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Er trägt seit dieser Saison die Binde: Niklas Rottenau übernimmt beim FC Eddersheim als Kapitän mehr Verantwortung.

Fußball

Edeltechniker Niklas Rottenau: Der Leader

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Als Rouven Leopold Niklas Rottenau vor der laufenden Saison 2017/18 zum Kapitän machte, staunten einige Leute im Umfeld des Fußball-Verbandsligisten FC Eddersheim nicht schlecht.

Nicht nur seine beiden Brüder Felix (Außenverteidiger) und Christian (Co-Trainer) sind um einiges erfahrener als der 24-jährige Edeltechniker. Mit Torwart Pero Miletic oder den Defensivstrategen Nicolai König, Umut Polat oder Patrick Hilser kamen zudem Hessenliga-erfahrene Routiniers an die Staustufe. Doch die sportlich Verantwortlichen entschieden sich für das Eddersheimer Eigengewächs, das über die Umwege Wehen-Wiesbaden II und SV Wiesbaden seit 2016 zurück beim FCE ist. „Sie haben mir gesagt, dass sie mir das Kapitänsamt zutrauen, und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte“, berichtet Niklas Rottenau vom richtungsweisenden Gespräch vor der Saison. „Ich habe dann gesagt, dass ich gerne für diese Mannschaft vorangehen will. Natürlich war mir klar, dass ich selbst auf und neben dem Platz mehr machen muss. Das haben die Trainer damit auf jeden Fall auch erreicht.“

Der sonst eher gemütliche junge Mann geht seitdem nicht nur mit starken Leistungen in der Hinrunde voran. Er hört zusammen mit seinen Vize-Kapitänen Miletic und Hendrik Dechert auch in die Mannschaft hinein, führt Gespräche und kümmert sich darum, dass die Abläufe im Trainingsbetrieb nicht durch Kleinigkeiten gestört werden. „Eigentlich bin ich faul“, gibt der neue Leader zu, „jetzt schaue ich aber schon, dass das mit aufgepumpten Bällen oder den Trainingstoren klappt“. 14 Verbandsliga-Siege, drei Unentschieden und nur eine Niederlage später gibt es keine Zweifel daran, dass der Trainer mit dem jüngsten der drei Rottenau-Brüder die richtige Entscheidung getroffen hat. Eddersheims Nummer 10 hat mit seinen sechs Treffern und vor allem den 15 Torvorlagen – „Gefühlt habe ich Turgay Akbulut jedes seiner 26 Tore aufgelegt“ (Rottenau) – großen Anteil am Höhenflug des Main-Taunus-Teams. In der Verbandsliga-Mitte überwintern Rottenau und Co. als „Herbstmeister“ auf Platz eins – und nicht nur das.

Die Mannschaft marschierte als Kreispokalsieger 2017 auch im Hessenpokal von Sieg zu Sieg. Zuletzt besiegte sie den Hessenmeister Dreieich zu Hause 4:3. Nun steht im März das mit Spannung erwartete Halbfinale gegen den Regionalligisten und früheren Zweitligisten KSV Hessen Kassel an. „Wir sind vielleicht nur noch einen Sieg vom DFB-Pokal entfernt, wenn Wehen-Wiesbaden ins Finale kommt. Das wäre ein Traum. Ein Erfolgsgeheimnis kann Niklas Rottenau nicht benennen. „Wir haben im Sommer viele Neuzugänge und dadurch auch Qualität dazubekommen“, meint er. Dass Eddersheim mit dem jüngsten Rottenau, Turgay Akbulut oder Ivan Rebic in der Offensive „besondere Qualität“ hat, war schon vor der Saison bekannt. „Das Trainerteam hat aber dieses Mal einen wichtigen Ansatzpunkt in der Defensive gefunden. Sie haben uns klar gemacht, dass alle elf Spieler auf dem Platz auch nach hinten arbeiten müssen“, erklärt der Kapitän. So entstanden im Sommer eine neue Einheit und ein neuer Geist an der Staustufe.

Im ersten Halbjahr 2017 holte Rouven Leopold als neuer Trainer und Nachfolger von Andreas Schreier „nur“ fünf Siege, vier Unentschieden und fünf Niederlagen aus seinen ersten 14 Spielen. Die Saison 2016/17 wurde als Achter mit viel Luft nach oben abgeschlossen. „Wir haben auch in der neuen Saison schon Rückschläge einstecken müssen. Das hat uns zusammengeschweißt“, sagt Niklas Rottenau. Er nennt die Fußverletzungen von Patrick Hilser in der Vorbereitung oder die dramatische Oberschenkelverletzung inklusive Not-OP von Ivan Rebic als einschneidende Erlebnisse. Weil die gesamte Mannschaft gut auf diese Situationen reagiert und sich die Neuzugänge gut integrieren und sich auch an ihren neuen Kapitän schnell gewöhnen, ist Platz eins zum Ende des Jahres möglich. „Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht, weil wir generell viel untereinander sprechen. Jetzt wollen wir auch im neuen Jahr dort weitermachen, wo wir aufgehört haben“, kündigt Rottenau nach 16 Spielen ohne Niederlage an. „Wenn du so ein überragendes, halbes Jahr gespielt hast, willst du auch Meister werden. Das ist der Wunsch unserer Mannschaft.“

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