Kunstradfahren

Dornbirn war eine Reise wert

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Der Spanier beendete seine Premiere bei der Weltmeisterschaft im Kunstradfahren mit gemischten Gefühlen.

Der Sportler und Akrobat vom RV Höchst war für sein Vaterland Spanien im österreichischen Dornbirn zum ersten Mal überhaupt im 1er-Kunstrad-Wettkampf gestartet. „Ich hatte mir vorgenommen, meine persönliche Bestleistung zu überbieten, und das ist mir auch gelungen“, freute sich der Informatik-Doktorand (26).

„Andererseits habe ich bestimmt drei Plätze verschenkt, weil ich vor lauter Aufregung gegen Ende meines Programms beim Abstoppen von vorwärts nach rückwärts mit einem Fuß den Boden berührt habe.“ Dieser Leichtsinnsfehler bescherte Andrés Hecktor zwei Punkte Abzug. Weil die schwerste Übung, der „Kehrstandsteiger“, gut geklappt hatte und sonst nur beim „Lenkersitzsteiger rückwärts“ ein Sturz passiert war, überwog aber doch das positive Gefühl. „Ich habe einen Wert von 102,90 eingereicht und bin mit 87,44 Punkten ausgefahren.“ Dies bedeutete im Klassement einen Sprung von Rang 19 auf Platz 18.

Für das Finale konnte sich der Höchster so natürlich nicht qualifizieren. Lukas Kohl schaffte als Qualifikationssieger und späterer Weltmeister jeweils über 200 Punkte bei seinen 30 Übungen in fünf Minuten. Andrés Hecktor hatte Mitte des vergangenen Jahres bei einer Kunstrad-Veranstaltung auf Bezirksebene 85,07 Punkte als damalige Bestleistung geschafft. Dass er nun vor den drei WM-Kampfgerichten dem Druck standhielt und den Wert aus 2016 im höchsten aller Ernstfälle um zwei Punkte verbesserte, machte den Deutsch-Spanier stolz. Auch seine Mutter, durch die der Main-Taunus-Sportler als Fünfjähriger zum Kunstradfahren gekommen war, und sein spanisch-stämmiger Mentor José Arellano waren mehr als zufrieden mit Andrés Hecktors Leistung. „Ich habe sogar meinen Allzeit-Konkurrenten Kozuke Shibayama hinter mir gelassen“, berichtete der Triumphator. Mit dem Japaner liefert er sich schon seit Jahren auf Hessenmeisterschaften und anderen Wettkämpfen packende Platzierungs-Duelle.

Neben dem Kampf gegen sich selbst und dem Duell mit Dauerrivale Shibayama hatte der Höchster noch einen dritten Gegner. Sein etwa 2500 Euro teures Kunstrad hatte schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft mit einem Riss im Rahmen erhebliche Probleme gemacht. Nachdem er bereits mittwochs zur Vorbereitung in Dornbirn angekommen war, bemerkte er am Steuerkopf des Lenkers die nächste heftige Problematik. „Ich war bis zum Wettkampf am Samstag immer in Sorge, dass noch etwas Schlimmeres passiert“, berichtete Andrés Hecktor, „die Sache mit dem Lenker war zum Glück nicht entscheidend“.

Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang ihm am größten Tag seiner bisherigen Kunstrad-Karriere die richtige Konzentration. Da konnte auch der unnötige Punktabzug nichts am positiven Gesamteindruck ändern.

(awo)

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