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Wenigstens der Vorstand und das Team rund um die Mannschaft stehen beim Abschlusstraining Spalier.

Eishockey-Regionalliga West

EG Diez-Limburg: Dem Schock folgt die Vision

Abrupt und ausgerechnet vor der lukrativen Finalrunde wurde die Saison in der Eishockey-Regionalliga West beendet. Wie geht es weiter mit der EG Diez-Limburg. Trainer Frank Petrozza jedenfalls verlässt das Team.

Schaulaufen ohne Fans: Im internen Kreis haben Spieler, Trainer, Verantwortliche und Familien nach dem letzten Training vor der Corona-Pause Saisonabschluss gefeiert.foto: nicole baas Diez - Der Sekt ist nicht getrocknet, er wurde nie verschüttet. Die Homepage der EG Diez-Limburg ist nicht aktualisiert - statt einem erhofften "Regionalliga-Meister 2019/20" wird dort irgendwann "2019/20 - die Corona-Saison" stehen. Eishockey spielt dieser Tage keine Rolle. Zumindest nicht im öffentlichen Leben. Solidarität ist das Wort dieses Frühjahrs. Aber es wird eine Zeit nach Corona geben. Weichen stellen kann man auch aus dem Home Office.

Bei der EG Diez-Limburg haben sie sich vor der Kontaktsperre aus der Saison verabschiedet. Nicht mit einem packenden Finale, sondern mit einem letzten gemeinsamen Training. Es wurde viel gelacht, es gab Bier, Trikots, Fotos. Und viele wehmütige Blicke ins weite Rund. Sie haben irgendwie zu Ende gebracht, was so ganz anders hatte enden sollen. Selbst eine Final-Niederlage hätte sich besser angefühlt als ein Abschlusstraining ohne sportlichen Wert. Der Sport braucht Sieger, Emotionen, blutige Nasen und verschüttetes Bier auf verschwitzten Trikots.

"Wir haben viel Geld verloren", sagt Willi Lotz, der dieser Tage nicht nur als Firmenchef gefordert ist. "Es gibt keinen Grund, sich aufgrund der finanziellen Ausfälle am Saisonende über den Fortbestand unserer ,Rockets' Sorgen zu machen", sagt das Vorstandsmitglied. "Aber wir haben nicht nur die beste Zeit der Saison, sondern mit Abstand auch die lukrativste verloren." In Diez und Limburg kämpfen sie mit viel Einsatz und Herz darum, den Eishockeysport wieder als Sport-Event in der Region zu etablieren. Events waren bisher aber meist nur die Derbys - oder eben Finalspiele. In diesem Jahr hätte es beides in einer Serie gegeben - doch dann kam Corona. "Das hat in vielerlei Hinsicht wehgetan. Auch den anderen Vorstandsmitgliedern, ehrenamtlichen Helfern, dem Trainer, der Mannschaft und natürlich vor allem unseren Fans", sagt Lotz. "Dieses Frühjahr 2020 bleibt für uns alle unwirklich. Wir haben eine Herausforderung zu meistern, die wir nur gemeinsam stemmen können. Und trotzdem gehört Eishockey zu unserem Leben einfach dazu. Wir müssen jetzt nach vorne blicken und weitermachen."

Wie die Liga in der neuen Saison aussehen könnte, darüber wurde schon einige Male gesprochen - unter anderem auf Tagungen des Verbands mit den Vereinen. Die jüngste Sitzung fand nicht mehr statt. "Wir wünschen uns eine attraktive Liga und sind in viele Richtungen offen. Wir wollen aber auch keinen Weg gehen, der uns als Verein gefährden könnte. Wir brauchen bei aller Lust auf tolles Eishockey den Blick für das große Ganze." Mut machte dieser Tage eine Podcast-Folge von "Shorthanded News"; zu Gast war DEB-Vizepräsident Marc Hindelang. "Wenn wir in der Oberliga Nord eine Lösung finden, bei der wir die Teams der Regionalliga West mit einbinden können, würde ich das sehr begrüßen." Hindelang spricht da im Speziellen von einigen "herrenlosen" Vereinen. Er meint damit die ambitionierten Teams aus Herford, Hamm, Neuwied und Diez-Limburg, die allesamt auf der Suche sind nach der richtigen Lösung für ihre Ambitionen.

