In dieser Saison wird es auf den hessischen Fußballplätzen keine Spiele mehr um Punkte geben. foto: lorenz
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In dieser Saison wird es auf den hessischen Fußballplätzen keine Spiele mehr um Punkte geben.

Hessischer Fußball

Warum der Fußballverband die Punktrunden annulliert

  • Volker Hofbur
    vonVolker Hofbur
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Der Hessische Fußball-Verband beschließt den Abbruch der Meisterschaftsrunden. Davon nicht betroffen ist der Pokalwettbewerb.

Main-Taunus -Der Hessische Fußball-Verband (HFV) steht vor einem Abbruch und einer damit einhergehenden Annullierung seiner Meisterschaftswettbewerbe im Herren-, Frauen-, sowie Juniorinnen- und Juniorenbereich. Dies ergab die heutige etwas mehr als zweistündige Sitzung des Vorstands des Hessischen Fußball-Verbandes mit den Vertretern aus den Kreisen.

Klare Voraussetzungen für Entscheidung

"Die Voraussetzungen waren klar. Wir hätten gerne weitergespielt, aber es sieht nicht danach aus, dass wir nach der nächsten Sitzung der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten nach dem 18. April gleich hätten anfangen können", erklärte der Stellvertretende Verbandsfußballwart Matthias Bausch, "aber wir hätten vier Wochen Vorbereitung gebraucht. Das kriegen wir nicht in allen Klassen und Kreisen hin". Damit eine Saison gewertet werden kann, muss mindestens die Vorrunde absolviert worden sein. Somit ist eine für alle Beteiligten zumutbare sportliche Beendigung der Saison unter Berücksichtigung der Pandemie-bedingten Gesamtsituation mit steigenden Inzidenzzahlen nicht mehr möglich. Ein Trainingsbetrieb von mindestens vier Wochen war vom Vorstand des HFV und auch den Vereinen als notwendig erachtet worden, um nach der langen Trainings- und Spielpause die nötige Fitness der Spieler zu schaffen und die Verletzungsgefahr zu verringern.

Einstimmiges Votum aller Vertreter

Bausch erklärte, dass das Votum einstimmig war, auch in den Kreisen gab es nur in zwei Kreisen ein ausgeglichenes Stimmungsbild, in allen anderen war das Votum eindeutig. "Die Leute wollten Gewissheit haben", berichtete Bausch, "was hätte das gebracht, wenn wir die Entscheidung weiter herausgeschoben hätten?"

Bausch machte deutlich, dass der Abbruch nur für die Meisterschaftswettbewerbe gilt. Ein weiteres Thema werden nun die Hessenligen sein. Sowohl für den Herren- und Frauenbereich, der A-, B- und C-Junioren sowie die Hessenliga der B-Juniorinnen erfolgt eine gesonderte Entscheidung durch den Verbandsvorstand im Hinblick auf die Wertung und Annullierung. So ist die Hessenliga abhängig von den Entscheidungen des Südwest-Verbandes, ob es Aufsteiger aus den Landesverbänden geben soll. Bei den Männern gibt es bisher 20 Mannschaften, auf den letzten beiden Plätzen der Regionalliga Südwest, in der es sechs Absteiger geben soll, stehen mit Bayern Alzenau und Eintracht Stadtallendorf zwei hessische Vertreter. "Mit 22 Mannschaften kannst du eine Runde mit einer Liga spielen, das ist der bisher größte existierende Spielschlüssel. Das ist die Frage, was die Liga will. Das ist noch nicht geklärt", erklärte Matthias Bausch.

Pokale sollen noch gespielt werden

Die Pokalwettbewerbe sind von dem Abbruch nicht betroffen. Sie sollen, wenn es die Pandemie erlaubt, auf jeden Fall gespielt werden, um Teilnehmer für den DFB- und den Hessenpokal zu ermitteln. "Den Hessenpokal und den Kreispokal wollen wir fertigspielen", erklärte Bausch, "im Hessenpokal müssen wir noch drei Runden spielen, da ist die Frage, ob wir bis Ende Mai fertig sein müssen. Beim Kreispokal haben wir noch etwas Luft. Da müssen wir vor Beginn des neuen Hessenpokals fertig sein". So könnte auf Kreisebene auch in der Vorbereitung auf die neue Saison der Pokalsieger ausgespielt werden.

Das Präsidium des Hessischen Fußball-Verbandes wird einen entsprechenden Antrag auf Saisonabbruch stellen. Die finale Entscheidung trifft der Verbandsvorstand in einem formalen Umlaufverfahren. Danach würden durch den Abbruch die Saison - abgesehen von den oben genannten Ausnahmen - alle bisherigen Ergebnisse annulliert werden. Es würde keinen Auf- und Abstieg geben.

Keine Alternative zu dieser Entscheidung

Der Umgang mit der laufenden Spielzeit wurde sorgsam und weitsichtig vorbereitet. Das Ergebnis der vorangegangenen Vorstandssitzung am 11. März sowie die sich daran anschließenden Kreiskonferenzen und Befragungen der Vereine sind in die heutige Meinungsbildung eingeflossen. "Natürlich fällt es uns nicht leicht, diesen Schritt zu gehen, da wir dafür stehen, den Vereinen die Wettbewerbsspielmöglichkeit zu bieten. Wir stehen für den Fußball und wollen, dass Fußball gespielt wird. Aber dieser Weg der Entscheidungsfindung ist kein Schnellschuss, sondern ein sorgsam vorbereiteter, breit abgestimmter und wohlüberlegter Prozess", sagte HFV-Präsident Stefan Reuß in der Pressemitteilung des Hessischen Fußball-Verbandes und fügte hinzu: "Jede andere Möglichkeit wäre in der aktuellen Situation mit den im Laufe der Pandemie erworbenen Erfahrungswerten unseren Mitgliedern gegenüber nicht zu vertreten gewesen."

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