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„Getarnt“ als Manuel Neuer kann es Dominic Minnert nicht fassen: Der Köpperner Schlussmann ist erneut durch einen spektakulären Distanzschuss bezwungen worden.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Effektiver geht's nicht - Oberstedten schlägt Köppern mit 4:3

Im Topspiel der Fußball-Kreisoberliga gibt Teutonia Köppern lange Zeit den Ton an, doch der FC Oberstedten gewinnt mit 4:3 (3:1). Dabei hatten die Hausherren nur zwei klare Torchancen. Ein Kunstschütze macht’s möglich, dass daraus vier Treffer wurden.

Trotz der maximalen Ausbeute von sechs Punkten in der Kreisoberliga zeigte sich Leo Caic zuletzt nicht zufrieden. Spielerisch attestierte der Trainer des FC Oberstedten seinem Team noch Nachholbedarf und im Spitzenspiel gegen Teutonia Köppern zeigte sich, warum. Der FCO tat sich äußerst schwer, während die Gäste schwungvoll kombinierten. Gerade Edeltechniker Nouri Jegham traf in der Anfangsphase viele falsche Entscheidungen, versuchte stets, den schwerstmöglichen Pass zu spielen. Doch eines kann man Oberstedten und Jegham bei deren 4:3-Sieg nicht absprechen: Effektivität vor dem Tor.

Nachdem Köppern auf der Gert-Ziegelmeier-Sportanlage bereits vier gute Chancen hatte liegen lassen, traf Oberstedten mit dem ersten Torschuss zum 1:0 (30.). Torschütze Jegham hatte seinen Treffer mit einer klugen Spielverlagerung im Mittelfeld selbst eingeleitet. Nur eine Minute später saß auch der zweite Abschluss. Mika Werner bereitete Mohammed Faquirs Kopfballtreffer per Flanke mustergültig vor. Nochmals zwei Minuten später vergab Köpperns Daniel Feil den Anschluss aus rund vier Metern, weil er FCO-Schlussmann Felix Becker anschoss.

Doch die Teutonen steckten nicht auf und belohnten sich in der 36. Minute mit dem Anschlusstreffer zum 2:1. Oberstedten spekulierte auf Abseits, was Dominik Bauss nutzte. Er umrundete Becker und schob lässig ein. Doch wieder war es Oberstedten, das den Spielverlauf etwas auf den Kopf stellte. Masiullah Mahbubi verwandelte aus 30 Metern zum 3:1 (39., siehe auch Extratext). Da aber Stedtens Marko Mitrovic kurv vor dem Gang in die Kabine Gelb-Rot sah, zeichnete sich eine spannende zweite Halbzeit ab.

Das schnelle 3:2 durch den eingewechselten Fabian Bannert (49.) gab Köppern Rückenwind, doch der Torschütze vergab in der 58. ebenso wie zuvor Matthias Wohlgefahrt in der 56. Minute den Ausgleich. Also fasste sich Mahbubi wieder ein Herz, sein Schuss aus 25 Metern erhöhte die Führung der Gastgeber auf 4:2 (67.).

Dass sich die Gäste bei gefühlten 40 Grad auf dem Rasen danach noch immer nicht geschlagen gaben, ist ihnen hoch anzurechnen, die couragierte Abwehrleistung der Hausherren in Unterzahl beeindruckte nicht minder. Teilweise trat Oberstedten in Unterzahl plötzlich sogar spielbestimmend auf. Mehr als das 4:3 durch Luka Milic (83., Foulelfmeter) war bei den drückenden Temperaturen letztendlich einfach nicht drin für die Köpperner.

„Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen, bin mit unserem Spiel eigentlich sehr zufrieden“, sagte Köpperns Coach Alexander Fievet, „wir haben bewiesen, dass wir mithalten können. Gegen die zwei Traumtore kannst du halt nichts machen.“

Sein Stedtener Kollege Leo Caic freute sich, dass seine Elf gegen „einen sehr starken Gegner in den richtigen Momenten die Tore gemacht hat“ und am Ende mit dem nötigen Quäntchen Glück den Sieg über die Zeit gerettet habe. Bereits unter der Woche hatte Caic prognostiziert, dass beide Teams bis zum Schluss oben in der Kreisoberliga mitmischen werden. Nach dieser Partie glaubt man ihm das sofort.

Masiullah Mahbubi: Je weiter vom Tor weg, desto gefährlicher

Wenn es um Kunstschützen geht, dann ist eigentlich beim FC Oberstedten Nouri Jegham zuständig. Gegen Teutonia Köppern tat sich aber dessen Teamkollege Masiullah Mahbubi (kam vom FC Weißkirchen) mit zwei absolut sehenswerten Krachern hervor. Beim 3:1 (39.) zog der gelernte Angreifer aus rund 30 Metern ab. Dass der Ball dabei im Torwarteck einschlug, Teutonen Keeper Dominic Minnert aber trotzdem machtlos war, sagt viel aus über diesen Gewaltschuss. In der 67. Minute waren es zwar „nur“ knapp 25 Meter, dafür wuchtete Mahbubi die Kugel über Minnert hinweg in den Winkel zum 4:2. Schade, dass keine Kameras mitliefen, denn sonst wäre der 29-Jährige bei der ARD jetzt gleich zweimal heißer Anwärter auf das Tor des Monats August. „Dass er so eine Schusstechnik hat, habe ich im Training noch gar nicht mitbekommen“, zeigte sich später sein Trainer Leo Caic verblüfft.

Über ihn laufen im Oberstedtener Mittelfeld viele Angriffe und er ist ein starker Distanzschütze: Masiullah Mahbubi (rechts).

Der Schütze selbst sagt ganz bescheiden: „Ich hatte beide Male schon die Absicht, aufs Tor zu schießen, doch ein wenig Glück war auch dabei.“ Apropos Glück: Das scheint Masiullah Mahbubi nun schon zum zweiten Mal in Oberstedten gefunden zu haben. Er gehörte schon 2016 zur Mannschaft des FCO, die in die Gruppenliga aufstieg. Und nun? „Man muss ja immer vorsichtig sein, was man sagt“, erklärt er mit einem verschmitzten Lächeln, „ich persönlich will aber schon oben mitspielen. Und wir haben die Qualität im Kader, um da mitzumischen.“ Gegen Köppern lief er in der Mittelfeldzentrale auf, sieht sich selbst jedoch eher in der Sturmspitze. Aber mal Hand aufs Herz: Umso weiter Masiullah Mahbubi vom Tor weg steht, desto torgefährlicher scheint er zu werden.

ROBIN KUNZE

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