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Dieter Metz auf dem Gipfel des Kilimandscharo.

Extremsport

Dieter Metz: Wenn der Kilimandscharo ruft

Dieter Metz, früherer Hawaii- „Ironman“ der Triathlon Equipe Elz und heute Extremsportler, hat ein neues Abenteuer erlebt: Der gebürtige Hadamarer hat an der „Kilimandscharo Summit Challenge“ in Afrika teilgenommen. Den Lesern der Nassauischen Neuen Presse erzählt er seine Geschichte.

Im Herbst 2018 wurde ich auf die „Kilimandscharo Summit Challenge“ aufmerksam. Da der weiße Berg mit knapp 6000 Metern schon immer auf meiner Wunschliste stand, wählte ich den passenden Termin. Ab Mitte Januar schlief ich zur Vermeidung der Höhenkrankheit fünf Tage pro Woche mit dem Kopf unter einem Zelt, in das ein 30 kg schwerer Kompressor sauerstoffreduzierte Luft einblies. Im Hotel in Moshi verbrachte ich dann die letzte Nacht im Bett. 

Tag 1: Auf dem Markt in Moshi Proviant für 6 sechs Tage einkaufen. Mit einem Kleinbus starten wir – Koordinator Elias und ich – Richtung Umbwe Gate. Die komplette Crew: Veranstalter Rainer, Teamleiter Elias, zwei Guides, sieben Träger und ich. Da die Umbwe Route nicht häufig begangen wird, machten wir uns als einziges Team am Eingang zum Nationalpark in Ruhe fertig für die erste Etappe von 1800 Metern zum Umbwe Cave Camp auf 2900 Metern. Jeder Porter trug maximal 20 kg. Bei mehr als 30 Grad Celcius ging es los. Mein Guide war Eric. Ich bretterte vorneweg durch den Urwald zum Umbwe Cave Camp, das ich nach 1:45 Stunden erreichte. Getreu dem Motto „train high, sleep low“ machten wir uns an den weiteren Aufstieg in Richtung Camp Barranco. Eric drehte nach kurzer Zeit wortlos um. Ich stieg alleine weiter durch traumhafte Urwaldlandschaften. Irgendwann kam das Barranco Camp in Sichtweite – mit mindestens 100 Zelten nicht sehr einladend; so war ich froh, zurück zur Umbwe Cave zu dürfen. Nach 3:15 Stunden für die 10 km zwischen 2900 und 4000 Höhenmetern war ich zurück und ging in die erste Nacht im Zwei-Mann-Zelt mit Einzelbelegung. 

Tag 2: Nach schlafloser Nacht gab es zum Frühstück Porridge (nix für mich) und Pancakes (lecker) sowie Eieromlette. Der Kilimandscharo war klar zu sehen, die Vorfreude stieg. Vom Barranco Camp aus, machten wir noch eine Akklimatisierungstour und stiegen vom Camp in 4000 Metern weiter auf. Eigentlich wollten wir bis zum Lava Tower – einem riesigen Fels auf 4600 Metern – aber bei 4500 Metern fing es an zu graupeln, und wir drehten um. Eigentlich war an Tag drei eine Akklimatisierungstour auf 5000 Meter geplant, Ruhe an Tag vier und an Tag fünf der Gipfel über die Western Breach. Das Problem: Keiner konnte den Aufstieg über die Western Breach einschätzen. Es handelt sich um eine Geröll- und Felswand von knapp 1000 Höhenmetern.