Regionalliga West mit Leistungsgefälle?

Eine Regionalliga West in der Form der vergangenen Saison mit nur sieben Teams und einem großen Leistungsgefälle? Das wünscht sich keiner. Ein finanzielles Risiko, in dem alle blind in die Oberliga marschieren (wenn sie denn dürften)? Das will auch keiner.

Ein vieldiskutierter Vorschlag aus der Hammer Fanszene findet sich auch in den Gedankenspielen von Marc Hindelang wieder: Eine Oberliga Nord, in der neben den bisherigen Teams auch die vier Regionalligisten mit dabei sein könnten. Die Idee: den Norden in zwei regionale Gruppen unterteilen (im Westen und im echten Norden). Regionale Vorrunde, danach Verzahnung. "Vielleicht käme das auch manchem Verein aus der Oberliga Nord ganz gelegen nach dem Wegfall der Play-offs und den damit verbundenen finanziellen Verlusten", sagt Hindelang. "Es ist eine Anfangsidee. Und für mich die beste Lösung."

Bei der EG Diez-Limburg finden sie diesen Ansatz sympathisch. Es ist ein Lichtblick in diesen schwierigen Zeiten. Es könnte eine finanziell und vom Aufwand her stemmbare Lösung sein. Es wäre attraktiv. Es wäre noch immer ein Abenteuer. Aber es wäre kalkulierbarer. Und allemal eine bessere Lösung als eine Liga mit sechs, sieben Teams und am Ende acht bis zehn Partien gegen die gleichen Gegner. Das könnten sich die EGDL-Verantwortlichen vorstellen. Und die anderen? Das sind nicht nur die ambitionierten Regionalligisten. Es wären vor allem auch die etablierten Oberligisten aus dem Norden. Die müssten schließlich einverstanden sein damit, dass ein paar neue "Untermieter" einziehen. red

Nur die Krönung hat bei den "Rockets" gefehlt Es fehlt die Krönung, aber nicht die Dankbarkeit für das, was man gemeinsam erlebt hat: Frank Petrozza war mit einem klaren Ziel zu den "Rockets" gekommen: die Meisterschaft in der Regionalliga West gewinnen. Dass der finale Schritt der EG Diez-Limburg verwehrt blieb, lag an Corona. Schmerzhaft, aber das ist die Geschichte des Frühjahrs 2020. Beide Seiten sind dennoch stolz auf das, was sie gemeinsam geschafft haben - auch wenn sich die Wege nun trennen. "Ich möchte mich ganz herzlich bei allen in Diez-Limburg für eine tolle Saison bedanken", sagt der Trainer. "Vorstand, Mannschaft, Fans - alle haben ihren Anteil daran, dass wir bis zum Corona-Ende eine tolle Saison in der Regionalliga erlebt haben. Alle haben ihren Anteil daran, dass ich trotz des traurigen Endes immer positiv und glücklich auf meine Zeit bei den ,Rockets' zurückblicken werde." Für das gemeinsame Ziel hatte Petrozza einen zeitlich hohen Aufwand in Kauf genommen. Aus persönlichen Gründen hat er sich nun dazu entschieden, seinen Trainerstuhl zu räumen. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Diez-Limburg ist ein toller Verein mit Perspektive. Ich bin mir sicher, die ,Rockets' werden ihren Weg gehen."

Dankbar zeigt sich auch der EGDL-Vorstand um Willi Lotz: "Wir haben eine tolle gemeinsame Zeit erlebt. Für uns war Frankys Rückkehr an die alte Wirkungsstätte eine schöne Wertschätzung. Den eingeschlagenen Weg werden wir nun weiter fortsetzen und dabei auch in der neuen Saison die Weiterentwicklung des Vereins vorantreiben." red

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