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Warten auf den Anpfiff des Kreisoberliga-Derbys gegen die SGK: DJK Bad Homburgs Trainer Stephan Bodenröder und Jürgen Bornschein.

TZ: Spiel der Woche

Die Doppelspitze auf der Bank bringt nur Vorteile

Insider der Fußball-Kreisoberliga schienen mit ihrer Prognose Recht zu behalten: Die Meisterschaft läuft heuer über die beiden Clubs vom Kirdorfer Wiesenborn.

Danach sah es auch bis vor wenigen Wochen aus. Inzwischen aber hat die SGK Bad Homburg abreißen lassen müssen und liegt fünf Punkte hinter dem Spitzenduo FSV Friedrichsdorf/FV Stierstadt. Lokalrivale DJK, mit dem man sich das Wiesenborn-Areal teilt und alternierend trainiert, ist gar auf Rang neun gerutscht.

Am morgigen Sonntag (15 Uhr) steigt das Duell DJK – SGK, unser „Spiel der Woche“. TZ-Mitarbeiter Wolfgang Bardong sprach mit dem einzigen Trainertandem der Liga, Stephan Bodenröder (50) und Jürgen Bornschein (53) von der DJK.

Hand aufs Herz, wer hat denn bei Ihnen nun mehr zu sagen?

STEPHAN BODENRÖDER: Niemand. Bei uns läuft alles halbe-halbe. Die komplette Gleichberechtigung. Wir sprechen alles gemeinsam ab.

JÜRGEN BORNSCHEIN: Wir befinden uns in ständigem Dialog, sprechen die Aufstellung ab, tauschen uns über jedes kleinste Detail aus.

Zwei also tatsächlich gleichberechtigte Trainer – worin sehen Sie den Vorteil des Tandems?

BODENRÖDER: Wir können zu zweit in kleinen Gruppen viel intensiver trainieren. Ein Beispiel: Einer von uns schnappt sich die Angriffsspieler, studiert Laufwege und Offensivverhalten mit ihnen. Der andere kümmert sich zeitgleich um die Defensivreihe, übt das verschieben innerhalb der Viererkette. Dadurch entstehen für beide Mannschaftsteile keinerlei Wartezeiten, weil alle 18 bis 22 Kaderspieler auf einmal beschäftigt sind.

Ist Ihnen denn schon ein Nachteil Ihrer beider Zusammenarbeit untergekommen?

BORNSCHEIN: Ganz und gar nicht. Man tauscht sich ja ständig aus, wägt gegenseitig die Einschätzungen über die Form der Spieler ab. Wir fragen uns dann gegenseitig: Wie hast du das beobachtet? Siehst du das wie ich? Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.

BODENRÖDER: Völlig konträrer Meinung waren wir eigentlich noch nie. Aber jeder nimmt etwas doch ein wenig anders wahr. Darin ergänzen wir uns ausgezeichnet.

Bodenröder/Bornschein – wie fanden Sie zwei eigentlich zusammen, als ehemalige Gegner als Trainersolisten?

BORNSCHEIN: Wir kennen uns seit der Jugendzeit, haben auf dem Platz unzählige Duelle ausgefochten. Aus den Augen haben wir uns über all die Jahre nie verloren. Na ja, und wenn die Wellenlänge eine gemeinsame ist, dann steht einer Zusammenarbeit nichts im Wege.

Und wer nimmt von Ihnen eigentlich die Aus- und Einwechslungen vor?

BORNSCHEIN: Wir stehen ja während einer Partie beide am Spielfeldrand. Da genügt dann ein kurzer Austausch, und schon wird dann einer von uns beiden aktiv.

Das derzeitige Abschneiden – Rang neun statt ein Spitzenplatz – kann Sie beide nicht happy stimmen, korrekt?

BODENRÖDER: Stimmt. Zufrieden sind wir nur bedingt. Krankheiten, der Job – immer wieder gab es Ausfälle. Zuletzt kam dann das bislang grausamste Spiel, das wir in dieser Saison abgeliefert haben, heraus: das 0:3 bei der SpVgg Bad Homburg.

Was hat Sie am meisten geärgert?

BORNSCHEIN: Dass die Mannschaft all das, auf das wir sie unter der Woche eingestellt hatten, nicht befolgt hat. Alle sollten in ständiger Bewegung sein – davon war jedoch rein gar nichts zu sehen. Dazu haben wir uns noch Abspielfehler ohne Ende geleistet. Es war schlimm.

BODENRÖDER: Statt laut zu werden, hat’s mir eher die Sprache verschlagen. Obendrein haben wir einen klaren Elfer nicht gekriegt.

Bekam das dann der Schiedsrichter zu spüren?

BORNSCHEIN: Klar flammt es bei uns draußen manchmal auf. Aber nein, wir sind keine Krakeeler. Wir sind zwei ganz normale Trainer.

Eben deshalb meine Nachfrage.

BORNSCHEIN: Was uns viel mehr beschäftigt, sind die zwei Gesichter, die unsere Mannschaft draufhat. Nach dem tollen Spiel im Kreispokal gegen Vatanspor (Anm. d. Red.: knappe 1:2-Niederlage) waren unsere Jungs gegen die Spielvereinigung dann nicht wiederzuerkennen.

BODENRÖDER: Wenn zwei wichtige Säulen unserer Mannschaft wie Mannschaftskapitän Celil Günay und Marvin Willenberg ausfallen, dann ist das für uns nur schwer zu kompensieren. Aber das 0:3 war dennoch nicht nötig.

Wird ihre Trainerkoalition eigentlich über das Saisonende hinaus bestehen bleiben?

BORNSCHEIN: Also ich fühle mich pudelwohl in diesem Tandem. Es gibt keinen Grund, das am Saisonende wieder aufzulösen und eigenständig zu arbeiten.

BODENRÖDER: Das sehe ich genauso.

Vor knapp zwei Jahren – es war der 4. Dezember 2014 – hatte die SGK die DJK in einem denkwürdigen Derby nach 0:3-Rückstand noch mit 4:3 besiegt. Aber weniger das Sportliche, vielmehr die Begleitumstände wie Tätlichkeiten, Jagdszenen nach dem Schlusspfiff und eine mehrmonatige Eiszeit zwischen beiden Vereinen, sind den heimischen Fans im Gedächtnis geblieben. Haben Sie Angst davor, dass das am Sonntag eine Rolle spielt?

BODENRÖDER: Ganz klare Antwort: nein. Das Umfeld hat sich bei beiden Vereinen gegenüber damals verändert, neue Personen sind dazugekommen, beide Seiten haben sich ausgiebig ausgesprochen. Wir erwarten daher am Sonntag einfach nur ein anspruchsvolles Derby – und mehr nicht.

Wohin geht die Reise der DJK? Wieder nach oben?

BODENRÖDER: Ich hoffe. Wir müssen uns aber derzeit eher umdrehen und nach hinten schauen.

BORNSCHEIN: Fragen Sie uns noch mal Mitte November. Dann können wir Ihnen mehr sagen.

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