Tag 3: Keine Wolke am Himmel, und so gab ich beim Frühstück um 6.30 Uhr die Planänderung bekannt: „Wir versuchen heute den Gipfel über die Western Breach. Wenn wir scheitern, können wir es übermorgen über die Normalroute nochmal versuchen.“ Wir stiegen vom Lager auf knapp 4000 Meter bis zum Wandeinstieg in 4800 Metern in 1:25 Stunden zügig auf. Das Wetter war traumhaft, die Ausblicke Wahnsinn. Die Herausforderung begann. Während es sich bis hierhin auf der Umbwe Route um Bergwandern mit vereinzelten Kletterpassagen handelte, sah ich mich nun eher mit Bergsteigen konfrontiert. Die Wand war technisch so schwer, dass Umdrehen keine Option war. Ab 5200 Metern wurde auch die Höhe deutlich spürbar. Zwischen 5500 und dem Wandausstieg in 5700 Metern mussten wir alles geben. Alle paar Meter kurze Kletterpause zum Luftholen, mir war von der Höhe leicht schwindelig. So musste ich mich auf jeden Griff und Tritt voll konzentrieren. Nach 2,5 Stunden stiegen wir überglücklich aus der Wand – das war noch einmal gutgegangen. Wir mussten nun entlang des Furtwängler Gletschers eine Ebene queren; es blies uns ein eisiger Wind ins Gesicht. Die letzten 200 Höhenmeter – auf einem 50 Prozent steilen Schneefeld. Dann brachen wir bei jedem Schritt bis zur Hüfte ein. Keine Chance, hier hochzukommen. Wir nahmen die letzten 200 Höhenmeter auf der Normalroute schneefrei bis zum Gipfel. Nach knapp fünf Stunden standen wir überglücklich auf 5895 Metern alleine am Gipfelschild. Der Abstieg verlief problemlos. Zur Belohnung gab’s für mich das einzige mitgebrachte Bier, Marke „Kilimanjaro“.

Tag 4: Gemütlich ab zum Karanga Camp. Es war ein riesen Spektakel, als alle Teams und mindestens 100 Porter gleichzeitig wie zu einem Rennen auf die 200 Meter hohe Felswand zuliefen und dann in diese einstiegen. Oben angekommen, hatte sich die Schlange dann sortiert. Im Camp verleitete mich die ungewohnte „Freizeit“ zu einem kleinen Mißgeschick. Durchs Lager schlendernd erblickte ich die Waage für die Last der Träger. „Da kann man sich ja mal dranhängen“, war mein Gedanke. Die lediglich mit einer Kordel befestigte Waage riss ab – Rippenprellung.

Tag 5: Start mit Eric bei knapp unter Null Grad auf die Machame Route. Um ins Barafu Camp zu gelangen, benötigten wir 55 Minuten. Auf 4600 Metern ging es auf der Direttisima zum Stella Point auf 5700 Metern. Der Aufstieg fiel mir extrem schwer, da sehr steil und in tiefem Lavasand. Gefühlte Schrittlänge: 20 Zentimeter. Einige Touries kamen uns mit starrem Blick und auf beiden Seiten von Guides gestützt entgegen. Objektiv waren wir gar nicht so langsam. Bei Stella angekommen, war es auch dann fast geschafft, allerdings hatte sich der Wind auf dem Kamm zu Sturmstärke aufgebaut. Die letzten 200 Höhenmeter zum Gipfel kannten wir schon. Insgesamt hatten wir für die knapp 2000 Höhenmeter genau 3:31 Stunden gebraucht. Zügig ging’s zurück nach Stella Point. Der Spaßteil des Tages: ein Gefälle von 30 bis 40 Prozent auf Lavasand. In der Falllinie „surften“ wir rutschend den Hang hinunter – zwischendurch immer wieder laut vor Freude jubelnd. Noch gut 10 km auf der Marangu Route, die wir anfangs über eine riesige Hochebene mit Blick auf den Mawenzi Berg abwechselnd joggend und wandernd hinter uns brachten. Nach 6:30 Stunden kamen wir rechtzeitig zur Tea Time im Camp auf 3800 Metern an.  

Tag 6: Der finale Abstieg zum Marangu Gate verlief unspektakulär. Eric und ich trafen nach 3:30 Stunden am Gate ein. Hier gab es glücklicherweise ein Biergeschäft, und so setzten wir uns bei einsetzendem Gewitter vor das Kiosk, und ich genehmigte mir ein paar Finisher Bier. Am Pool ließ ich die sechs Tage Revue passieren. Grenzerfahrung – und ein unvergessliches Erlebnis!

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