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Die Spielerinnen lassen sich die gute Laune nicht verderben: So sind Lisa Lichtlein, Yvonne Petek, Greta Bucher und Celine Gehrke (v. l.) bei ihrem Hilferuf in den sozialen Medien abgebildet.

Handball, Hochtaunus

Drittligist TSG Ober-Eschbach in Not: Spielerinnen schlagen Alarm

Kaum Personal, kaum Helfer, kein Geld mehr da: Drittliga-Team der TSG Ober-Eschbach steht vor dem Aus.

Über einen langen Zeitraum wurde nun viel und vor allem kontrovers über die "Pirates" gesprochen. Jetzt meldeten sich die Handballerinnen der TSG Ober-Eschbach vor der nächsten Heimpartie gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden (Samstag, 19.30 Uhr) selbst zu Wort. In einem offenen Brief, der auf Facebook und Instagram veröffentlicht wurde, äußerte sich die Mannschaft zur aktuellen Situation um die Frauenabteilung der TSG Ober-Eschbach. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein Hilferuf.

Aus dem Schreiben geht hervor, dass das Team kurzzeitig vor dem Aus stand. Zu deprimierend sei das Training zu viert und ohne Torfrau gewesen, zu bitter die teils mehrstündigen Auswärtsfahrten in der 3. Liga, bei denen sich bereits auf der Anreise ein Gefühl der sportlichen Chancenlosigkeit einstellte. Die Hoffnung auf Besserung schwand. Die sofortige Abmeldung der Mannschaft stand intern zur Debatte.

Den genauen Zeitpunkt der Rückzugsgedanken verrät Kapitänin Lisa Lichtlein auf Nachfrage dieser Zeitung. Kurz nach dem Jahreswechsel sei das gewesen, als der in der Mannschaft hoch geschätzte Interimstrainer Hakim Mirkamali seinen Abschied verkündete. "Ich kann seine Entscheidung, sich verändern zu wollen, nachvollziehen, aber ohne Trainer wirkte die Situation für uns aussichtslos", erklärt Lichtlein. Intensiv hatte sie sich mit den verbliebenen Mitspielerinnen Andrea Mertens, Celine Gehrke, Greta Bucher, Rica Wäscher, Lena Rosenberg, Yvonne Petek, Franziska Chmurski und Gabriela Djini über das Für und Wider einer Abmeldung unterhalten. "Wir sind dann gemeinschaftlich zu dem Entschluss gekommen, dass wir es so und jetzt nicht enden lassen wollen", sagt Lichtlein. Dieser Entschluss ist den Spielerinnen hoch anzurechnen, bedenkt man die Begleitumstände.

Nach der langen, kräftezehrenden Vorsaison, die erst in der Abstiegsrunde mit dem Ligaverbleib zu einem versöhnlichen Ende kam, hatte man sich einen Neustart erhofft. Vor allem die Organisation rund um das Team herum sollte verbessert werden, die Abteilung neu strukturiert und wieder enger im Hauptverein verankert werden. Zunächst ließ sich das auch vielversprechend an: Neue Helfer und alte Bekannte schlossen sich den Pirates um "Retter" Christoph Pohl an, doch schnell wich die anfängliche Euphorie einer allgemeinen Ernüchterung.

Lichtlein räumt ein, dass vereinsintern Fehler begangen wurden. "Alle haben sich im Grunde um alles gekümmert, die Struktur hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt. Hinzu kam, dass wir aufgrund der kurzen Pause nur wenige Spielerinnen verpflichten konnten", sagt sie.

Stattdessen verkleinerte sich der Kader auf ein Minimum. Die Spielerinnen aus dem Ausland sind nicht mehr da. Zuletzt sei das ohnehin schmale Budget nochmals geschrumpft. Aufgrund "finanzieller Altlasten", sagt Geschäftsführer und Manager Pohl, dessen Mitstreiter Thomas Rösgen und Jürgen Preilowski sich zurückgezogen haben.

Die Spielerinnen seien bereit, auf zugesicherte Zahlungen - beispielsweise Fahrtkostenerstattungen - vorübergehend zu verzichten, so Pohl, voll des Lobes über sein Team. Es wolle trotzdem die Runde beenden und dabei ein bestmögliches Bild abgeben.

Für die letzten zehn Spiele, in denen Trainer Slobodan Jankovic das Team betreuen wird, geben die Pirates keine großen Ziele mehr aus. Nur zwei bescheidene Wünsche äußert Lichtlein im Namen der gesamten Mannschaft. "Wir verstehen uns intern super und wollen jetzt wieder Spaß am Handball haben", sagt die Spielführerin, "und wir hoffen auf Unterstützung von außen."

Vergangene Saison sei der Support trotz sportlicher Misere durch die vielen Zuschauer "richtig cool" gewesen, sagt Lichtlein. Zuletzt wurde es jedoch ruhig und überschaubar auf der Tribüne der Albin-Göhring-Halle. Das soll sich ändern, so die Hoffnung. Außerdem bitten die Pirates in ihrem offenen Brief um helfende Hände. "Auf unseren Post bei Facebook hin hat sich auch bereits jemand gemeldet, der bereit ist, bei Heimspielen auszuhelfen", berichtet Lichtlein. Für jede Form der Unterstützung - egal, ob an der Theke oder bei der Finanzierung von Auswärtsfahrten - sei man sehr dankbar.

Robin Kunze

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