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Bad Homburg Sentinels: Warum der Club bei Teenagern so angesagt ist

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Von: Thorsten Remsperger

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Die U19-Spieler feiern einen Sieg. Auf das Wir-Gefühl kommt es den Bad Homburg Sentinels in der Jugendarbeit an.
Die U19-Spieler feiern einen Sieg. Auf das Wir-Gefühl kommt es den Bad Homburg Sentinels in der Jugendarbeit an. © Dmitrij Zibart

Die Sentinels melden ihre U19 erstmals für die Bundesliga. Dafür benötigte der aufstrebende Club aus dem Taunus zwei Anläufe.

Bad Homburg – Am Ende lieferte der Super Bowl wieder das beste Beispiel für den Zauber, der über dem American Football liegt. Wer sollte denn nun der Most Valuable Player (MVP) des Finales in der National Football League (NFL) sein? War es Passempfänger Cooper Kubb, der den Ball zum letzten Touchdown der Los Angeles Rams gefangen hatte? War es Matthew Stafford, der Quarterback, der nach Höhen und Tiefen einen phänomenalen letzten Drive über das halbe Feld gespielt hatte? Oder war es doch Aaron Donald, der Defensivspieler, der Cincinnatis Quarterback Joe Burrow mehrmals mit Hilfe seines wuchtigen Körpers gestoppt hatte. Es wurde Kubb, aber der größte Gewinner waren doch nicht er oder die Rams, sondern ihr Sport.

Bis zu 46 Spieler dürfen in einem Spiel pro Team zum Einsatz kommen. Jeweils elf Akteure wechseln sich in Offensiv- und Defensiv-Formation permanent ab. Dazu kommen die sogenannten Special Teams mit Kicker und Punter. Jeder hat seine Aufgabe, auf jeden kommt es an. So personalintensiv ist keine andere Mannschaftssportart.

Markus Laumann: „Football ist der beste Teamsport. Jeder kann ihn spielen.“

Man könnte es aber auch aus dem Blickwinkel von Markus Laumann sehen: „Football ist für mich der beste Teamsport. Jeder kann ihn spielen.“ Und diejenigen, die woanders als zu klein, zu dick oder zu langsam gelten, „die werden bei uns manchmal zum Helden“, sagt Laumann.

„Bei uns“, das ist das U19-Team der Bad Homburg Sentinels, das vom 49-Jährigen federführend trainiert wird. Laumann bereitet mit einem zehnköpfigen Trainerstab den Nachwuchs der „Wächter“ auf eine Premieren-Saison vor. Am 30. April oder 1. Mai wird das Team bei den Darmstadt Diamonds antreten – und damit sein erstes Pflichtspiel in der GFL Juniors absolvieren, der 1. Bundesliga für Jugendmannschaften. Die Sentinels wurden jüngst in die Gruppe Mitte mit Darmstadt, den Wiesbaden Phantoms, den Mainz Golden Eagles und den Saarland Hurricanes eingeordnet, nachdem der erste Antrag zur Ligaaufnahme vom American Football Verband Deutschland (AFVD) abgelehnt worden war.

Sentinels: Vier eigene Talente im Kader des GFL2-Teams

„Für uns als Verein ist das ein extrem wichtiger Schritt“, sagt Maximilian Schwarz (26), früher ein Passempfänger (Wide Receiver), heute Club-Präsident und Trainer der Zweitliga-Männer. „Es ist so viel Potenzial da. Das können die Jungs am besten abrufen, wenn sie sich mit den Besten messen, also so hoch wie möglich spielen können.“

Bis dato ist die Quote an eigenen Talenten im GFL2-Kader der Sentinels überschaubar. Ben Zickler (Wide Receiver) Fabian Top (Defensive Line) sind zu den Männern aufgerückt, Quarterback Leon Reitz und Cem Aksu (Tight End) haben dort „Stallgeruch“. Nach dieser Saison wird jedoch für ein gutes Dutzend U19-Spieler die Jugendzeit enden. . .

Sentinels: Die besondere Football-Philosophie

Im Idealfall verstärken die Talente die eigene Männermannschaft. Wenn nicht: Auch nicht schlimm! Denkt und sagt Markus Laumann. Dann habe man eben gut ausgebildete Spieler in die Football-Welt entlassen. „Spieler, die bei uns Spaß haben, die den Sport verstehen.“ Darauf komme es an. Kein militärischer Drill auf dem Trainingsplatz. Spieler und Trainer, die auf einer Wellenlänge funken. Das gehöre zur Football-Philosophie in Bad Homburg.

Und die hat sich beim Nachwuchs und deren Eltern weit über die Grenzen der Kurstadt hinaus herumgesprochen. „Wir werben keine Spieler ab.“ Laumann (49), in seiner Karriere Tight End und Defensive Tackle bei den Rüsselsheim Crusaders und seit 2004 in Bad Homburg lebend, fühlt sich genötigt, das zu betonen. Denn die Erfolge der Bad Homburger Jugendarbeit rufen anderswo nicht nur Beifall und Respekt, sondern auch Neid und Missgunst hervor.

Sentinels: In der Landesliga gab es keine Konkurrenz mehr

Auf dem niedrigeren Leistungslevel waren den Bad Homburgern schlichtweg die Gegner ausgegangen. 2021 war die U19 notgedrungen noch mit einem Neuner-Team angetreten. Für Elfer-Tacklefootball hatte in Hessen unterhalb der GFL Junior sonst kein Verein gemeldet. Aber auch die Neuner-Landesliga wurde zu einer einseitigen Angelegenheit.

„Corona hat bei den Vereinen teilweise zu einem großen Aderlass geführt“, bedauert Markus Laumann. Die Mindestanzahl an 15 Spielern habe mancher Gegner geradeso erfüllen können. Zum Finale traten die dafür eigentlich qualifizierten Marburg Mercenaries gar nicht erst an.

Eigentlich ist zum Aufstieg in die GFL Junior aber nur der Meister einer Elfer-Regionalliga berechtigt. Deshalb hatte der AFVD im Herbst den Sentinels-Antrag abgelehnt. Der Verein konnte AFVD-Sportdirektor Florian Langer aber glaubwürdig versichern, dass die U19 der Sentinels in der höchsten Spielklasse am besten aufgehoben wäre. „Lieber Letzter in der GFL Junior als jedes Mal 60:0 gewinnen und nicht gefordert werden“, sagt Laumann.

Sentinels: Auch Julia und Jule trainieren mit

Das Gemeinschaftsgefühl soll auch weiterhin an erster Stelle stehen. Jeder bekäme seine Chance. Auch die zehn bis 15 neuen Spieler, die sich während der NFL-Playoffs im Training vorgestellt hätten. Geübt wird montagabends (in Nieder-Erlenbach) und donnerstagabends (im Sportzentrum Nord-West) gemeinsam mit der ebenfalls erfolgreichen U16. Ab März hofft der Verein, wieder die Sportanlage in Ober-Eschbach nutzen zu können.

Bei so einer Trainingseinheit kommen schnell 50 oder 60 Jugendspieler zusammen, die dank der Vielzahl an Trainern in verschiedenen Gruppen gefördert werden können. Auch Julia Schneider und Jule Leonhardt gehören weiterhin dazu. Die beiden Mädchen sind inzwischen 16 Jahre alt und dürfen in Spielen der Jungs laut Statuten nicht mehr zum Einsatz kommen. Sie fühlen sich jedoch weiterhin als Teil des Teams. Dann wird halt nur noch trainiert.

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