Europameisterschaften in München (15. bis 21. August). Am liebsten würde die Olympia-19. bei beiden Titelkämpfen starten. Mindestens aber bei einem.

In Götzis hielt die KLV-Athletin also einem nicht unerheblichen, wenn auch selbst auferlegten Druck stand. "Ich war schon eine Woche vorher super nervös, das war nicht wirklich normal, das war ziemlich hart", erzählt Grimm. Sobald es losgegangen war, sie mit 13,95 Sekunden über 100 Meter Hürden nur 14 Hundertstelsekunden über Bestzeit lag, sei aber das "Feeling" zurückgekommen. Das Gefühl dafür, auf den Punkt das Beste aus seinem Körper herausholen zu können.

Fauxpas des Kampfgerichts

Weitere Unwägbarkeiten machten ihre Geschichte jedoch erst zur speziellen. In der zweiten Disziplin, dem Hochsprung, hatte sie schon euphorisiert über ihre neue Bestleistung von 1,80 Meter gejubelt, ehe ihr ein Kampfrichter mitteilte, dass die Latte versehentlich auf 1,77 Meter aufgelegt worden war. Grimm musste warten, riss dann den nächsten Versuch - um die Höhe nochmals zu meistern. "Das konnte doch jetzt nicht umsonst gewesen sein", habe sie gedacht.

Auch der zweite Tag begann im Weitsprung mit einem Nervenspiel. Nach ungültigem Versuch und Sicherheitssprung auf nur 5,92 Meter (was sehr viele Punkte gekostet hätte) war sie im letzten Durchgang gefordert. Nach kurzem Feedback ihres Trainers Philipp Schlesinger habe sie alles um sie herum ausgeblendet. "Man überlegt nur, was man besser machen will, und nicht, was wäre wenn. . .", erzählt Grimm. Sie sprang 6,29 Meter - Bestleistung.

EM-Platz so gut wie sicher

Weil es auch zum Schluss über 800 Meter prima lief ("Nach einer Runde habe ich mich gut gefühlt und mir gedacht: Okay, renn' einfach!"), übertraf sie die EM-Norm von 6250 Punkten und dürfte einen der drei deutschen Startplätze für München sicher haben. Ob es auch mit der WM etwas wird, entscheidet sich Ende Juni über das World-Ranking. Grimm liegt nun auf Rang 22. Sie muss unter den Top 24 bleiben. "Das sind schon mal coole Aussichten", sagt Vanessa Grimm. Bei ihren Eltern in Nordhessen darf sie jetzt eine Woche lang das Nichtstun genießen.

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