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„Die Schiedsrichterin ist der beste Mann auf dem Platz“

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Von: Marion Morello

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 Mit Leib und Seele Schiedsrichterin: Kira Sophie Lein. 
Mit Leib und Seele Schiedsrichterin: Kira Sophie Lein.  © privat

Am 11. März soll ein neuer DFB-Präsident gewählt werden. Aller Voraussicht nach werden sich zwei Männer - und keine Frau - zur Wahl stellen. Dabei gäbe es genügend qualifizierte Kandidatinnen. In unserer Serie „DFB: Frauen an der Basis“ widmen wir uns diesmal Kira Sophie Lein, einer jungen Schiedsrichterin aus dem NNP-Land.

Spätestens seit Bibiana Steinhaus ist es endgültig bewiesen: Auch Frauen sind in der Lage, ein Fußballspiel unter Männern auf allerhöchstem Niveau unter Kontrolle zu halten. Einen Boom hat ihr Aufstieg in Deutschland zwar nicht gerade ausgelöst, aber es gibt sie hierzulande: die Schiedsrichterinnen. Eine davon ist Kira Sophie Lein. Die 23-Jährige aus Weilmünster-Dietenhausen ist allerdings - man muss es leider eingestehen - eine von nur sechs Frauen in der Schiedsrichtervereinigung Limburg-Weilburg. Tendenz: sinkend.

Dieser Umstand ist für die pfiffige Kira Sophie Lein allerdings nahezu bedeutungslos. Denn sie ist eine derjenigen Frauen, die Emanzipation als selbstverständlich erkannt haben, die keine Frauenquote brauchen, um eine angestrebte Position zu erklimmen, sondern die sagt: „Nur die Leistung muss zählen.“ Recht so!

Kira Sophie Lein begann nach dem Abitur am Gymnasium Philippinum Weilburg ein Studium im Wirtschaftsingenieurwesen (Kombination aus Betriebswirtschaftslehre und Maschinenbau) an der THM Friedberg. Den Bachelor hat sie schon in der Tasche, „jetzt will ich auch noch den Master“, sagt sie. Sie ist ehrgeizig.

Ihr „Standing“ innerhalb der - man verzeihe den etwas altmodischen Ausdruck - „Schiedsrichter-Zunft“ hat sie sich erarbeitet. Ihr nächstes Ziel: der Sprung in die Kreisoberliga - der Männer, versteht sich. Sie ist das weibliche Aushängeschild der Limburg-Weilburger Unparteiischen.

Die Dietenhausenerin, die für ihren TSV pfeift, hat sich seit Kindesbeinen wie selbstverständlich auf „Männer-Pfaden“ bewegt. Für den TSV Dietenhausen kickte sie gemeinsam mit den Buben in den jüngsten Junioren-Klassen, ehe sie als B-Juniorin den Sprung zum FSV Hessen-Wetzlar schaffte. Dort spielte sie ein Jahr lang in der Juniorinnen-Bundesliga. Dann aber wurde Kira Sophie Lein krank, und das Abitur bremste ihre sportlichen Aktivitäten zunehmend aus. Als ihr Verein dringend Schiedsrichter suchte, um das berühmte „Soll“ zu erfüllen, meldete sich die damals 18-Jährige zum Neulingslehrgang im benachbarten Hochtaunuskreis in Bad Homburg an. Die Prüfung war kein Problem für sie. „So lernte ich auch mal die andere Seite auf dem Fußballplatz kennen und konnte zudem auch noch meinen Verein unterstützen“, erklärt die Studentin ihre Beweggründe.

Das Schiedsrichter-Fieber hat sie schnell gepackt. Jetzt ging alles ganz schnell. Vier Wochen nach der Schiedsrichter-Prüfung wurde ihr der routinierte Wolfgang Sontowski als „Pate“ zugewiesen. Der Thalheimer begleitete Kira Sophie Lein zu den Spielen, erklärte ihr, wie man einen elektronischen Spielbericht ausfüllt, beriet sie in der Halbzeit und gab ihr nach Spielschluss ein Feedback und ganz viele Tipps. Das hat ihr sehr geholfen, sagt sie heute. Auch von der Schiedsrichtervereinigung unter der Leitung von Obmann Ralf Schuchardt fühlt sie sich bestens gefördert und aufgehoben.

