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Im Mittelpunkt des Geschehens: Momente wie diesen, als parierender Torwart der Usinger TSG, liebt Dominik Roos (2. von links).

Fußball, Usinger TSG

Dominik Roos: Schwere Zeiten für einen Fußballverrückten

  • vonGerhard Strohmann
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Schlussmann bei der Usinger TSG, Torwart-Koordinator im Jugend-Förderzentrum der TSG Wieseck: Eigentlich dreht sich im Leben von Dominik Roos vieles um Fußball. Corona stellt ihn vor eine harte Probe.

Da muss Franziska jetzt durch. Wenn ihr Freund Dominik schon nicht Fußball spielen darf, dann muss er es wenigstens schauen. Dabei hat Dominik Roos durchaus Mitleid mit seiner besseren Hälfte. „Zurzeit muss sie nämlich aushalten, dass ich mir sogar Spiele der Wolverhampton Wanderers in der Premier League angucke“, erzählt der 28-Jährige, der sonst wohl zu den meistbeschäftigten Amateurfußballern im Hochtaunus zählt.

Roos ist nicht nur Stammtorwart beim Gruppenligisten Usinger TSG, sondern er gehört auch zum Trainerstab des Jugend-Förderzentrums der TSG Wieseck, das bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genießt. Beim Kooperationspartner von Eintracht Frankfurt haben zahlreiche Profis einst ihre sportliche Ausbildung begonnen. Beispielsweise Luca Waldschmidt von Benfica Lissabon, der kürzlich das Siegtor beim 1:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien erzielte, oder Sonny Kittel, Spieler des Zweitliga-Spitzenreiters Hamburger SV. 

Auf die viele Freizeit, die für ihn seit dem zweiten Lockdown entstanden ist, könnte Dominik Roos gut und gerne verzichten. Der Fußball hat neben seiner Familie und seinem Beruf als Bürokaufmann für eine familienbetriebene Bäckerei stets einen Großteil seines Lebens bestimmt. Der Mann kann getrost als fußballverrückt bezeichnet werden.

Für den am 9. Februar 1992 in Bad Nauheim geborenen Keeper besitzt das Mannschaftsspiel mit der Kugel (früher aus Leder, seit 1986 zunehmend mehr und mehr vollsynthetisch) von Kindesbeinen an großen Stellenwert. „Im Familienkreis ist die Geschichte verbürgt, dass ,Ball‘ das erste Wort gewesen ist, das ich gesprochen habe“, erzählt er. Bereits mit vier Jahren kickte Roos folgerichtig beim SV Echzell auf allen möglichen Positionen, ehe er als B-Jugendlicher ins Tor gestellt wurde – und bis auf den heutigen Tag diese Position für ihn als ideal empfindet.

Erst Hessenauswahl, dann OFC

Zwischen den Pfosten machte er mit seiner Reaktionsschnelligkeit schnell auf sich aufmerksam und brachte es über die Kreis- und Bezirksauswahl bis in die von Trainer Volker Piekarski betreute Hessenauswahl. Auf Vereinsebene wechselte er als Nachwuchsspieler vom SV Echzell zum KSV Klein-Karben und von dort zu den Offenbacher Kickers.

Nach dem Ende der Jugendzeit führte der Weg zurück nach Echzell und über den FC Olympia Fauerbach im Juli vergangenen Jahres nach Usingen. „Marcel Kopp (früher Usingens Spielertrainer, Anm. d. Red.) hatte mich damals angesprochen und für die UTSG begeistert“, berichtet Roos. Nach 16 Monaten auf den Muckenäckern teilt Roos diese Begeisterung uneingeschränkt: „Ein top geführter Verein mit einer außergewöhnlich tollen Kameradschaft.“ Vor allem das Torwarttraining bei Kai Merkel hat er dort zu schätzen gelernt.

Eine solche Tätigkeit im Aktivenbereich könnte sich der 28-Jährige auch nach dem Ende seiner Laufbahn gut vorstellen („Spielertrainer eher nicht“). Seit März 2019 arbeitet er bereits bei der TSG Wieseck im Nachwuchsbereich mit, nachdem ihn Deniz Solmaz (sein ehemaliger Torwart-Trainer bei der Hessenauswahl) angesprochen hatte.

Seit Saisonbeginn ist Roos im Jugend-Förderzentrum des mittelhessischen Vereins nicht nur Coach für die Torhüter der Altersklassen U15 bis U19, sondern auch noch Torwartkoordinator mit der Verantwortung für alle Jugendlichen der TSG, die zwischen den Pfosten stehen. Bei Sven Hoffmeister, dem Chef-Torwarttrainer im Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten FSV Mainz 05, hat Roos in der HFV-Sportschule Grünberg seine Basis-Lizenz erworben. Als nächstes steht für ihn ein Lehrgang zum Erwerb der DFB-Lizenz auf seiner Agenda – sofern die Corona-Pandemie eine solche Ausbildung denn auch zulässt.

Alte Liebe zum VfB Stuttgart

Zurück zu seiner Freundin Franziska: Diese kann mit dem Faible ihres Freundes gut leben, denn sie kommt selbst aus einer fußballbegeisterten Familie. Auch die fünf Jahre jüngeren Zwillingsbrüder von Dominik Roos, Marvin und Pascal, sind dem runden Leder eng verbunden. Marvin hat es als Schiedsrichter mit seinen 23 Jahren bereits bis in die Verbandsliga geschafft und steht außerdem als Assistent in den Junioren-Bundesligen (U17, U19) an der Linie.

Für Dominik Roos, der sich – leider ohne Ball – jetzt individuell versucht, fit zu halten, waren die Besuche beim VfB Stuttgart Höhepunkte seines Fußballerlebens. Bei den Schwaben ist er sogar Mitglied, begeisterte sich schon früh für VfB-Spieler wie Elber, Balakov und Bobic. Mit der OFC-Jugend habe er auf einem Nebenplatz des Stuttgarter Stadions gespielt, auch mit der TSG Wieseck sei er schon dort gewesen.

Ein sportliches Vorbild hat der UTSG-Zerberus übrigens nicht. Auch nicht Rui Patricio. Der portugiesische Europameister von 2016 steht bei den Wolverhampton Wanderers zwischen den Pfosten. Denen würde Dominik Roos auch wieder zuschauen. Denn wenn es für den derzeit verhinderten Torwart einen Vorteil des zweiten Lockdowns gibt, ist es der Genuss von ausführlichen Fußball-Übertragungen aus den europäischen Profi-Ligen.

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