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Qemal Cano beim Training in der Sporthalle der Theodor-Heuss-Schule in Limburg.

Boxring Condor Limburg

Mit Disziplin auf den richtigen Weg

Der Boxring Condor Limburg bildet nicht nur erstklassige Athleten aus, sondern übernimmt zudem eine ungemein wichtige soziale Aufgabe.

Drei Boxringe sind in der Mitte der kleinen Sporthalle der Theodor-Heuss-Schule in Limburg aufgebaut. An den Seiten hängen fünf Boxsäcke. 30 Sportler von jung bis alt sprinten zum Aufwärmen durch die Halle. Die Instruktionen für die Sportler kommen von außen. Der Ton ist zuweilen rau, fordernd und enorm motivierend. Die Gruppe zieht ohne Murren mit. Egal, ob Frau oder Mann, jung oder alt, egal, welcher Herkunft die Sportler sind: Sie geben alles.

"Hier wird Integration vorgelebt", sagt Giuseppe Petronio, der beim Boxring Condor Limburg nicht nur das Amt des 1. Vorsitzenden bekleidet, sondern darüber hinaus seit 23 Jahren der leitende Trainer des Vereins ist. Doch damit nicht genug: "Man ist nicht nur Trainer. Man ist Papa, Mama, Zuhörer", so Petronio, der zudem als Sportwart des Boxsportverbandes Hessen fungiert. Der 46-Jährige, seit den 1980er Jahren die Seele des Limburger Boxsports, hat für vieles Verständnis. Nichtsdestotrotz gelten in seinem Training klare Regeln. "Disziplin und Pünktlichkeit sind mir sehr wichtig", sagt der B-Schein-Inhaber. "Ich bin pünktlich, das erwarte ich von denen auch", sagt er und zeigt auf seine Gruppe, die sich als völlig heterogen präsentiert, als Mischung aus Kämpfern, Hobby- und Freizeitboxern und Leuten, die sich einfach fit halten wollen. Und wer doch zu spät kommt? Der macht Liegestütze; pro Minute zehn Stück. Diskussionen gibt es nicht.

Unter den etwa 30 Sportlern, die den Weg in die Sporthalle gefunden haben, sind an diesem Abend nur zwei Frauen. "Wir haben hier Einheiten, da sind wir 40 Leute und die Hälfte davon sind Frauen", berichtet der ehemalige Mittelgewichtler. "Die Gruppe ist breit aufgestellt. Vom Hartz-4-Empfänger bis zu jemandem, bei dem die Eltern Millionen haben. Von zehn bis 60 Jahren ist hier alles dabei. Gerade dann ist gegenseitiger Respekt wichtig. Egal, welche Nationalität, Kultur oder Hautfarbe man hat."

Die wichtigste Regel erklärt Giuseppe Petronio: "In der Halle wird deutsch gesprochen. Daran hält sich jeder." Überhaupt begegnen sich die Boxschüler mit großem Respekt. Betritt jemand die Halle, werden alle per Handschlag begrüßt. Giuseppe Petronio wird von seinem Kämpfer Johann Schneider unterstützt, dem die Prüfung für den Trainerschein bevorsteht. "Bei dieser Anzahl von Leuten ist Hierarchie wichtig", erzählt Petronio. Alle ziehen mit, was der Trainer vorgibt, wird bestmöglich umgesetzt.

"Boxen prägt und ist Lebenseinstellung"

Gerade die Boxer, die für Condor Limburg auch im Wettkampf in den Ring steigen, trainieren zusätzlich mittwochs und freitags. "Die Kämpfer müssen natürlich auch selbst noch was machen. Boxen prägt und ist eine Lebenseinstellung", sagt Giuseppe Petronio. "Man muss seinen Alltag und vor allem seine Ernährung unterordnen und diszipliniert sein." Diese Hürde kennt auch der in Limburg geborene Qemal Cano. Der 18-Jährige mit kosovo-albanischen Wurzeln, der seit etwa acht Jahren bei Condor trainiert, erinnert sich an seine Anfänge: "In der Schule habe ich oft Mist gebaut und hatte Probleme. Ich habe mich häufig mit jemandem angelegt. Mein älterer Bruder hat mich dann gepackt und gesagt, ich solle zum Boxen gehen, damit ich nicht auf dumme Gedanken komme. Das hat ganz gut geklappt."

Mittlerweile absolviert Cano eine Ausbildung zum Industriemechaniker in Diez. "Ich habe damals viele grundsätzliche Dinge wie Motivation und Respekt mit in die Schule genommen. Ich hatte dann die Motivation, etwas zu lernen und gute Noten zu schreiben. Ich habe auch viel für das Arbeitsleben gelernt", so Qemal Cano. "Ich war aber auch oft so müde nach dem Training, ich hatte keine Chance mehr, Mist zu bauen", sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Das sei auch heute noch so. Oft sei er einfach zu erschöpft vom Training, so dass er abends lieber zu Hause bleibe, als noch einmal loszuziehen. "Das Boxen hat mich auf den geraden Weg gebracht. Ich kann es jedem nur empfehlen, denn man lernt viel fürs Leben. Disziplin, Respekt und Durchhaltevermögen, außerdem hält man sich fit."

Dass der 18-Jährige großes Talent hat, erkannte Giuseppe Petronio früh. "Das Wettkampftraining musste man sich verdienen. Ich durfte nach einem halben Jahr beim Wettkampfsparring mitmachen und habe mich ganz gut geschlagen. Dann durfte ich mitmachen", schildert Qemal Cano.

"Viele sind menschlich gewachsen"

Bevor er aber zum ersten Mal bei einem echten Kampf in den Ring stieg, sei es ihm mulmig zumute gewesen. "Das ist ein innerer Kampf. Man fragt sich natürlich, ob man wirklich bereit ist, in den Ring zu gehen. Man weiß, dass sich der Gegner bestens vorbereitet hat", kennt auch Trainer Petronio die Situation. "Ein Boxer muss wissen, was er kann. Das fördert auch das Selbstbewusstsein. Viele der Sportler, die hier trainieren, sind im Laufe der Zeit auch menschlich gewachsen. Vor allem können sie - wenn nötig - gezielt Aggressionen abbauen."

YANNICK WENIG

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