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Zweikämpfe wie diesen wird es für Sascha Merfels (rechts, im Duell mit Dietkirchens Dennis Leukel) vorerst nicht geben: Der Verteidiger des FC Dorndorf plädiert für einen Saisonabbruch. 

Fußball im NNP-Land

Dirk Hannappel: Mit der Geduld am Ende

Seit dem 13. März steht der Spielbetrieb in Deutschlands Amateurfußball still, mindestens bis zum 3. Mai wird sich daran auch nichts ändern. Doch wie geht es mit der mittlerweile schon über einen Monat aufgrund der Corona-Krise unterbrochenen Fußballsaison weiter? Frank Illing, im Hessischen Fußball-Verband (HFV) Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung, bittet nun die Trainer aller Spielklassen mit einem persönlichen Rundschreiben um Geduld. "Bitte gebt uns die Zeit, die wir für eine rechtlich saubere Entscheidung brauchen", so sein Appell. Und der HFV steckt im Dilemma: Ein Abbruch der Saison ist in der Satzung nicht vorgesehen.

Die laufende Runde regulär zu beenden, ist für Frank Illing ohnehin die fairste und zugleich sportlichste Lösung. "Zwei Drittel der Saison sind bereits gespielt. Auf eine darauffolgende neue, vielleicht sogar verkürzte Saison können sich alle einstellen, so dass in dieser und der kommenden Runde ein regulärer Spielbetrieb stattgefunden hätte. Leider haben wir die dafür notwendige Zeitschiene nicht in der eigenen Hand", erklärt er.

Die Alternative eines Saisonabbruchs birgt, wie das HFV-Präsidiumsmitglied ausführt, die tausdendfach diskutierten offene Fragen: Wie ist die Saison hinsichtlich Auf- und Absteigern zu werten, wird sie ganz annulliert, oder zählt die Hinrunden-Tabelle? "Darüber hinaus müssen wir auch überregionale Spielklassen berücksichtigen. Wir streben daher eine bundesweite Lösung an", so Illing. Dass kurzfristig der Ball wieder rollen wird, bezweifelt er: "So lange täglich so viele Menschen in unserem Land am Coronavirus erkranken, ist an Fußball nicht zu denken." Nichtsdestotrotz hat auch Frank Illing registriert, dass die Forderungen nach einer schnellen Entscheidung, wie und ob es mit der aktuellen Runde weitergeht, immer lauter werden. Vereinsvertreter, Trainer und Spieler wünschen sich Planungssicherheit.

"Ich verstehe nicht, warum so lange gewartet wird. Meiner Meinung nach ist ein Abbruch der Saison inzwischen die sinnvollste Lösung", sagt beispielsweise Sascha Merfels, derzeit noch Spieler in Diensten des Gruppenligisten FC Dorndorf und ab der kommenden Spielzeit Trainer des A-Ligisten SG Heringen/Mensfelden. Dennoch hat der 33-Jährige Respekt vor den Entscheidungsträgern. "Ich selbst möchte diese Entscheidung nicht fällen. Aber bei einer Fortsetzung der Saison sehe ich ein zeitliches Problem." Dabei schielt Merfels bereits mit einem Auge auf seinen zukünftigen Club. "Ich bin froh, dass wir mit Heringen/Mensfelden alles frühzeitig geklärt haben", so der Innenverteidiger, der auch schon für den SV Rot-Weiß Hadamar und den TuS Dietkirchen die Fußballschuhe geschnürt hat. Dennoch habe er für die bereits fortgeschrittenen Planungen nun erschwerte Bedingungen. "Wir sind zwar schon recht weit, der Kader ist so gut wie fertig, der Vorbereitungsplan steht, der eine oder andere Neue ist allerdings noch in der Schwebe. Durch die aktuelle Situation ist es natürlich auch für Spieler schwierig, sich zu orientieren, zumal wir ja noch gar nicht wissen, wie es sich mit den Wechselfristen verhält."

Für den Fall einer Fortführung der Runde geht er davon aus, dass eine Pause zwischen den Spielzeiten dann nur sehr kurz ausfallen würde. "Das wäre für mich und für alle Trainer, die irgendwo neu anfangen, natürlich schwierig". Aber, das betont er, es ließe sich eben nicht ändern. "Diese Situation haben wir ja noch nie gehabt."

Eine grundlegend andere Meinung vertritt Dirk Hannappel, Trainer des Kreisoberligisten SC Offheim. "Die Spieler und ich haben den großen Wunsch, diese Saison fertig zu spielen. Gerade die Mannschaften, die in den derzeitigen Tabellen oben stehen, haben sich das verdient", sagt er. Außerdem gibt Hannappel zu, sich von der Politik und dem Verband in ihren bisherigen Entscheidungen mehr erhofft zu haben. "Ich bin sicher auch nicht für Geduld bekannt. Aber wir müssen da flexibler sein und schnell Lösungen finden", sagt der ehemalige Oberliga-Coach der Eisbachtaler Sportfreunde. "Sobald die Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden, sollten wir die Saison mit Doppelspieltagen zu Ende bringen. Ich brenne darauf, dass es endlich weitergeht", so der 52-Jährige. "Wir müssen dann alle Zuschauer anweisen, auf den Sportplätzen getrennt zu stehen." Von den Diskussionen um einen Abbruch hält Hannappel nichts. Vor allem, so lange nicht bekannt ist, wann eine neue Saison überhaupt starten könnte. "Wenn wir Erster wären und es zum Abbruch käme, hätte ich einen Hals."

In einem solchen Abbruch-Szenario, sei ja ohnehin noch offen, wie die Spielzeit schließlich gewertet werde. "Die ganze Lage ist natürlich schwierig und nicht zu ändern. Ich denke, wir sollten nicht die Flinte ins Korn werfen und möglichst schnell den Beschluss fassen, diese Saison sportlich zu beenden. Wenn wir dann den Juli noch durchspielen, ist das eben so", teilt Dirk Hannappel seine Gedanken mit. "Die Vereine wären froh, wenn es endlich weitergehen würde."

Auch zu einem drohenden Saisonabbruch bezog Frank Illing in seinem Rundschreiben, das allen im Hessischen Fußball-Verband organisierten Vereinen zuging, Stellung. "Unsere Verbandssatzung sieht einen hessenweiten Saisonabbruch gar nicht vor. Ein Abbruch durch das Präsidium oder den Verbandsvorstand bedeutet gleichzeitig, dass die Mitglieder dieser Gremien für den entstehenden finanziellen Schaden auch mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden können. Beispielsweise müsste dann der Fußballwart des jeweiligen Kreises mit seinem privaten Geld einstehen." Ein Dilemma. Illing erklärt: "Die Saison kann daher nur von einem außerordentlichen Verbandstag abgebrochen werden." Die Ladungsfrist für einen solchen beträgt mindestens vier Wochen. "Wir haben noch ein wenig Hoffnung, die Saison doch irgendwie fortführen zu können", erläutert Illing abschließend. fsch/yw

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