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Am Anfang ihrer Länderspiel-Karriere. Die Itter-Zwillinge in der Saison 2014/15 am Rande eines Einsatzes für die U16 in Stuttgart.

Fußball, Hochtaunus

Doppeltes Pech für die Itter-Zwillinge

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Erstmals in ihrer vielversprechenden Karriere gehen Gian-Luca und Davide-Jerome Itter getrennte Wege. Derzeit verbindet die Zwillinge zu ihrem Leidwesen eine Verletzungspause. Der Zug für das U21-Nationalteam dürfte erst einmal abgefahren sein.

Das ist doppelt bitter: Wenn der SC Freiburg am Samstag um 15.30 Uhr gegen den FSV Mainz 05 sein erstes Spiel der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga bestreitet, sitzt Neuzugang Gian-Luca Itter nur auf der Tribüne. Damit nicht genug: Auch sein Zwillingsbruder Davide-Jerome hat bei den bisherigen vier Partien des VfL Wolfsburg II, Spitzenreiter der Regionalliga Nord, noch keine Minute auf dem Platz gestanden.

Dass einem Sprichwort zufolge geteiltes Leid nur halbes Leid ist, davon wollen die beiden aus dem Grävenwiesbacher Ortsteil Mönstadt stammenden Fußballprofis mit Sicherheit nichts wissen. Erstmals in ihrem Leben spielen sie – nach dem Wechsel von Gian-Luca zum SC Freiburg – bei verschiedenen Vereinen. Und erstmals haben sich beide in der Vorbereitungsphase so schwer verletzt, dass sie sich mit einer unerfreulichen Zuschauerrolle begnügen müssen.

Wie ist diese bittere Situation für die 20-jährigen Junioren-Nationalspieler aus dem Taunus entstanden? „In der Vorbereitung hat es Gian-Luca in der zweiten Trainingswoche erwischt. Bei einem Abwehrversuch ist er umgeknickt und die Auswertung der MRT-Untersuchung hat ein Knochenödem ergeben“, berichtet Papa Frank Itter. 14 Tage lang musste der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille des Deutschen Fußball-Bundes (2016) eine Schale tragen und hat in der vorletzten Woche unter Anleitung eines Physiotherapeuten wieder mit leichtem Lauftraining begonnen.

„Jetzt darf er sich nur nicht selbst zu sehr unter Druck setzen, sondern muss behutsam wieder ans Mannschaftstraining herangeführt werden“, lautet der väterliche Rat, der seinen Filius beim Club im Breisgau bestens aufgehoben weiß. „Gian-Luca hat sich dort nach seinem Wechsel von Wolfsburg super eingelebt und wieder engen Kontakt mit Luca Waldschmidt, den er noch aus gemeinsamen Zeiten bei Eintracht Frankfurt kennt.“ Itter (Marktwert laut der Internetplattform transfermarkt.de: 2 Millionen Euro) wohnt in Freiburg im selben Gebäudekomplex wie der Torschützenkönig der U-21-Europameisterschaft. Beide bilden oft eine Fahrgemeinschaft zum Training des SC. In der Länderspielstatistik von Gian-Luca Itter stehen 35 Einsätze, darunter sieben in der U20, für die er auch seinen bislang einzigen Treffer im Trikot mit dem Bundesadler erzielt hat.

Rund 550 Kilometer von Freiburg entfernt leidet sein Zwillingsbruder Davide-Jerome unter einem ähnlichen Fußballer-Schicksal. Er hatte mit der U23 des VfL Wolfsburg ganz souverän die Meisterschaft in der Regionalliga Nord gewonnen (in der Relegation um den Aufstieg in die 3. Liga sind die „Wölfe“ dann am FC Bayern München II knapp gescheitert) und war nach einem gemeinsamen Urlaub mit Gian-Luca und einigen Kumpels topfit ins Trainingslager gereist. Dort zog er sich jedoch eine Sprunggelenksverletzung zu, wobei die MRT noch einen Riss des Außenbandes ergab. Die bittere Konsequenz: Sportverbot. Erst am Freitag durfte Davide-Jerome wieder seine ersten Runden laufen.

„Er hat die Situation akzeptiert, die jeden Fußballer treffen kann und blickt zuversichtlich nach vorn“, sagt Papa Frank. Seitens des VfL wurde seinem ehrgeizigen Sohn in Aussicht gestellt, immer mal wieder am Training des Bundesliga-Kaders teilnehmen zu können. Davide-Jeromes Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2021. Im Frühjahr hatte es für ihn Anfragen von anderen Vereinen gegeben. In 23 Einsätzen in den Auswahlmannschaften des DFB (acht in der U16, acht in der U17, vier in der U19 sowie drei in der U20) hatte sich der zweite Itter-Bruder ebenfalls für eine Profikarriere empfohlen.

„Ab September stehen die ersten Maßnahmen des Deutschen Fußball-Bundes in der neuen Saison an, aber daran verschwenden wir keinen Gedanken, denn jetzt müssen die Jungs erst wieder fit werden“, sagt Vater Frank Itter. Das erste EM-Qualifikationsspiel für die neue U21 von Bundestrainer Stefan Kuntz ist am 10. September in Wrexham gegen Wales.

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