Judo

Eduard Trippel: Von der WM-Matte zur Polizei-Prüfung

Den Haag – Tokio: Kaum mit der Bronzemedaille aus Zagreb zurück, da warten schon die nächsten Stationen auf den Rüsselsheimer Judoka.

Vor drei Jahren sorgte er bei der U18-EM in Athen mit der Bronzemedaille für Furore. Nun holte sich Eduard Trippel mit einer Glanzleistung auch bei der Junioren-Weltmeisterschaft am Freitag in Zagreb Edelmetall (wir berichteten aktuell) und feierte den nächsten großen Erfolg seiner noch jungen Karriere. „Ich bin superglücklich“, strahlte der 20-jährige Rüsselsheimer nach dem dritten Platz in seiner 90-kg-Klasse voller Erleichterung.

Erleichterung über einen bärenstarken Gesamtauftritt bei der WM, mit dem er sein frühes Aus im August bei der U21-Europameisterschaft in Maribor vergessen machte. Dort war der Bundesligakämpfer des Judo-Club Rüsselsheim gleich in Runde eins am Franzosen Aurelien Diesse gescheitert. Umso mehr war es ihm jetzt eine Genugtuung, in seinem letzten WM-Kampf gegen den französischen Europameister eindrucksvoll Revanche zu nehmen.

Aus der bitteren EM-Erfahrung lernend, behielt Trippel, von JCR-Coach Andreas Esper bestens vorbereitet auf die WM, diesmal mit verbesserter Taktik kurz vor Schluss durch eine Ipponwertung über Diesse die Oberhand. „Das war sehr wichtig für die Psyche“, meinte Trippel und bekannte: „Erst dann habe ich gemerkt, was für ein Druck von mir abgefallen ist.“

Zum Abschluss seiner Juniorenzeit die ersehnte WM-Medaille zu holen und zu sehen, dass er sich mit der U21-Weltspitze auf Augenhöhe bewegt, war Balsam für Trippels Judo-Seele. In seinen sechs Kämpfen hatte er am Freitag in Zagreb nur im Pool A gegen den späteren Weltmeister, Goki Tajima aus Japan, das Nachsehen. Erst 20 Sekunden vor Schluss war die Niederlage besiegelt. „Da haben Kleinigkeiten entschieden. Nach einem Waza-Ari des Japaners habe ich Druck, Druck, Druck gemacht, bin dann aber in seinen Wurf reingelaufen. Da hätte ich von der Taktik her anders reingehen müssen“, resümierte Trippel selbstkritisch.

Doch mochte er nicht hadern mit der Niederlage. Vielmehr überwog die große Freude über den Podestplatz, den sich der junge Rüsselsheimer dank einer besonnenen Gangart redlich verdient hat. „Ich bin die WM etwas ruhiger angegangen als die EM. Das war wichtig.“

Dabei hatte der Deutsche Meister der 90-kg-Klasse anfangs noch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Nach dem Arbeitssieg über Yoandy Travieso Cuellar (Kuba) musste er sich nach eigener Aussage sogar übergeben. Umso erstaunlicher, dass Trippel nur wenig später Afrikameister Mahmoud Oussama Snoussi aus Tunesien furios mit Ippon niederrang und viel Selbstvertrauen tankte. „Einen Ansatz von ihm habe ich gekontert.“ Im Anschluss brachte der 20-Jährige gegen Darko Brasnjovic (Serbien) eine frühe Führung über die Zeit, um sich trotz des Rückschlags gegen Goki Tajima dann in der Trostrunde mit einem Sieg über Vitaliu Shepel (Ukraine) und zum krönenden Abschluss gegen Aurelien Diesse Bronze zu sichern.

Nach der heutigen Rückkehr geht es für Trippel in dieser Woche erst einmal beruflich mit einer Prüfung im Rahmen seines Polizeistudiums weiter. Sportlich folgt dann die Vorbereitung auf zwei bedeutsame Wettkämpfe, die noch vor Jahresfrist auf das Ausnahmetalent des JC warten: Mitte November das Grand-Prix-Turnier in Den Haag und Anfang Dezember der Grand-Slam-Einsatz in Tokio.

In der japanischen Hauptstadt wird Trippel dann sicher auch schon so manchen Gedanken in die Zukunft richten. Denn er hat ein großes Ziel: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

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