„Man fällt noch immer sehr auf - leider“

„Dumm angemacht“ worden sei sie bislang nicht. „Wenn ich zu einem Spiel der Männer komme, ist das für die Spieler meistens sehr ungewohnt. Man fällt als Schiedsrichterin halt immer noch sehr auf - leider“, sagt sie, „aber das legt sich meistens nach ein paar Minuten.“ Natürlich sei beim jeweiligen Verlierer die Enttäuschung meistens sehr groß und naheliegenderweise müsse dann meistens der Schiedsrichter als „Übeltäter“ herhalten. „Aber ich ernte auch sehr oft lobende Worte“, sagt Kira Sophie Lein. „Den Spruch: ,Die Schiedsrichterin war der beste Mann auf dem Platz‘, habe ich schon häufig gehört“, schmunzelt sie.

Bei den Leistungsprüfungen auf Kreisebene muss die Dietenhausenerin, die inzwischen beim TSV Klein-Linden in der Frauen-Verbandsliga kickt, dieselben Werte erzielen wie die Männer. Für Kira Sophie Lein kein Problem, sie ist durchtrainiert und schafft das locker. „Meistens sind es aber die Männer, die sagen, dass das eigentlich unfair sei“, berichtet die junge Schiedsrichterin aus ihrer Erfahrung. Auf regionaler Ebene werden die Anforderungen an die Schiedsrichter/innen für Männer und Frauen getrennt ausgewiesen.

Haben die Schiedsrichterei und die dauernde Auseinandersetzung mit ehrgeizigen, motivierten Fußballern Kira Sophie Lein verändert? „Früher war ich viel schüchterner“, sagt sie. „Wenn man sich unter Männern bewegt, muss man aber selbstbewusst sein.“ Allerdings pfeife sie eigentlich lieber Spiele der Frauen. Dort hat sie es bereits bis in die Verbandsliga gebracht, und in der Regionalliga ist sie ab und an als Assistentin im Gespann an der Seitenlinie zu finden. Bei den Männern pfeift sie meist Spiele im Austausch mit dem Hochtaunuskreis.

Kreisschiedsrichterobmann Ralf Schuchardt sieht in Kira Sophie Lein großes Potenzial und will sie mit aller Kraft fördern und unterstützen: „Ich lege Hoffnung darauf, dass Kira Sophie den Sprung nach oben schaffen kann.“ MARION MORELLO

Am 11. März erfolgt die Wahl des DFB-Präsidenten - Vier Fragen an Kira Sophie Lein

Im vergangenen Jahr haben neun Frauen um Nationaltorhüterin Almuth Schult die Initiative „Fußball kann mehr“ gegründet. Sie setzt sich unter anderem für Geschlechtergerechtigkeit und eine Frauenquote von 30 Prozent für die Führungsebenen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und seinen Verbänden sowie in den Proficlubs ein. Warum braucht es diese Frauenquote?

Meiner Meinung nach braucht es keine Frauenquote. Unabhängig vom Geschlecht sollte jede Position mit der für diese Aufgabe qualifiziertesten Person besetzt werden.

Aus Ihrer eigenen Erfahrung heraus: Was muss sich im DFB ändern, damit sich mehr Frauen an der Basis und in Führungspositionen engagieren?

Ich kenne Frauen, die sich im DFB engagieren - und das mit Leib und Seele. Ich sehe keinen Grund, warum sich Frauen nicht genauso engagieren können wie Männer. Generell denke ich, dass jeder die gleiche Chance haben sollte, unabhängig vom Geschlecht.

Waren Sie enttäuscht, als Sie gehört haben, dass aller Voraussicht nach doch wieder nur zwei Männer für das Amt des DFB-Präsidenten zur Wahl stehen und keine Frau?

Nein. Grundsätzlich ist es mir egal, ob der Präsident männlich oder weiblich ist. Ich hoffe natürlich, dass der Frauenfußball (gleichberechtigt) gefördert und weiterentwickelt wird.

Wenn Sie sich eine Präsidentin wünschen könnten, wer wäre es, oder was muss diese Frau können?

In erster Linie muss sie sich das selbst zutrauen und für diese Funktion qualifiziert sein. Genauso, wie die männlichen Bewerber.

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